Wie du das Nein-Sagen lernst & wie du damit deine Lebensqualität deutlich steigerst

Mit Sicherheit hast du schon mal den Film Der Ja-Sager mit Jim Carrey in der Hauptrolle gesehen. Carrey spielt hier den zynischen und geschiedenen Kreditberater Carl, der an einem ominösen Motivationsseminar teilnimmt und dort lernt, fortan nur noch mit Ja zu antworten. Auch wenn es sich hier nur um eine fiktive Komödie handelt, vermittelt der Film dennoch unterschwellig, dass man das Leben nur mit offenen Armen begrüßen muss, damit es gut zu einem ist.

Ich halte von dieser Ja-Sager-Mentalität allerdings herzlich wenig. Denn sie bringt einen weder selbst voran, noch ist es gesund, immer nur Ja zu sagen. In diesem Artikel verrate ich dir daher, warum du das Nein-Sagen lernen solltest und vor allem, warum das so wichtig ist.

Nein-Sagen lernen: Nicht leicht, aber verdammt wichtig

Bis vor Kurzem gehörte ich noch zu den Menschen, die bei jedem Umzug geholfen haben, jeder Einladung gefolgt sind und jede Extra-Aufgabe auf der Arbeit und in der Uni übernommen haben. Und warum? Weil ich Angst hatte, meine Freunde würden ein Nein negativ werten und mich weniger mögen oder ein Nein würde mich auf der Arbeit faul, unproduktiv und weniger zielstrebig wirken lassen.

Auch heute kann ich mich nicht völlig von diesem Denken lösen. Und das, obwohl mir schon klar ist, dass meine Freunde in drei Jahren bei einem Glas Wein nicht sagen werden: „Dass du damals nicht beim Umzug geholfen hast, war echt nicht in Ordnung“.

Nicht nur die Angst vor der Zurückweisung veranlasst Menschen dazu, zu waschechten Ja-Sager:innen zu werden. Viele fürchten sich zudem davor, der Harmonie einen Abbruch zutun. Wieder andere haben einen Wertekompass verinnerlicht, der ihnen vorschreibt, zuverlässig, loyal und fleißig zu sein. Ein negatives Nein passt schlicht nicht in dieses Weltbild. Nicht dass man noch wie der zynische Jim Carrey endet.

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Nein-Sagen kann richtig befreiend sein. Credit: Unsplash

Welche negativen Folgen das ständige Ja-Sagen haben kann

Was mich angeht, so sage ich heute deutlich seltener Ja. Was nicht heißt, dass mir das Nein-Sagen lernen leichtgefallen ist. Vielmehr war das eine echte Herausforderung. Aber eine, der ich mich stellen musste, meiner eigenen (mentalen) Gesundheit wegen.

Gemerkt, wie sehr mich das Ja-Sagen belastet, habe ich, als ich immer öfter Nein-Sagen musste. Weil ich Panikattacken hatte. Solche, die einen nicht einmal in die U-Bahn einsteigen lassen, weil man denkt, zu ersticken. Heute weiß ich, dass diese Panikattacken natürlich nicht nur dadurch ausgelöst wurden, weil ich eine Jasagerin war. Aber durchaus, weil ich viel zu viel Wert darauf gelegt habe, was andere Leute von mir denken.

Ich habe mich in dieser Zeit selbst verloren und musste erst wieder zu meinem Selbstbewusstsein finden, um den Panikattacken ein Ende zu setzen. Ich musste lernen, mir eigene Grenzen zu setzen. Und ich musste lernen, dass ein Nein mich nicht zurückwirft, sondern mir hilft.

Frau auf Boden
Ja-Sager laufen Gefahr, sich selbst zu verlieren. Credit: Unsplash

Dass Nein-Sagen lernen auch anderen Menschen helfen kann, wissen auch verschiedene Expert:innen, die davon sprechen, dass Ja-Sagen zum Beispiel zu einem Ungleichgewicht in Beziehungen führen kann und auch toxische Beziehungen begünstigt. Aber nicht nur Beziehungen können das Gleichgewicht verlieren, vor allem die mentale Gesundheit wird in Mitleidenschaft gezogen.

Denn wer immer Ja-Sagt und das gar nicht möchte, dem wird Energie geraubt und das kann tatsächlich zum mentalen Ausbrennen führen. Das weiß auch Georg Kempkes, der im Interview mit ze.tt verrät: „Zu viel Jasagen kann zum Burn-out führen. Viele Menschen vergessen, dass es um sie selbst, ihre Bedürfnisse sowie um ihre Lebensenergie geht und lassen zu, dass Wünsche und Forderungen anderer kräftezehrend, gefährlich werden.“. Somit ist Nein-Sagen zu lernen, Prophylaxe eines Burn-outs und wichtiger Teil des Stressabbaus.

Wie man das Nein-Sagen lernen kann

Nachfolgend zeige ich dir ein paar hilfreiche Tipps, wie auch du das Nein-Sagen lernen kannst und endlich aufhörst, es allen anderen außer dir selbst recht zu machen:

1.     Entscheide dich bewusst dafür, dass du das Nein-Sagen lernen möchtest. Nur wenn du dein eigenes Verhalten reflektierst und bemerkst, dass dir das ständige Ja-Sagen schadet, kann sich etwas bessern. Überdenke dabei auch, warum du bisher immer Ja gesagt hast. Wovor hast du Angst?

2.     Suche dir Verbündete. Allein das Nein-Sagen lernen ist eindeutig schwerer. Suche dir daher einen Menschen, mit dem du viel Zeit verbringst und weihe ihn in deine Pläne ein, häufiger mal Nein zu sagen. Diese Person kann zu deinem Korrektiv werden und häufiger mal nachfragen, ob ein Ja von dir auch wirklich so gemeint ist.

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Suche dir eine:n Verbündete:n , um besser Nein-Sagen zu lernen. Credit: imago stock&people

3.       Arbeite an deinem Selbstbewusstsein: Wer Nein-Sagen lernen möchte, muss auch lernen, mit Ablehnung umzugehen. Zwar solltest du die Gefühle anderer immer wahr- und ernst nehmen, aber die eigenen solltest du im Zweifel stärker gewichten. Und nie vergessen: Es geht im Leben nicht darum, anderen Menschen zu gefallen, sondern vor allem dir selbst. Und dieses Sich-Selbst-Gefallen beginnt meist mit einer stabilen mentalen Gesundheit. Also: Mut zum Nein!

4.       Reflektiere deine Ja-Antworten: Willst du das wirklich oder hast du wieder mal nur aus Gewohnheit zugestimmt? Nein-Sagen lernen geht auch mit Rückschlägen einher. Aber vergiss nicht, dass jedes Nein zu energieraubenden Dingen, ein Gewinn ist.

5.       Übe dich im Nein-Sagen: Nein-Sagen wird gerne als etwas Negatives verstanden. Dabei ist es dein gutes Recht, öfter mal Nein zu sagen. Freundlich, aber bestimmt, bitte. Du traust dich nicht direkt Nein zu sagen? Dann verschaffe dir Zeit und sage, dass du es dir noch überlegen möchtest. Im Zweifel wird eine Absage dann abgemildert.

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Selbstbewusstsein ist der Schlüssel zu mentaler Gesundheit. Credit: Manu Prats via www.imago-images.de

6.       Rechtfertige dich nicht: Wer Nein-Sagen lernt, sollte versuchen, sich nicht in Rechtfertigungen zu verlieren. Ein kurzes Nein mit einem anschließenden begründeten Satz muss ausreichen. Lasse dich nicht auf Diskussionen ein. Vor allem: Bloß nicht rückfällig werden und doch noch einlullen lassen!

7.       Alternativen anbieten: Zu guter Letzt meine Lieblingsstrategie beim Nein-Sagen lernen. Du möchtest, dass dein Nein nicht negativ aufgenommen wird? Dann biete Alternativen an. Verweise zum Beispiel auf Kolleg:innen, die die Aufgabe ebenso stemmen könnten oder biete deinen Freund:innen alternative Termine an, um etwas zu unternehmen. So wird aus einem heutigen Nein, ein späteres Ja. (Natürlich solltest du hier nur Alternativen anbieten, auf die du Lust hast.)

Nein-Sagen lernen bedeutet nicht, das Ja-Sagen zu verlernen

Wer das Nein-Sagen lernen möchte, sollte nicht gleich das Wörtchen Ja aus seinem Wortschatz streichen. Immerhin geht es nicht darum, alles nur noch zu verneinen. Es geht darum, vor allem die Dinge zu verneinen, die dir schaden. Am Ende des Tages gibt es immerhin genug Fragen, die wir immer mit einem Ja beantworten sollten. Zum Beispiel die Frage, ob wir Hilfe brauchen. Davon kann man nämlich niemals genug bekommen!

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