Die jungen Generationen Gen Y und Gen Z sind mit allem aufgewachsen, was man sich wünschen kann. Gern werden wir als „faule und selbstsüchtige“ Generation verschrien. Doch dem ist nicht so. Ganz besonders auf Arbeit leiden viele junge Menschen unter dem steigenden Druck und sind stark Burnout-gefährdet. Wir erklären die Ursachen von Burnout bei jungen Menschen und was du vorbeugend tun kannst.

Die Ursachen von Burnout in der heutigen Gesellschaft

Das Burnout-Syndrom gehört zu einer der häufigsten psychischen Erkrankungen weltweit. Betroffene fühlen sich körperlich und psychisch ausgebrannt und kraftlos. Das kann bis zur völligen Selbstaufgabe und Gleichgültigkeit führen.

Dabei handelt es sich um eine moderne Krankheit, die erstmals 1970 von dem Psychologen Herbert Freudenberger diagnostiziert wurde. Damals waren es besonders „Helfer“-Berufe, wie Pfleger:innen oder Ärzt:innen, die an Lustlosigkeit, Erschöpfung und oft später auch an Depressionen litten. Heute kann das Krankheitsbild jede Gesellschaftsschicht treffen, aber besonders junge Menschen.

Wie viele Menschen leiden an Burnout?

Eine genaue Definition für das Burnout-Syndrom gibt es nicht, deshalb können in Deutschland auch keine genauen Zahlen festgemacht werden. Dass es sich um kein „kleines psychisches Wehwehchen“ handelt, bestätigte die WHO, als sie Burnout auf die Liste der globalen Krankheiten setze. Die WHO nimmt an, dass jeder vierte Erwachsene einmal im Leben an Burnout leiden wird.

Eine Studie in den USA zeigte, dass rund 84 % der Millenials angaben, bereits von Burnout betroffen zu sein, davon besonders Frauen. Und das nicht nur im Arbeitsleben, sondern bereits im Studium: Eine AOK-Umfrage ergab, dass knapp 53 % der Studierenden unter extremen Stress stehen würden. Das ist eine der wichtigsten Ursachen für Burnout.

Burnout: Mental ausgebrannt
Bei Burnout fühlt man sich ausgebrannt, kraftlos und hat keine Lebensfreude mehr. Das wirkt sich auch auf den Körper aus.

Burnout Ursachen: Ist es nur der Arbeitsstress?

Generell wird Burnout immer mit Stress auf der Arbeit verbunden, aber das muss nicht immer die Hauptursache sein, auch extreme Langeweile oder Unzufriedenheit kann eine Ursache für Burnout sein. Besonders Menschen, die soziale Anerkennung brauchen, sind Burnout-gefährdet.

1.  Schwaches Selbstbewusstsein

Menschen mit einem schwachen Selbstbewusstsein, neigen dazu sich schnell in Opferrollen zu begeben. Das kann auf Arbeit, aber auch im sozialen Umfeld dazu führen, dass ihre Wünsche nicht umgesetzt werden oder sie sich gar nicht trauen, diese zu formulieren. 

Auch ein damit verbundenes pessimistisches Weltbild kann zu Depressionen oder Burnout führen, wenn diese Personen aus ihrer Gedankenspirale nicht mehr rauskommen. Die beste Vorbeugung ist ein gesundes Selbstvertrauen und das kann man trainieren.

Feuerwehrfrau leidte an Burnout
Besonders Helfer-Berufe sind gefährdet, wenn sie mal versagen.

2. Idealismus

Auch sehr selbstbewusste Menschen mit viel Energie können von Burnout betroffen sein. Die Ursache liegt bei ihnen aber oft an zu idealistischen oder unerreichbaren Zielen. Diese können Ziele für ihr das Jobleben sein, aber auch im sozialen Umfeld liegen.

Typische „Helfer“-Persönlichkeiten fühlen sich zum Beispiel minderwertig, wenn sie merken, dass sie Menschen aus ihrem Umfeld nicht helfen können. Auch wenn sie selbst ihrem Ideal nicht nachkommen können, werden sie unglücklich. Hier muss man mal einen Gang zurückschalten und seine Ziele überdenken und anpassen.

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Du musst immer erst alles absegnen lassen? Das kann Nerven kosten.

3. Unselbstständigkeit

Menschen, die tagtäglich auf Hilfe angewiesen sind, etwa wegen einer Behinderung oder aufgrund des Alters, leiden besonders oft an Burnout. Die Ursache liegt auf der Hand: Sie können nicht autonom über ihr Leben entscheiden. Ihre Wünsche und Hoffnungen liegen oft in den Händen anderer Menschen. 

Diese Ursache von Burnout ist besonders akut, denn es gibt oft keine richtige Lösung dafür. Betroffene müssen lernen zu akzeptieren, dass sich dieser Zustand vermutlich nicht ändern wird. Trotzdem kann man natürlich Gegenmaßnahmen zu mehr Zufriedenheit ergreifen und lernen, seine Wünsche zu äußern und mit Angehörigen oder Pfleger:innen über das Problem sprechen.

Frauist gelangweilt im Job
Langeweile im Büro kann ebenfalls zu Burnout führen.

4. Monotonie, Unterforderung und Sinnlosigkeit

Alle drei beschreiben einen Zustand: Langeweile. Langeweile kann extrem gefährlich werden für unsere Psyche. Besonders am Arbeitsplatz treten diese Ursachen auf. Hier sind besonders Frauen betroffen, weil diese langsamer aufsteigen und öfter in niedrigen Positionen bleiben. Auch Hausfrauen und Hausmänner sind betroffen.

Hier spielen oft mehrere Faktoren zusammen: Die eigene Aufgabe wird infrage gestellt, nicht gewertschätzt, langweilt und fordert nicht mehr herais. Hier muss ein Tapetenwechsel her: Sprich deine Zweifel bei deinem Arbeitgeber (oder zu Hause) offen an und sage, dass du in deiner derzeitigen Position nicht zufrieden bist. 

Traumjob findne Büro Arbeit
Der Tag hat nur 24 Stunden, aber deine Aufgabenberg quillt über.(Photo: izusek)

5. Überlastung

Nun kommen wir zur bekanntesten Ursache von Burnout: Überlastung und Stress. Das tritt besonders am Arbeitsplatz auf, aber auch privater Stress kann tödlich für deine Psyche sein. Ja-Sager haben es oft besonders schwer. 

Lerne deine Kraft richtig einzuschätzen, und mache deinem Chef oder deinen Freunden klar, wenn du überfordert oder überlastet bist. Wenn du nichts sagst, kann sich nichts ändern.

Wie du Nein-Sagen lernst, erfährst du hier.

Zwei Jungen lästern
Mobbing im sozialen Umfeld kann eine Ursache von Burnout sein, wenn man mit der Situation überlastet ist.

6. Soziales Umfeld

Das soziale Umfeld auf der Arbeit, aber auch im Privaten ist extrem wichtig für deine mentale Gesundheit. Fehlende Unterstützung oder gar das Gegenteil wie Mobbing kann zu extremer Belastung und schließlich zu Burnout führen. 

Mobbing auf der Arbeit solltest du unbedingt mit deinem Chef und der Personalabteilung besprechen. Wenn Mobbing im Freundeskreis geschieht, solltest du vielleicht mal überdenken, ob das noch richtige Freunde sind.

ich bin unzufrieden im Job, soll ich kündigen oder nicht?
Du reißt dir den Hinter auf, aber keiner merkt es. Das kann auch eine Burnout Ursache sein.(Photo: Cecilie_Arcurs)

7. Fehlende Anerkennung

Fehlende Anerkennung kann ein zu niedriges Gehalt sein, aber auch zu wenig Aufmerksamkeit von den Vorgesetzten. Im sozialen Umfeld sind besonders engagierte Menschen betroffen, die viel für Andere tun und dafür zu wenig zurückbekommen. Auch hier sind Hausmann- und frau betroffen. 

Für Burnout-Experte Reinhard Haller ist fehlende Anerkennung sogar Grund Nummer eins für Burnout. Denn ohne Anerkennung strengt man sich immer mehr an, gibt es kein Feedback, wird man emotional, aber auch körperlich immer ausgelaugter.

Möchtest du mehr Gehalt oder einfach nur Mal positives Feedback, dann solltest du das ansprechen. Solltest du dich im Freundeskreis überengagieren, dann lerne, auch mal Nein zu sagen und Aufgaben abzulehnen. Sprich offen an, wenn du das Gefühl hast, dass Menschen dich für selbstverständlich nehmen.

Jobs mit Zukunft laut LinkedIn
Immer werden andere für ihre Ideen gefeiert, aber du hast wesentlich dazu beigetragen. Das solltest du ansprechen.

8. Ungerechtigkeit

Bereits im Kindergartenalter bekommen wir ein Verständnis von Gerechtigkeit. Fühlen wir uns unfair behandelt im Gegensatz zu anderen Personen, kann das zu verschiedensten Reaktionen wie Wut, Traurigkeit, Gleichgültigkeit, unterdrückten Zorn oder Verlust des Selbstvertrauens führen.

Hier sind besonders deine Vorgesetzten verantwortlich, wenn etwa Kolleg:innen bevorzugt behandelt werden. Auch hier ist offene Kommunikation der beste Weg. Vielleicht gibt es Gründe für Vorzugsbehandlungen, die dir entgangen sind und sogar einleuchten. Vielleicht merkt dein:e Chef:in gar nicht, dass du oft auf der Strecke bleibst.

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Allein, allein? Das kann Burnout fördern.(Photo: istock.com/theasis)

9. Einsamkeit

2016 fand eine Studie der General Social Survey heraus, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Burnout und Einsamkeit gibt. Desto einsamer man sich fühle, desto höher sind die Risiken für ein Burnout. Aber auch umgekehrt.

Einsamkeit ist Gift für den Menschen und seine Psyche. In einer anderen Studie, fanden Forscher, dass Einsamkeit die Lebenserwartung herunterschrauben kann. Eigentlich auch ganz logisch. Wir brauchen Menschen um uns herum. Soziale Kontakte, Wertschätzung, aber auch Intimität sind wichtig für eine mentale Gesundheit.

Was tun bei Burnout?

Alle oben genannten Ursachen können zu Burnout führen. Dabei ist Burnout nicht das Endstadium der Erkrankung, denn es können zusätzlich Depressionen, Panikattacken oder sogar Suizidgedanken auftreten. Solltest du das Gefühl haben, von Burnout betroffen zu sein, sollte dein erster Gang zum Allgemeinarzt führen, er kann dir eine Überweisung für einen Psychologen verschreiben. 

Je nachdem in welcher Burnout Phase du dich befindest, kann auch schon Entschleunigung helfen. Suche die Ursachen und entwickeln einen Plan, wie du diese Faktoren positiv verändern kannst. Rede mit Freunden oder auch in Hilfsforen über deine Probleme.

Fazit: Burnout, die Krankheit der Jugend

Die ältere Generation würde sagen, wir sind zu verwöhnt und kennen keine richtige Arbeit mehr. Dabei liegt Burnout nicht an fehlender Arbeitsmoral. Eine Studie zeigte, dass Millennials auch dann an Burnout erkranken, wenn sie ihren Beruf leidenschaftlich gern machen. 

Eine Studie geht davon aus, dass die Burnout-Erkrankungen bei jungen Leuten wegen der ständigen Angst zu versagen steigt. Gen Y und auch Gen Z sind oft ohne Geldnot oder andere Sorgen groß geworden, dafür mit den Ermahnungen, etwas aus sich zu machen und den Bestrebungen immer besser zu sein. 

Wir sollten dabei aber nicht vergessen zwischen den Wünschen unserer Eltern, den Ansprüchen der Gesellschaft und unseren eigenen Wünschen unterscheiden zu lernen. Entspannung und bewusste Entscheidungen sind der Schlüssel: Meditieren lernen kann helfen, aber auch die 80:20-Regel bringt Ordnung in dein Leben. Das sind gute Methoden, um Burnot vorzubeugen.

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