Die Antibabypille ist bereits seit 60 Jahren auf dem Markt, die Männerpille soll bald folgen. Warum braucht Gleichberechtigung so viel Zeit?

Verhütung ist bekanntlich kein Thema, mit dem sich die meisten Männer gerne beschäftigen. Mit der Männerpille sollte sich das schleunigst ändern. 

Schließlich zählt die Antibabypille zu den beliebtesten Verhütungsmitteln überhaupt. Für Frauen, versteht sich. Die Theorie klingt immerhin sehr entspannt. Die künstlichen Hormone verhindern den Eisprung wie von Zauberhand. Gedanken an ungewollte Schwangerschaften können beiseitegeschoben werden, die nächsten Nächte können kommen. 

Pillen als Hormoncocktails 

Eine schöne Vorstellung, aber die Liste der Nebenwirkungen scheint länger zu sein, als es der Komfort rechtfertigt. Übelkeit und Erbrechen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und sogar sexuelle Lustlosigkeit. 

Mit einigem Abstand zum Thema lehnen sich die meisten Männer entspannt zurück und haben von den Nachteilen der Pille höchstens am Rande etwas mitbekommen. 

Wie funktioniert die Männerpille?

Dass Verhütung auch anders geht, zeigen zwei amerikanische Forscherinnen. Stephanie Page und Christina Wang entwickelten einen Wirkstoff, der die Pille für den Mann möglich macht. 

Die Männerpille ist momentan gar keine Pille. Stattdessen wird über ein Gel modifiziertes Testosteron, das die Hormonspiegel senkt und die Spermaproduktion verringert, langsam und kontinuierlich zugeführt. Die 400 getesteten Männer können so mit weniger Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Akne und Potenzproblemen rechnen. 

Das Problem: Es bräuchte für eine Zulassung eine noch größer angelegte Studie.

Hände halten Pillen und Kondom
Als Pille oder als Gel: Wird das Kondom bald dauerhaft ersetzt?(Photo: TanyaJoy)

Der (zu) lange Weg zur Gleichberechtigung

Während die Pille für Frauen seit 60 Jahren verschrieben wird, kommt die Männerpille also frühestens 2030 auf den Markt. Das sind 70 lange Jahre bis zur gleichberechtigten Verhütung. Laut Umfragen ist übrigens die Mehrheit der Männer in Beziehungen bereit, mehr zur Verhütung beizutragen. In zehn Jahren wird es auch höchste Zeit, die Bereitschaft unter Beweis zu stellen und etwas zurückzugeben.

Erst in 100 Jahren: Hier erfährst du, warum wir alle wahrscheinlich keine echte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau mehr erleben werden.

Gleichberechtigung: Mann und Frau halten Hand nackt am Strand
Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau liegt noch in ferner Zukunft, wie eine neue Studie zeigt.

Die „Überpille“ für echte Männer

Dafür müsste allerdings einiges passieren. Gemeinschaftliche Akzeptanz entsteht immerhin nicht von heute auf morgen. Allein „Die Pille“ wird mit dem weiblichen Geschlecht assoziiert, dabei sind Pillen per se nicht unmännlich

In diesem Fall trifft fast schon das Gegenteil zu: Bei der Innovation würde es sich um eine zusätzliche Testosteron-Zufuhr handeln. Noch mehr Männerhormone, noch mehr Männlichkeit? Der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier.

Aufgabenteilung auch bei der Verhütung

Es wird immer wieder darüber gestritten, wessen Aufgabe Verhütung ist und wer dafür zahlen sollte. Bevor jemand um die Ecke kommt, um Verhütung zur Frauensache zu erklären und die nächste Feminismus-Debatte auszulösen, gilt es eines klarzustellen. Die Frage, ob Frau oder Mann das Medikament einnehmen sollten, ist unwichtig. 

Letztendlich geht es darum, welches Medikament die geringeren Nebenwirkungen hat. Nur das ist gerecht und nur so wird Feminismus endlich konsequent zu Ende gedacht. 

Du hast keine Lust darauf, deinen Körper mit Hormonen durcheinander zu wirbeln? Kein Problem! Wir haben sechs Verhütungsmethoden ohne Hormone für dich gesammelt. 

Du schwörst stattdessen auf die Klassiker? Mit diesen Tipps für die richtige Größe wird auch der Sex mit Kondomen zu einem Spektakel!