Eine Studie hat ergeben, dass auch glückliche Menschen zu Overeating neigen. Sie essen aber mehr Süßes als unglückliche Menschen. Aus diesem Grund.

Eine niederländische Studie hat ergeben, dass auch glückliche Menschen zu Overeating neigen. Wir mehr essen, wenn wir glücklich sind. Moment: War das nicht eigentlich anders herum?

Wir beschäftigen uns mit der Frage, was Overeating ist und warum es auch glückliche Menschen trifft. Außerdem werden wir herausfinden, welche Nahrungsmittel Freude auslösen und welche eher mit negativen Gefühlen in Verbindung gebracht werden.

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Overeating kann auch positiv sein. Credit: gettyimages/Conny Marshaus

Overeating: Glückliche Menschen essen mehr – aber nur bestimmte Nahrungsmittel

Overeating (Deutsch: Überessen) verbinden viele mit dem Essen aus Traurigkeit, aus Selbsthass und aus Langeweile. Dies sind alle keine positiven Emotionen. Eine Studie aus dem Jahr 2013 hat aber ergeben, dass glückliche Gefühle unter bestimmten Umständen ebenfalls zum Overeating führen können.

Overeating-Studie: Was wurde da untersucht?

Peggy Bongers von der Universität in Maastricht nahm sich dem Thema an und kreierte eine Studie mit dem Titel „Happy eating. The underestimated role of overeating in a positive mood“. Die Studie untersuchte die Auswirkungen von bestimmten Nahrungsmitteln auf das Glücksempfinden der Probandinnen. Gemessen wurde deren Glücksgefühl fünf Minuten nach dem Essen.

Zu ihrem eigenen Erstaunen fanden die Studienleiter:innen einen Zusammenhang zwischen der Kalorienaufnahme und dem empfundenen Glück – bis dato hatte man geglaubt, dass eher negative Emotionen zu einer höheren Kalorienaufnahme führen würden.

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Essen kann viele Emotionen auslösen: Eltern, Freunde, Weihnachten bei Oma? Foto: Nikada/Getty via Canva /

Emotionale Esser vs. unemotionale Esser

In der Studie aus den Niederlanden wird zwischen emotionalen und unemotionalen Esser:innen unterschieden. Emotionales Essen steht in direktem Gegensatz zum intuitiven Essen, bei dem wir nur dann essen, wenn der Körper wirklich hungrig ist. Beim emotionalen Essen geht es um einen geistigen Hunger, der durch die Nahrungsaufnahme nur bedingt gestillt werden kann.

Dieser geistige Hunger wird erst dann gestillt, wenn die Gefühle, die dadurch ausgelöst werden sollen, vorübergehen. Emotionales Essen wird oft mit Overeating in Verbindung gebracht, da das körperliche Sättigungsgefühl hier nur eine Nebenrolle spielt.

Menschen, die ausschließlich intuitiv essen, stillen keine emotionalen Bedürfnisse mit ihrer Nahrung. Ihnen geht es ausschließlich darum, sich zu sättigen, genügend Proteine, Fette und Kohlenhydrate aufzunehmen und sich zu stärken. Die Studie aus den Niederlanden fokussierte sich deshalb auf die sogenannten emotionalen Esser:innen, die einen emotionalen Mehrwert aus dem Essen ziehen.

Der Studie zufolge wird emotionales Essen in zwei verschiedene Kategorien eingeteilt: Das positive emotionale Essen und das negative emotionale Essen. Letzteres ist weithin bekannter und wird auch oft als Heißhungerattacke bezeichnet.

Zuckerersatz
Emotionales Essen bei Glück: Zucker, Zucker, Zucker. Credit: istock.com/Slavica /

Positives emotionales Essen: Das Gefühl verstärken

Wenn wir positive Gefühle verspüren, kann Nahrung diese Gefühle noch verstärken. Dr. Vera Tarman, Spezialistin für Essstörungen, beschrieb dies der Redaktion des Online Magazins Chatelaine ausführlich. Sie beschreibt das Essen in einer glücklichen Phase als „to ride the surge“, zu deutsch „die Welle reiten.“

Das liege an mehreren Faktoren, so Tarman. Denn mit Essen verbinden wir auf mehreren Ebenen ein Glücksempfinden: Zum einen verbinden viele Menschen Familie, Freunde und Zusammengehörigkeit mit einem guten Essen. Bestimmte Nahrungsmittel erinnern uns an unsere Kindheit oder das Gefühl, was wir in einem wunderschönen Sommerurlaub verspürt haben.

Auf der anderen Seite kann Essen uns körperlich glücklich machen. Beispielsweise gibt es verschiedene Lebensmittel, die in unserem Körper das Glückshormon Serotonin triggern. Wir kennen bestimmt alle den Spruch „Schokolade macht glücklich.“

Overeating in einer glücklichen Phase will immer ein glückliches Gefühl beibehalten, das man während des Essens verspürt, so die Expertin Dr. Tarman.

Frau Pizza
Heißhungerattacken bei Unglück: Pizza & Burger Credit: Foto: istock, S_Chum /

Negatives emotionales Essen: Das Gefühl betäuben

Auf der anderen Seite der Medaille steht das negative emotionale Essen, das den meisten von uns eher geläufig ist. Tarman beschreibt, dass negative Overeater mit der Nahrung ihre Gefühle eher betäuben wollen, „to numb the feeling.“ Viele Essstörungen wie Bulimie und Anorexie entstehen daraus, dass Menschen sich nicht mit ihren Gefühlen auseinandersetzen wollen (oder können) und sich stattdessen auf das Essen konzentrieren.

Redaktionstipp: Eine Essstörung zu verstehen ist wahnsinnig kompliziert. Wir haben zwei ehemals Essgestörte über ihr Leben mit der Sucht ausgequetscht. Eine Bulimikerin und ein Magersüchtiger kommen zu Wort.

Emotionales Essen lässt auch die wmn-Redaktion nicht kalt. In unserem Podcast sprechen wir ausführlich darüber, was Essen in uns auslöst.

Glück vs. Traurigkeit: Was essen wir bei welcher Emotion?

Interessanterweise, so erklärt Dr. Tarman, gelüstet es positiven emotionalen Esser:innen nach anderen Nahrungsmitteln als negativen emotionalen Esser:innen. Tarman erklärt, dass negativ emotionale Esser:innen eher zu Fettigem wie Fast Food oder Stärkehaltigem wie Brot oder Cerealien greifen.

When people are depressed, they tend to crave starches and fats. And when they’re happy, they tend to crave sugary stuff. 

Dr. Vera Tarman

Disclaimer: Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass der Ausdruck „depressed“, wie ihn Tarman verwendet, nicht direkt ins Deutsche übersetzt werden kann. „Depressed“ bedeutet im Englischen auch „niedergeschlagen“ und nicht „depressiv“. Menschen, die ein negatives emotionales Overeating betreiben, sind keinesfalls zwangsläufig depressiv, sondern können auch zweitweise Traurigkeit empfinden.

Positiv emotionale Overeater:innen hingegen verzehren sich eher nach Süßem und Zuckerhaltigem. Zucker stimuliert nämlich unser Gehirn. Wenn wir Zucker essen, dockt dieser schnell an die Rezeptoren im Gehirn an, die beispielsweise auch bei der Einnahme von Kokain stimuliert werden.

Zucker putscht uns also auf und macht uns aktiver. Das ist einer der Gründe, warum immer mehr Menschen eine Zuckersucht entwickeln. Was eine Zuckersucht genau ist und wie man sie wieder loswerden kann, erfährst du hier.

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Overeating ist also gar nicht so schlecht wie es scheint?

Emotionales Essen kann uns also tatsächlich glücklicher machen. Nun stellt sich die Frage, ob Overeating etwas Gutes ist. Leider sind aber auch die Glücksgefühle, die positives Overeating in uns triggern nicht von Dauer. Zwar haben die Proband:innen der niederländischen Studie fünf Minuten nach der Kalorienaufnahme Glücksgefühle empfunden. Doch wer zu viel Zucker in kurzer Zeit isst und das in regelmäßigen Abständen tut, der wird unter den Folgen zu leiden haben. Bauchschmerzen sind da nur die kurzfristigen Folgen.

Ungewollte Gewichtszunahme, schlechte Zähne und eine Zuckersucht können leider auch daraus resultieren. Wir von der wmn-Redaktion finden, dass wir beim Overeating ruhig „die Welle reiten“ können, wie Dr. Tarman es ausdrückt. Allerdings gilt auch hier wieder das alte Sprichwort: „Die Menge machts.“

Wusstest du, dass auch Käse dich süchtig machen kann? Von welchen Käsesorten du lieber die Finger lassen solltest, erfährst du hier.