Immer weniger junge Frauen in Deutschland nehmen die Pille. Das ergab jetzt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse. So wurden 2019 nur noch 48 % der befragten Frauen das Verhütungsmittel verschrieben. In den Jahren 2013 und 2014 waren es noch 60%. 

Dabei zeigt sich auch, dass Frauen sich mehr denn je über die Nebenwirkungen, wie Bildung von Thrombosen und Embolien, informieren und sich dadurch für deutlich risikoärmere Antibabypillen entscheiden. 

Viele gehen sogar noch einen Schritt weiter und wollen die Pille absetzen. Obwohl die Pille weniger Menstruationsbeschwerden, eine gute Haut und einen regemäßigen Zyklus versprechen, haben immer weniger Frauen Lust auf künstlich zugeführte Hormone.

Wie fühlt es sich an die Pille abzusetzen?

Doch wie verändert sich der Körper, wenn die Pille abgesetzt wird? Wir haben 5 Frauen befragt, welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben. Ihre Antworten sind äußerst aufschlussreich und sie zeigen, dass es dieses Thema immer individuell betrachtet werden muss.

Joanna, 29: „Seit dem Absetzen der Pille spüre ich meinen Körper besser!“

Mit 16 Jahren habe ich die Pille verschrieben bekommen. Weil ich einen Freund hatte? Nope! Stattdessen wollte ich meine unreine Haut loswerden und größere Brüste bekommen. Meine Frauenärztin konnte den Wunsch nachvollziehen und verschrieb mir die Pille. Was ich wollte, bekam ich auch. 

Meine Laune stieg mit der ersten Einnahme der Pille, meine Tage waren nicht mehr so stark und ich fühlte mich wohl. Doch: Mit der Pille kam auch eine ordentliche Gewichtszunahme von vier Kilogramm. Nachdem ich immer häufiger vergaß, die Pille einzunehmen und mehr und mehr über die Nebenwirkungen las, setzte ich die Pille ab.

Und was dann passierte, war wirklich erstaunlich. Nur fünf Tage, nachdem ich die Pille abgesetzt hatte, wog ich vier Kilogramm weniger. Wahrscheinlich ist das auf Wassereinlagerungen zurückzuführen. Meine Haut wurde etwas schlechter, meine Tage kamen stärker zurück als je zuvor.

Nichtsdestotrotz bin ich sehr glücklich damit, die Pille abgesetzt zu haben. Warum? Weil ich meinen eigenen Körper wieder besser spüre. Weil ich merke, wie sich meine Stimmung mit dem Zyklus verändert, weil ich mir keine künstlichen Hormone mehr reinpfeife und weil ich das Gefühl habe, mit meinem Körper zu arbeiten anstatt gegen ihn.

Hannah, 34: „Ich überlege, wieder mit der Pille anzufangen.“

Schon mit 12 hatte ich so starke Regelschmerzen, dass ich jedes Mal fast eine Woche zu Hause bleiben musste. Ich versuchte es jahrelang mit allerhand Schmerzmitteln, bis ich dann mit 16 endlich die Pille verschrieben bekam.

Die Veränderungen waren enorm: Nicht nur waren meine Schmerzen während der Periode schlagartig weg, ich bekam auch endlich reine Haut. Ich hatte sehr unter meiner Akne gelitten und konnte gar nicht glauben, wie makellos und eben mein Hautbild wurde. 

Allerdings bekam ich auch gefühlt über Nacht Hüften und meine Haut riss an meinem Po, Oberschenkeln und Waden. Die Narben sind heute noch immer sicht- und fühlbar. Trotzdem entschied ich mich, die Pille weiter zunehmen, denn mir ging es alles in allem fantastisch.

Frau Bett Schmerzen
Viele Frauen haben starke Regelschmerzen und wollen diese mit der Pille regulieren.

Das große Erwachen kam dann mit 30. Ich beschloss, den künstlichen Hormonen abzuschwören. Es war die Zeit, als alle Freundinnen berichteten, dass sie nach dem Absetzen der Pille ihren Körper endlich wieder spüren würden und die Haut ja nun auch mit Anfang 30 längst aus der Pubertät raus sei. 

Also setzte ich sie ab. Was dann passierte, war allerdings katastrophal. Ich bekam schlimme depressive Phasen, fühlte mich aufgedunsen, unwohl und war total traurig. Meine Haut war so schlimm wie nicht einmal in der Teenagerzeit. Hinzu kam meine Neurodermitis, an der ich eigentlich kaum noch litt.

Ich schwor mir durchzuhalten, denn – so las ich – die Hormone bräuchten bis zu 12 Monate, um komplett aus dem Körper ausgeschieden zu werden. Es war ein hartes Jahr; mein Wohlbefinden normalisierte sich zwar ein wenig, aber die Haut spielte noch immer verrückt.

Dann wurde ich schwanger. Mein Körper musste sich erneut auf Hormonveränderungen einstellen. Das alles war kein Zuckerschlecken. Zum Ende der Schwangerschaft und die ersten Monate nach der Geburt ging es mir richtig gut. Auch die Menstruationsschmerzen waren endlich weg. Dann wurde die Haut wieder schlimmer. 

Jetzt bin ich kurz davor, die Pille wieder anzufangen. Mir ging es mit den künstlichen Hormonen einfach deutlich besser. Aber ich habe Angst vor der erhöhten Thrombose- und Krebsgefahr. Eine Lösung für das Problem hab ich noch nicht …

Trudi, 26: “Das Absetzen der Pille hat mir ein Stück Freiheit geschenkt.”

Die Pille abzusetzen war die beste Entscheidung meines Lebens. Es ist schon einige Jahre her, dass ich die Pille genommen habe. Schon damals habe ich nicht verstanden, warum vor allem Jugendlichen immer wieder empfohlen wird, die Pille zu nehmen. 

Gerade Menschen in der Pubertät sind wahnsinnig schlecht darin, sich an die regelmäßige Einnahme von Verhütungsmitteln zu erinnern. Das Gehirn ist in der Pubertät eine einzige Baustelle und lässt bei vielen nur zwei Gedanken zu: Sex und Coolness. Jedenfalls war es bei mir so.

Wie oft habe ich also die Pille vergessen einzunehmen? Zu oft. Wie oft habe ich also die tadelnden Blicke der Ärzte beim Rezeptschreiben der Pille Danach ausgehalten? Zu oft.

Als ich schließlich die Gynefix, die Kupferkette, eingesetzt bekommen habe, wurde mir gleichzeitig ein Stück Freiheit geschenkt. Ich muss an nichts anderes denken als daran Sex zu haben wann und wie ich will.

Tabea, 27: „Die Pille ist für mich keine Option mehr!“

Mir wurde mit 14 Jahren die Pille zur Bekämpfung meiner schon damals sehr hartnäckigen Akne verschrieben. Meine Haut wurde kaum besser, ich nahm aber auch nicht zu. Dafür waren die Regelschmerzen praktisch wie weggeblasen und weil ich dann eh meinen ersten Freund hatte, nahm ich die Pille munter zehn Jahre lang weiter, ohne sie zu hinterfragen.

Nachdem ich immer öfter gelesen hatte, dass die Hormone sich negativ auf das Gemüt auswirken können (und mein Gemüt war die ganze Jugend über ein sehr, sehr (!) reizbares und wankelmütiges), beschloss ich, mein “wahres Ich” zu entdecken und hormonfrei zu verhüten. Meine Haut wurde auch hier weder besser noch schlechter.

Dafür nehme ich leider konstant zu, seit ich vor etwa drei Jahren die Pille abgesetzt habe. Ich habe aber das Gefühl, insgesamt ausgeglichener zu sein und meine Emotionen besser im Griff zu haben als vorher. Deshalb und wegen der zahlreichen hormonfreien oder -ärmeren Alternativen, ist die Pille für mich im Moment keine Option mehr.

Sarah, 32: „Mir geht es mit Pille genauso wie ohne!“

Ich habe mit 15 die Pille verschrieben bekommen, weil ich einen Freund hatte und totale Panik bekam, schwanger zu werden. Da ich schon vorher keine Probleme mit der Haut hatte, konnte ich auch Monate nach der Einnahme keinen Unterschied ausmachen. Auch nahm ich weder zu noch ab und auf meine Stimmung hatte die Pille auch keine Auswirkung.

Als ich mich nach 10 Jahren von meinem Freund trennte, beschloss ich, die Pille abzusetzen. Ich wartete auf dieses bessere Körpergefühl, von dem alle schwärmten, aber das bekam ich nicht. Ich war die ersten Monate danach tatsächlich etwas launischer, doch auch das pendelte sich bald wieder ein. Auch mehr sexuelle Lust verspürte ich nicht.

Wenn ich meine Freundinnen und ihre Geschichten so höre, glaube ich aber ein ziemlicher Ausnahmefall zu sein. Bei ihnen gab es sehr wohl Auswirkungen auf die Psyche und den Körper. 

Momentan verhüte ich mit dem Ring, weil das einfach praktischer ist, als jeden Abend daran zu denken, die Pille zu schlucken. Aber das heißt nicht, dass ich nicht doch irgendwann wieder wechsle.

Fazit: Jeder Körper reagiert auf das Absetzen der Pille anders

Wenn du mit dem Gedanken spielst, die Pille abzusetzen, solltest du das Für und Wider genau abwägen. Genau wie die Entscheidung, überhaupt mit der Pille zu beginnen, ist das Absetzen eine ebenso gravierende hormonelle Umstellung. Und wie man auch anhand unserer Erfahrungsberichte sieht, reagiert jeder Körper darauf anders. Sprich mit deinem Gynäkologen oder deiner Gynäkolgin über deinen Wunsch; er oder sie kann dich beraten – auch, was alternative Verhütungsmethoden betrifft. 

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