Verhütungsmittel Nummer 1 ist die Anti-Baby-Pille. Obwohl so eine Hormondröhnung viele Nachteile hat, entscheiden sich über die Hälfte dafür. Trotz Thrombose, Übelkeit, Migräne und möglicherweise einem erhöhten Brustkrebsrisiko. Dabei belastet eine Verhütung ohne Hormone den Körper viel weniger.

Das Problem: Auch die üblichen hormonfreien Verhütungsmittel haben Nachteile. Kondome sind selten gefühlsecht, Kupferspiralen teuer und mit einer Mini-OP verbunden und wer sich für die Temperaturmethode entscheidet, hat die Leidenschaft im Bett meist auch einfach abgehakt.

Saheli: Indische Verhütung ohne Hormone

Was viele nicht wissen: Es gibt eine hormonfreie Verhütungspille. Saheli existiert bereits seit fast 30 Jahren, ist allerdings ausschließlich in Indien und seit wenigen Jahren auch in Peru erhältlich. Ursprünglich wurde Saheli entwickelt, um das Bevölkerungswachstum zu bremsen, seitdem gibt es die kleinen Tabletten rezeptfrei in der Apotheke. Acht Tabletten für knapp 30 Cent. 

Der Wirkstoff Ormeloxifen ist hormonfrei, aber hormonähnlich und verhindert, dass sich Eizellen in der Gebärmutter einnisten können. Wird die Dosis erhöht, soll Ormeloxifen auch nach dem Sex vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen. 

gerissenes Kondom
Saheli ist nach dem Pearl Index ähnlich sicher wie ein Kondom.

Hat Saheli Nebenwirkungen?

Was hat eigentlich keine Nebenwirkungen? Bei 11 % der Studienteilnehmer traten unregelmäßige Zyklen auf, bei 15 % setzten die Menstruationsblutungen verspätet ein. Das Auffallendste ist, dass sich bei 8 % der Frauen der Zyklus in den ersten drei Monaten, auf 45 Tage und mehr verlängert hat. Studien stellten bei 2,6 bis 10,2 % ungewollte Schwangerschaften fest. 

Der Pearl Index, der die Sicherheit von Verhütungsmethoden beschreibt, liegt somit zwischen 2 und 11. Schlechter als die Kupferspirale, aber immerhin eine vergleichbare Sicherheit zu Kondom und Diaphragma. 

Warum gibt es Saheli nicht überall?

Ormeloxifen ist nur in Indien und Peru als Verhütungsmittel zugelassen. Im Rest der Welt ist Saheli unbekannt. Dass auch in Deutschland kaum jemand von der Verhütungsmethode ohne Hormone weiß, liegt vor allem an drei Gründen

1. Wenige Studien

Die bisherigen Studien dazu waren sehr klein und deswegen kaum aussagekräftig. Auch für die Wirkung als „Pille danach“ fehlen Beweise. 

2. Hohe Kosten

Ein Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittelagentur kostet fast 300.000 €. Große, klinische Studien kosten ebenso viel, sind aber eine Voraussetzung für eine Zulassung und dafür, das Mittel auf den Markt zu bringen. Auch der Import wäre teuer. 28 Tabletten würden in einer deutschen Apotheke bis zu 100 € kosten, dazu kommen die Transportkosten von 200 €.

3. Fehlendes Engagement der Pharmakonzerne

Pharmakonzerne forschen kaum noch zu Verhütungsmitteln für Frauen. Eine hormonfreie Verhütungspille wird es deswegen nicht so schnell geben. 

Ein kleiner Lichtblick sind dagegen die Verhütungsmittel für Männer. Durch die großen Fortschritte in letzter Zeit könnten wir in 10 Jahren mit einer Männerpille rechnen. Alles rund um die Pille für den Mann, findest du hier.

Keine Lust auf Nebenwirkungen? Diese 6 Verhütungsmethoden gibt es bereits ohne Hormone.

Unsere kleine DIY-Anleitung zur Bestimmung der Kondomgröße haben wir hier für dich.