Der Orgasmus ist das wohl größte Thema, wenn es um Sex geht und nicht selten das Ziel, auf welches wir zusammen oder allein hinarbeiten. Aber was genau passiert beim Orgasmus eigentlich, dass wir ihn so genießen und wieder und wieder erleben wollen? Wir verraten es dir!

Was passiert beim Orgasmus: So fühlt er sich an

Der Orgasmus ist der Höhepunkt der Erregung beim Sex mit einer oder einem PartnerIn oder auch beim Masturbieren. Er macht den Sex zur Droge, denn für wenige Sekunden befindet man sich in einem rauschähnlichen Zustand, der beflügelt.

Dabei ziehen sich blitzschnell die Muskeln in den Genitalien zusammen, das Herz klopft bis zum Anschlag, alles im Körper zieht sich zusammen und gleichzeitig gehen von der Vagina wohlige Stöße der Entspannung aus. So oder so ähnlich würde Frau wohl einen Orgasmus beschreiben. 

Aber was passiert hier ganz genau im Körper? Wir haben recherchiert und für euch in Sexualkunde ganz besonders gut aufgepasst.

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Wir erklären, was bei dir im Körper passiert, wenn du kommst.(Photo: Getty Images/ _IB_)

Was passiert beim Orgasmus wissenschaftlich? – Die 4 Phasen

Laut den ersten großen Sexualforschern William Masters und Virginia Johnson hat ein Orgasmus vier Phasen. Vermutlich kennst du sie selbst schon, konntest sie aber bisher nicht benennen. Das passiert in den vier Phasen des Sex bis hin zum Orgasmus.

PS: Wer mehr über die ersten Forschungen über Sex erfahren will, sollte sich unbedingt die Serie Masters of Sex anschauen. Sie verfolgt die Arbeit der beiden.

1. Erregungsphase

Die Erregungsphase beginnt mit dem Vorspiel, manchmal schon mit der ersten Berührung oder dem ersten Kuss. Was passiert? In dieser Phase werden die Genitalien stärker durchblutet, die Vagina und Vulva werden feucht, schwellen leicht an, die Brustwarzen werden hart und sensibler. Gleichzeitig wird auch die Klitoris größer und wird teilweise freigelegt.

Gleichzeitig wird im Gehirn der genitale Cortex stimuliert, dieser aktiviert später das limbische System aktivieren und somit auch zu erhöhtem Puls und Blutdruck führen.

  • Dauer: wenige Minuten bis Stunden

2. Plateauphase

Bist du in der Plateauphase, dann hat der Sex vermutlich schon begonnen oder die Befriedigung durch Finger, Vibratoren und Co., denn du bist schon total in the zone. Der Name der Phase beschreibt schon sehr gut, was genau passiert: Die Erregung ist auf einem extrem hohen, aber gleichbleibenden Plateau. Du weißt also, du bist kurz vor dem Kommen, dein Körper stellt sich darauf ein, aber es ist noch nicht so weit. Eine sehr lange Plateauphase kann extrem anstrengend sein.

Denn: Deine Muskeln spannen sich bewusst und unbewusst an, Puls und Blutdrucks sind sehr hoch, die Schamlippen weiten sich und es wird zusätzliches Vaginalsekret abgegeben (ähnlich zum männlichen Precum), der Scheideneingang verengt sich, die Klitoris zieht sich etwas zurück, schwillt aber immer Inneren weiter an, der Uterus verlagert sich, Vulva und die Analregion verändern ihre Farbe.

All das wird von verschiedenen Hirnregionen ausgelöst. Gleichzeitig wirst du durch die Mitwirkung des Gyrus cinguli sehr viel schmerzunempfindlicher und Glückshormone werden freigesetzt.

  • Dauer: wenige Minuten bis zu einer Stunde

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Dauert die Plateauphase zu lang, kannst du schon mal eine Pause gebrauchen, denn sie ist richtig anstrengend.(Photo: imago/Westend61)

3. Orgasmus

Was genau passiert hier beim Orgasmus? Der Beckenboden, aber auch alle anderen Muskeln im Genitalraum (auch der Anus) ziehen sich periodisch zusammen im Intervall von ca. 0,8 Sekunden. Ein Orgasmus kann aus 5 bis 15 solcher Kontraktionen bestehen, die oft auch die empfundene Qualität des Orgasmus ausmachen.

Die gesamte Spannung der Plateauphase entlädt sich hier innerhalb weniger Sekunden. Kreislauf und Puls arbeiten auf Hochtouren, Pupille weiten sich, es kann sogar zu Ohnmacht-ähnlichen Zuständen kommen. Denn der präfrontale Cortex wird teils ausgeschaltet (verantwortlich für Sinneseindrücke) und unser Gehirn geht kurz in eine Art Schlafzustand über.

Im Gehirn werden dabei außerdem die Hormone Prolaktin, Adrenalin, Dopamin und Oxytocin freigesetzt. Prolaktin soll die Milchproduktion anregen und bereitet die Frau auf möglichen Nachwuchs vor; Oxytocin entspannt, macht müde und schafft Nähe zuR PartnerIn. Dopamin sorgt für einen rauschähnlichen Zustand.

Fun Fact: Mehr Oxytocin sorgt dafür, dass wir weniger schnell zunahmen. Also bekämpft den Winterspeck mit vielen Orgasmen!

Manche Frauen squirten außerdem beim Orgasmus, dabei wird eine klare Flüssigkeit aus der Skene-Drüse schwallartig freigesetzt. Aber auch in allen anderen Phasen des Sex ist Squirten möglich. Wie du Squirten lernen kannst, erfährst du hier.

  • Dauer: wenige Sekunden bis max. eine Minute bei Frauen

4. Rückbildungsphase

In der letzten Phase kommen wir dank Oxytocin runter, der gesamte Genitalbereich schwillt ab, wird trockener, der Uterus geht zurück in seine gewohnte Position, Puls und Blutdruck beruhigen sich. Männer haben nun häufig eine Refraktärphase, also eine Phase der Reizunempfindlichkeit. In dieser Zeit können sie nicht noch einmal steif werden. Sie dauert ungefähr so lang wie ihre Erregungsphase.

Frauen hingegen haben diese Phase nach ihrem Orgasmus meist nicht. Einige können direkt weitermachen und binnen Sekunden einen weiteren Orgasmus erleben (Stichpunkt: Multiple Orgasmen). Schuld sein könnte der Anstieg von Adrenalin und Noradrenalin nach dem Orgasmus. Bei anderen Frauen ist die Vulva und Vagina kurz nach dem Orgasmus überempfindlich und darf nicht zu sehr stimuliert werden.

  • Dauer: ähnlich lang wie Phase 1

Video: SO kannst du deine Lust steigern.

Unterschiedliche Orgasmus-Arten

Eine Frau kann auf verschiedenste Weisen zum Orgasmus kommen. Weit verbreitet ist die Differenzierung zwischen vaginalem und klitoralem Orgasmus. Doch das wurde durch die Wissenschaft widerlegt, die herausfand, dass auch der vaginale Orgasmus meist von der (inneren) Klitoris ausgelöst wird und damit bei beiden die Klitoris für den Orgasmus verantwortlich ist. Die Unterscheidung dient als nur dazu, um dem Partner oder der Partnerin zu vermitteln, wie man bevorzugt stimuliert werden möchte.

Aber es gibt noch weitere Orgasmen bei Frauen:

Der vorgetäuschte Orgasmus

Er wird oft Frauen nachgesagt, denn sie kommen durchschnittlich weitaus weniger oft zum Höhepunkt als Männer. Beim vorgetäuschten Orgasmus bleibt die dritte Phase aus, stattdessen werden die Merkmale davon imitiert wie Stöhnen, Anspannung, Erschöpfung nach dem Sex. 

Knapp 90 % der Frauen haben in ihrem Leben schon mal einen Orgasmus vorgetäuscht, meistens um ParterIn einen Gefallen zu tun oder um den Sex zu beschleunigen. Gehörst du selbst zu den üblichen Verdächtigen, dann habe ich hier 5 Tipps, wie du aufhören kannst, einen Orgasmus vorzutäuschen.

Der Orgasmus bleibt aus

Manche Menschen, insbesondere viele Frauen, schaffen es weder allein, noch mit PartnerIn zu kommen. Phase drei bleibt also ebenfalls aus, aber manchmal sogar die zwei Phasen davor. Das kann vielerlei Gründe haben physische wie auch psychische. Erster Ansprechpartner sollte der oder die GynäkologIn sein. Ist es ausgeschlossen, dass der ausbleibende Orgasmus an eurer Physik liegt (sehr seltener Fall), könnt ihr euch Hilfe bei SexualtherpeutInnen suchen. Auch der Gang zu einer Tantra-Massage kann dir helfen deinen Körper kennenzulernen und neu zu erkunden.

Denn: Wer orgasmischen Sex haben will, sollte erst einmal lernen, allein zum Orgasmus zu kommen. Erst dann kannst du deineR ParterIn zeigen, was zu tun ist, um dich vollends zu beglücken. Unsere Tipps zum orgasmischen Masturbieren findest du hier.

Fazit: Wissenschaftlich & emotional ein Höhepunkt

Was beim Orgasmus passiert, involviert sowohl Körper als auch Geist und ist nebenbei noch richtig gesund für uns. So machen regelmäßige Orgasmen nicht nur glücklicher, sondern trainieren auch unsere Empfindlichkeit und sorgen für immer mehr Spaß im Bett.

Du hast gar keine Lust auf Sex, geschweige denn Orgasmen? Daran kann es liegen. Vielleicht probierst du auch einfach diese 36 versauten Fragen, um dich wieder in Stimmung zu bringen:

Diese Fragen bringen euch zum Höhepunkt.