Stell dir vor, es geht gerade richtig heiß zur Sache mit deinem Date. Ihr knutscht wild und entkleidet euch gegenseitig in Windeseile. Worauf das hinausläuft, ist euch beiden klar. Doch dann fällt euch plötzlich auf: Keiner von euch beiden hat ein Kondom dabei. Also, was tun? Pause einlegen und zur Tanke eilen? Oder etwa auf den Coitus interruptus (vorher rausziehen) setzen? In diesem Artikel verrate ich dir, warum der Weg zur Tanke eindeutig die bessere Wahl ist…

Am 4. September 2021 ist Welttag der sexuellen Gesundheit. Wir bei wmn lieben beides – guten Sex und unsere Gesundheit. Und weil wir wissen, dass man beides häufig nur in Kombination mit einer großen Portion Wissen bekommt, schreiben wir uns diese Woche das Thema Verhütung auf die Fahne. In diesem Sinne: #fuckhealthy!

Kennst du schon den Wein & Weiber Podcast vom wmn-Magazin? In dieser Folge sprechen Mona & Lisa über Verhütungymythen.

Was ist Coitus interruptus eigentlich?

Coitus interruptus besteht aus den lateinischen Wörtchen coitus, das Sex bedeutet und interruptus, was so viel wie unterbrochen bedeutet. Coitus interruptus, kurz auch CI genannt, meint also unterbrochenen Sex. Genaugenommen wird damit der Vorgang beschrieben, dass der Penis vor dem Samenerguss aus der Vagina gezogen wird.

Schon in der Bibel liest man von dieser Verhütungsmethode, die auch im Mittelalter besonders beliebt war. Coitus interruptus gehört demnach zu den ältesten Methoden der Verhütung überhaupt und wird bis heute als natürliche, hormonfreie Verhütungsmethode verstanden.

Coitus interruptus & die Sache mit dem Pearl Index

Der Pearl Index wurde nach seinem amerikanischen Erfinder Raymond Pearl benannt. Bis heute gilt dieser Index als DAS Maß, um anzuzeigen, wie verlässlich eine Verhütungsmethode funktioniert. Dabei geht der Index von 100 Frauen aus, die sich über ein Jahr lang mit derselben Verhütungsmethode vor Schwangerschaft zu schützen versuchen. Werden drei dieser hundert Frauen schwanger, spricht man von einem Pearl Index von drei.

Zurück zum Coitus interruptus: Hier beträgt der Pearl Index gerade einmal vier bis 22. Mindestens vier Frauen von 100 werden also jährlich trotz dieser Verhütungsmethode schwanger. Und das hat verschiedene Gründe…

Zum Vergleich: Die Pille weist einen Pearl Index von 0,1 bis 0,9 auf. Das heißt, dass bei perfekter Nutzung dieser Methode gerade einmal eine von tausend Frauen schwanger wird. Bei typischer Nutzung werden höchstens neun Frauen schwanger. Gar keine Verhütung weist einen Pearl Index von 75 auf.

Weiterlesen: Du bist auf der Suche nach alternativen hormonfreien Verhütungsmethoden? Hier wirst du fündig.

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Mitten in der Ekstase aufhören & ihn rausziehen? Klingt nicht nur unwahrscheinlich. Ist es auch. Credit: Foto: Getty Images/ © Jonathan Knowles 2015 /

Warum ist Coitus interruptus so unsicher?

Zum einen ist diese Methode nur äußerst schwierig umzusetzen und verlangt nach strikter Selbstkontrolle des Mannes. Ist dieser unerfahren oder gibt sich seiner Lust voll hin, kann das Ejakulat schneller in der Vagina landen, als er überhaupt Orgasmus sagen kann. Im worst case befindet sich die Frau nun genau in ihren fruchtbaren Tagen. Einer Schwangerschaft steht nun nichts mehr im Weg.

Doch selbst wenn es dem Mann gelingt, den Penis vor seinem Orgasmus aus der Vagina zu ziehen, kann die Frau schwanger werden. Und zwar aufgrund des sogenannten Lusttropfens, auch Pre-Ejakulat genannt. Dabei handelt es sich um eine klare Flüssigkeit, die bereits vor dem eigentlichen Samenerguss auftritt.

Diese Flüssigkeit dient als natürlich produziertes Gleitmittel des Körpers, welches in der Bulbourethraldrüse gebildet wird. Das Problem? In der klaren Flüssigkeit können sich bereits Spermien des Mannes verstecken, die zu einer Empfängnis führen können. Zum Beispiel, weil der letzte Samenerguss nicht weit zurückliegt.

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Coitus interruptus schützt weder verlässlich vor Schwangerschaft noch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Credit: Getty Images/ Marin

Die Sache mit den sexuell übertragbaren Krankheiten

Coitus interruptus ist im Vergleich zu anderen Methoden also eine mäßig sichere Möglichkeit, Schwangerschaften zu verhüten. Zudem mindert diese Verhütungsmethode nicht das Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie Tripper, Syphilis, Chlamydien oder mit HIV oder HPV anzustecken. Um sich vor diesen Krankheiten zu schützen, helfen tatsächlich nur Barriere-Verhütungsmittel wie das Kondom für den Mann oder das sogenannte Femidom für die Frau.

Du denkst dir jetzt: No risk no fun? Dann lass dir gesagt sein, dass man einem Menschen sexuell übertragbare Krankheiten nicht ansieht. Ohne die Testergebnisse können dir potenzielle Sexpartner:innen viel erzählen. Nehmen wir beispielsweise die Chlamydien. Die gehen zum Teil völlig symptomfrei über die Bühne und werden so munter weiterverbreitet. Schätzungen zufolge stecken sich jährlich 300.000 Frauen mit dieser Geschlechtskrankheit an.

Es ist schon ein ekliges Gefühl, nicht zu wissen, ob dein Gegenüber eine dieser Krankheiten in sich trägt. Genauso flau wird einem im Magen, wenn man nicht genau weiß, ob man sich bereits selbst eine Geschlechtskrankheit geholt hat oder nicht.

Coitus Interruptus? Kannste machen, ist aber unsicher

Schon klar, Coitus interruptus scheint wie die perfekte Alternative, wenn gerade keine andere Verhütungsmethode zur Hand ist. Oder aber, wenn das Kondom mal wieder als störend empfunden wird. Die Nachteile überwiegen allerdings gravierend. Weder ein hoher Schutz vor Schwangerschaft wird durch diese Methode gewährleistet, noch ist man vor Geschlechtskrankheiten geschützt. Ist dir deine Gesundheit etwas wert, nimmst du zukünftig also besser den Weg zur Tanke auf dich…

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