Autosuggestion = die Kunst, sich selbst zum positiven Denken zu beeinflussen. Lies hier, wie die Technik funktioniert & was sie bringt.

Ich selbst betitele mich gerne als Realistin mit einem Hang zum Pessimismus. Umso mehr bewundere ich Menschen, die uneingeschränkt positiv durchs Leben gehen. Denn so sehr ich meinen nüchternen Rationalismus auch zu schätzen weiß, muss ich gestehen, dass der ein oder andere positive Gedanke mehr mein Leben bereits um einiges erleichtert hätte. Ersponnene Worst Case-Szenarien und Versagensängste hätten mir so vielleicht etwas weniger im Weg gestanden.

Dass positive Gedanken das Leben nicht nur leichter, sondern auch erfolgreicher und lebenswerter gestalten können, weiß die Wissenschaft schon lange. Hier taucht dahingehend immer mal wieder der Begriff der Autosuggestion auf, mit der man sein Unterbewusstsein positiv formen kann. Was genau hinter dieser Technik steckt und wie auch du sie lernen kannst, liest du hier.

Was ist Autosuggestion?

Das Wort Autosuggestion ist auf die beiden griechischen Vokabeln auto und suggestio zurückzuführen, welche zusammen so viel wie Selbstbeeinflussung bedeuten. Gemeint ist mit diesem Begriff ein Prozess, bei dem man sein Unterbewusstsein in dem Maße trainiert, dass man zuletzt lernt, mehr an sich zu glauben und dem Leben positiv zu begegnen.

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Bei der Autosuggestion spricht man sich solange Mut zu, bis man selbst daran glaubt. Der Fokus liegt auf einem Selbst.(Photo: Getty Images/ Klaus Vedfelt)

Der Autosuggestion liegt der Gedanke zugrunde, dass man alles schaffen kann, wenn man nur genug daran glaubt. Erreicht wird dieses Ziel vor allem durch regelmäßige Selbsthypnose oder Selbst-Affirmationen, mit denen man die eigene Psyche beeinflussen kann.

Klingt dir alles etwas zu esoterisch? Kein Wunder. Auch auf diesen Gebieten findet die Autosuggestion Anwendung. Doch Autosuggestion sollte daher nicht gleich als esoterischer Quatsch abgetan werden. Immerhin bestätigen psychologische Studien ihre Wirksamkeit

Woher kommt die Autosuggestion?

Begründet wurde die Technik der Autosuggestion im Übrigen durch den Apotheker Émile Coué, der seinen Kund:innen im 19. Jahrhundert Medikamente überreichte und bemerkte, dass seine Worte Einfluss darauf hatten, wie wirksam die Medikamente waren. Davon leitete er ab, dass sich das Wohlbefinden der Menschen auch durch positive Gedanken erreichen ließe.

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Verwandt mit der Autosuggestion ist der sogenannte Placebo-Effekt.(Photo: imago images/Westend61)

Auch interessant: Verwandt damit ist der Placebo-Effekt, bei dem Medikamente, die frei von Wirkung sind, dennoch Linderung verschaffen – allein weil der Gedanke an ihre Wirksamkeit sich dermaßen positiv auf die Psyche und letztlich auch auf die körperliche Gesundheit auswirkt.

Wie funktioniert Autosuggestion?

Grundlegend geht es bei der Autosuggestion darum, einen Gedanken zu formulieren, der mithilfe mentaler Übungen regelmäßig wiederholt wird. Irgendwann ist dieser Gedanke dann unterbewusst verankert, etabliert sich auch in der Denkweise und wirkt sich letztlich auf unsere Handlungen aus. Mentale Übungen sind zum Beispiel:

  • Visualisierung: Der Gedanke sollte in bildliche Vorstellungen umgewandelt werden können. Wer sich beispielsweise bildlich vorstellt, einen Marathon zu laufen, visualisiert sein Ziel.
  • Versprachlichung: Der Gedanke sollte in einem klaren Satz verankert werden, der nicht nur still, sondern auch laut ausgesprochen werden sollte. Zettel, auf denen der Leitsatz der Autosuggestion steht, helfen außerdem.
  • Mentale Wiederholung: Autosuggestion wird besonders gern im Zusammenspiel mit Entspannungstechniken wie dem Yoga und der Meditation angewandt. Hier kann der Leitgedanke zum Mantra werden.

Damit die Autosuggestion wirkt, sollte sich der Glaubenssatz mindestens täglich aufgesagt werden. 

Wann ist Autosuggestion sinnvoll? 

Autosuggestion sollte nicht den Anspruch verfolgen, alle negativen Gedanken aus dem Leben zu verbannen. Die gehören genau wie schlechte Tage einfach zum Leben dazu. Doch sobald negative Gedanken uns hemmen und sogar dafür sorgen, dass wir uns selbst im Weg stehen, kann es helfen, Autosuggestion anzuwenden.

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Autosuggestion kann vor allem davei helfen, den eigenen Selbstwert zu stärken und dem Leben gelassener zu begegnen.(Photo: imago images/Westend61)

Mit Sicherheit ist diese besondere Technik des positiven Denkens nicht die Antwort auf all deine Probleme. Dafür ist das Leben viel zu komplex und unvorhersehbar. Doch gerade wenn du Probleme hast, deinen Selbstwert zu erkennen oder an Versagensängsten leidest, kann Autosuggestion dir helfen. Prinzipiell lässt sich die Technik auf alle Lebensbereiche anwenden:

Autosuggestion für einen gesunden Selbstwert

Positive Affirmationen helfen, den Selbstwert zu stärken. Denn Stärke und Selbstbewusstsein kommen von innen heraus

Beispiel-Affirmation: Ich bin es wert, glücklich und erfolgreich zu sein.

Autosuggestion, um Ziele zu erreichen

Wer bei der Autosuggestion klare und erreichbare Ziele formuliert, kommt ihnen damit ein Stück näher. Denn manchmal mangelt es nur an einer gesunden Portion Überzeugung.

Beispiel-Affirmation: Ich werde beim Marathon im Ziel einlaufen.

Autosuggestion, um Stärke zu erlangen

Du bist vor Bewerbungsgesprächen besonders aufgeregt? Mit der Autosuggestion können auch gewünschte Charaktereigenschaften gestärkt werden.

Beispiel-Affirmation: Ich werde besonnen und stark auftreten. 

Bullet Journal Methode, Notizen
Folgende Regeln solltest du beim Formulieren deiner Glaubenssätze beachten.(Photo: Getty Images/ PeopleImages)

So formuliert man Glaubenssätze der Autosuggestion

Oben hast du nun bereits ein paar Beispiele für die Autosuggestion kennengelernt. Beim Formulieren dieser Glaubenssätze gibt es allerdings einiges zu beachten, damit diese tatsächlich zu einem positiven Mindset und zu einem glücklichen und erfolgreichen Leben führen:

  • Wähle die Ich-Form: Bei der Selbstbeeinflussung liegt der Fokus auf dir.
  • Vermeide Verneinungen: Nutze lieber positive Worte. Statt zu sagen „Ich werde nicht versagen.“, solltest du besser sagen: „Ich werde Erfolg haben.“
  • Vermeide den Konjunktiv: Lege Entschlossenheit in deine Sätze. Sage nicht „Ich könnte darin besser werden.“, sondern besser: „Ich werde das lernen.“
  • Formuliere glaubhafte Sätze: Du lernst das Joggen gerade erst? Dann sollte deine Autosuggestion eher beinhalten, dass du dich beim Laufen beispielsweise täglich selbst toppen wirst.

Letzter Schritt? Handeln! Allein wirkt Autosuggestion nicht

Als pessimistische Realistin muss ich sagen, dass es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, sich selbst täglich Mut zuzusprechen. Doch aus meiner Meditations-Challenge erinnere ich lebhaft, dass mir mein Mantra zu mehr Selbstbewusstsein verholfen hat.

Allein wird die Autosuggestion allerdings kein Leben positiver gestalten. Das Mindset vielleicht. Doch das allein genügt nicht. Soll die Technik fruchten, verlangt das nach Handlungen. Die gewonnene Kraft durch die positiven Affirmationen muss demnach genutzt werden, um die angestrebten Ziele auch umzusetzen. Immerhin wird niemand zum:r Marathonläufer:in, weil er nur daran glaubt.

Außerdem sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass man im Leben nicht alles alleine schafft. Oft muss man sich auch einfach Hilfe suchen. So kann Autosuggestion zwar prinzipiell ein positives Mindset formen, doch ernst zu nehmende Krankheiten verlangen beispielsweise nach einem: approbierten Ärzt:in.

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