Hast du auch manchmal das Gefühl, der Stress in deinem Leben würde kein Ende nehmen? Oft erwische ich mich bei dem Gedanken, dass andere ein deutlich stressfreieres Leben zu haben scheinen. Was mache ich nur falsch, frage ich mich dann. Nüchtern betrachtet weiß ich natürlich, dass alle ihr Päckchen zu tragen haben. Einzig wie wir mit dem Stress, den Herausforderungen und den Rückschlägen im Leben umgehen, ist entscheidend. Tatsächlich ist es aber so, dass manche Menschen diesen Umgang mit Stress besser beherrschen als andere – und zwar weil sie über Resilienz verfügen. In diesem Artikel verrate ich dir, was hinter dem Begriff steckt und wie auch du Resilienz lernen kannst.

Resilienz lernen ist in der heutigen Zeit unabdingbar

Der Begriff Resilienz leitet sich vom lateinischen Wort resilire ab, was so viel wie zurückspringen oder abprallen meint. Ursprünglich wurde der Begriff vor allem in der Werkstoffkunde verwendet und bezeichnete Materialien, die besonders flexibel sind und immer wieder in ihre Ausgangsform zurückfinden, wie beispielsweise Gummi.

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Flexibel wie Gummi? Resiliente Menschen bringt nichts so schnell aus der Bahn. Credit: IMAGO / Westend61

Doch auch der Mensch kann diese Eigenschaften aufweisen und gummiartig alles Schlechte von sich abprallen lassen. Besonders tritt die Eigenschaft der Resilienz in Zeiten zutage, die von Krisen, Verlusten und großen Herausforderungen gekennzeichnet sind. Ganz gleich, ob es sich um Trennungen, Todesfälle, Kündigungen, Streitigkeiten, aber auch um negativen Stress handelt. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, mit diesen Problemen umzugehen, sich auf Veränderungen im Leben einzulassen und sich rasch von ihnen zu erholen.

Erst Trauma, dann Stress: Was die Widerstandsfähigkeit umfasst

Lange Zeit war der Begriff in der Psychologie vor allem auf traumatische Erfahrungen ausgelegt. Doch seit den 1970er-Jahren ist er vor allem auch auf die Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der psychischen Gesundheit im Zuge besonders stressiger Phasen gemünzt. Resilienz bezeichnet dann vereinfachend die Widerstandskraft eines Menschen gegen Stress.

In der Definition der American Psychological Association fasst der Begriff beide Bedeutungen. Resilienz ist dann ein „Prozess der guten Anpassung angesichts Widrigkeiten, Trauma, Tragödien, Bedrohungen oder anderen wesentlichen Quellen von Stress“.

Warum ist Resilienz lernen heute so wichtig? Stress ist vor allem in leistungsorientierten Gesellschaften wie der unseren eine Volkskrankheit. Und zwar nicht der positive Stress, der uns vor einer Deadline den nötigen Aufwind verpasst, sondern der negative Stress, der langandauernd Krankheiten wie Depressionen oder Burn-out begünstigt.

Stress ist sogar die Hauptursache psychischer Erkrankungen und wird von der Weltgesundheitsorganisation als „einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. So zeigt jeder fünfte Mensch typische Stresssymptome, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten. Gerade heute ist die Fähigkeit der Resilienz daher unabdingbar.

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Wer der Zukunft gegenüber optimistisch eingestellt ist, ist eher resilient. Credit: Getty Images/ Oscar Wong /

Was zeichnet resiliente Menschen aus?

Resiliente Menschen umgehen die Widrigkeiten des Lebens also weitestgehend bzw. funktionieren danach möglichst gut weiter. Stress nehmen sie positiv an, ziehen ihre Vorteile daraus und wachsen an ihren Erfahrungen. Folgende Eigenschaften weisen sie außerdem auf:

  • Akzeptanz: Resiliente Menschen nehmen ihre Lebensumstände an, auch die widrigen.
  • Optimismus: Sie denken stets positiv.
  • Selbstwirksamkeit: Sie glauben an eigene Fähigkeiten und Kompetenzen und wissen darum, dass man Krisen bewältigen kann.
  • Eigenverantwortung: Resiliente Menschen haben die Bereitschaft, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen.
  • Netzwerkorientierung: Sie vertrauen auf Freundschaften und die Familie und wissen darum, dass man nicht allein durch Krisen muss. Sie nehmen Hilfe an und bitten proaktiv darum.
  • Lösungsorientierung: Resiliente Menschen richten den Blick nicht auf das Problem, sondern darauf, wie man es löst.

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