Bis heute gibt es kaum eine andere Verhütung für den Mann als das Kondom. Doch warum eigentlich? wmn hat sich sowohl in der Forschung als auch bei den Männern selbst umgehört.

Auch, wenn sich in den letzten Jahren viel in der Gleichberechtigung von Frau und Mann getan hat – in einer Sache scheinen wir seit langem auf der Stelle zu treten. Noch immer gibt es kaum eine wirksame Verhütung für den Mann. Wie kann das sein? wmn hat sowohl in der Forschung als auch bei den Männern selbst nachgehorcht, wo denn nun eigentlich das Problem liegt.

Statt Verhütung für den Mann steht (mal wieder) die Pille im Fokus

Sie verursachen Kopfschmerzen, Libidoverlust, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme oder ein erhöhtes Thrombose-Risiko – und trotzdem nehmen laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2018 noch 47 Prozent der Frauen die Pille. Tendenz allerdings sinkend. Denn immer weniger Frauen haben Lust, täglich künstliche Hormone einzunehmen und gesundheitliche Risiken in Kauf zu nehmen.

Redaktionstipp: Wie ist es, die Pille abzusetzen? 5 Frauen berichten von ihren Erfahrungen.

Nebenwirkungen der Pille durch Astrazeneca in aller Munde

Genau dieser Trend könnte sich durch die neu entflammte Diskussion über die Thrombosegefahr der Pille im Vergleich zum Corona-Impfstoff Astrazeneca nochmals verstärken. Denn tatsächlich erleiden 8-10 von 10.000 Pillenanwenderinnen ein Blutgerinnsel. Bei Astrazeneca sollen es lediglich 11 Thrombosen bei 1,2 Millionen Impfungen gewesen sein.

Abtreibungspille
Immer weniger Frauen haben Lust, die Pille zu nehmen. Und die Forschung für das männliche Äquivalent zieht sich. Foto: Milos Dimic / Milos Dimic/istock

Zwar lassen sich weder die Thrombose-Arten noch eine Impfung und ein Arzneimittel miteinander vergleichen – doch das Beispiel zeigt sehr wohl, dass vor allem Frauen bei der hormonellen Verhütung mit den Nebenwirkungen leben müssen. Denn für den Mann gibt es ein Äquivalent oder andere Verhütungsmethoden bisher nicht. Ihm bleiben nur das Kondom, der mehr als unsichere Coitus interruptus und die kaum umkehrbare Vasektomie.

Verhütung für den Mann misst mit zweierlei Maß

In den letzten Wochen wurde heftig über die Verhütung für den Mann diskutiert. Einen großen Anteil daran haben Rita Maglio und Jana Pfenning, die sich mit ihrer Petition Better Birth Control für eine gleichberechtigte nebenwirkungsfreie Verhütung einsetzen. Sie sagen: „Verhütungsgel, Hormonspritze, Samenleiterventil … an männlicher Verhütung wurde viel geforscht, dennoch hat es bisher kein Produkt auf den breiten Markt geschafft. Wir fordern eine größere Vielfalt an Verhütungsmethoden für den Mann auf dem Markt!“

Paar Sex
. Foto: Getty Images/ Westend61 / Credit: Foto: Getty Images/ Westend61 /

Biologie von Frau & Mann extrem unterschiedlich

Doch woran liegt es, dass es bei dem Thema Verhütung für den Mann nicht richtig voran geht? Das hängt vor allem mit der komplett unterschiedlichen Biologie von Frau und Mann zusammen.

Der Verhütungsexperte und Gynäkologe Dr. Christian Fiala erklärt die Problematik gegenüber dem Portal netdoktor.de so: „Die Frau hat einen Eisprung pro Monat, den man unterdrücken kann. Das ist viel einfacher als beim Mann. Beim Mann muss man täglich die Heranreifung von 100 Millionen Spermien unterdrücken. Und wie man weiß, reicht schon ein Spermium zur Befruchtung aus.“

WHO-Studie zur Pille für den Mann abgebrochen

Dass es trotzdem auch für den Mann möglich ist, hormonell zu verhüten, zeigt eine internationale Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2008. Statt einer Tablette gab es für die Männer allerdings eine Spritze, die einmal im Monat verabreicht wurde. Der Erfolg war aber trotzdem vergleichbar mit der Pille.

Bei allen Probanden sank die Spermienzahl und knapp 90 Prozent der 320 teilnehmenden Männer vertrug die Spritze gut. Trotzdem brach die WHO die Studie drei Jahre später ab. Der Grund: Circa zehn Prozent der Männer hatten Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Libido-Verlust oder Niedergeschlagenheit bis hin zur Depressivität.

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Pille von damals würde wohl heute nicht mehr zugelassen

Ähm, Moment! Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor? Ist das nicht genau das, was Frauen seit Jahren bei der Pille in Kauf nehmen müssen? Wieso wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Die Antwort: Die Zulassungsregeln sind einfach strenger geworden. „Bei der Entwicklung von Medikamenten und insbesondere von Verhütungsmitteln haben sich die Regeln einfach geändert gegenüber den 60er Jahren“, erklärt Biologie. Prof. Michael Zitzmann, Androloge an der Uniklinik Münster, der an der Studie beteiligt war, gegenüber dem Magazin Quarks.

Er glaubt nicht, dass die Pille für die Frau unter den heutigen Bedingungen und der damaligen Entwicklung zugelassen worden wäre. Viele Frauen (und auch Männer) dürfte diese Aussage fassungslos machen …

So steht es um die Bereitschaft der Männer, zu verhüten

Und was wäre, wenn die Forschung nun endlich mal aus dem Puschen kommen und eine Verhütung für den Mann auf dem Markt bringen würde ? Hängt es letztlich dann nicht doch von den Herren und ihrer Skepsis ab, künstliche Hormone einzunehmen? Was Männer Überraschendes zu dem Thema zu sagen haben, liest du auf der nächsten Seite!