Jede von uns wird schon an den Punkt gekommen sein, an dem sie sich eingehend mit Verhütungsmethoden auseinandergesetzt hat. Immerhin haben wir heute die Möglichkeit, selbstbestimmt mit unseren Körpern umzugehen und Geschlechtsverkehr zu haben, wann und mit wem wollen, ohne direkt schwanger zu werden: Natürlich auf Basis des beiderseitigen Einverständnisses – wir sind schließlich keine Maneater
Bei der Recherche ist dir vielleicht auch schon einmal das sogenannte Femidom, also das Kondom für Frauen untergekommen. Wir verraten dir, was es damit auf sich hat und führen außerdem ziemlich deutlich aus, warum wir wenig vom Frauenkondom halten.

Am 4. September 2021 ist Welttag der sexuellen Gesundheit. Wir bei wmn lieben beides – guten Sex und unsere Gesundheit. Und weil wir wissen, dass man beides häufig nur in Kombination mit einer großen Portion Wissen bekommt, schreiben wir uns diese Woche das Thema Verhütung auf die Fahne. In diesem Sinne: #fuckhealthy!

Femidom & Verpackung
Das Femidom ist die einzige Möglichkeit für Frauen sich vor STIs zu schützen?

Das kann das Kondom für die Frau

Du hast noch nie vom Femidom gehört? Dann erklären wir dir hier in aller Kürze alles Wichtige:

  • Das Femidom ist eine Barriere Verhütungsmethode, welches in den 1990er-Jahren auf den Markt kam.
  • Es ist bis zu 18 cm lang, besteht aus dem weichen Material Polyurethan und hat vorne und hinten weiche Ringe, die für besseren Halt in der Vagina sorgen.
  • Es ist leicht befeuchtet, was das Einführen in die Vagina bis kurz vor den Muttermund erleichtern soll. Hier liegt der hintere Ring der geschlossenen Seite des Femidoms. Die Öffnung liegt mit dem zweiten Ring vor dem Eingang der Vagina.
Kennst du schon den Wein & Weiber Podcast vom wmn-Magazin? In dieser Folge sprechen Mona & Lisa über berüchtigte Verhütungsmythen.

Die Vorteile des Frauenkondoms

Im Internet finden sich zahlreiche Vorteile, die das Frauenkondom hoch anpreisen. Darunter sind unter anderem diese:

  • Das Kondom für die Frau schützt vor einer Schwangerschaft.
  • Es schützt vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Chlamydien & ist darüber hinaus die einzige Möglichkeit für Frauen, sich selbstbestimmt davor zu schützen.
  • Es ist ohne Rezept fast überall erhältlich.
  • Das Femidom wirkt ohne Hormone, weist demnach auch keine Nebenwirkungen auf.
  • Es kann auch als Schutz beim Analverkehr angewendet werden.
  • Es stellt eine Alternative dar, wenn der Mann die Erektion nicht halten kann.

Klartext: Brauchen wir das Femidom wirklich?

Die Vorteile des Kondoms für die Frau leuchten ein. Tatsächlich gibt es ansonsten keine Möglichkeit für die Frau, sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen. Auch dass es sich hier um eine hormonfreie Verhütungsmethode handelt, ist nur von Vorteil in einer Zeit, in der immer mehr Frauen die Pille aufgrund diverser Nebenwirkungen absetzen.

Zuletzt überzeugt auch der letzte Punkt, da herkömmliche Kondome eine dauerhafte Erektion voraussetzen. Tatsächlich sollte man Kondome für den Mann nämlich wechseln, sobald der Penis darin abgeknickt ist. Und dennoch haben wir so unsere Zweifel an dem Kondom für Frau…

Femidom
Bis zu fünf Euro kann man für ein Frauenkondom bezahlen.

1. Obwohl es ein echter Luxusartikel ist.

Pro Femidom zahlt man als Frau – wenn der Mann das nicht übernimmt – drei bis fünf Euro. Natürlich kann es nur einmal verwendet werden, wie Kondome für Männer die jedoch pro Stück gerade einmal unter einem Euro kosten.

2. Obwohl es einen verbesserungswürdigen Pearl Index aufweist.

Der Pearl Index des angepriesenen Kondoms für Frauen liegt bei fünf bis 25. Um es deutlicher zu sagen: In einem Jahr können von 100 Frauen 25 schwanger werden. Ein Witz, wenn man bedenkt dass selbst die Methode des Coitus interruptus aka. Vorher rausziehen mit einem Pearl Index von 4 bis 18 sicherer ist! 

Grund für diese miese Bilanz des Frauenkondoms: Es verrutscht und ein Eindringen des Penis am Kondom vorbei ist nicht selten. Somit ist auch der Schutz vor STIs nicht im vollen Umfang gegeben.

Kondom
Kondome für Männer sind sicherer, als Frauenkondome.

3. Obwohl es kein adäquater Ersatz für herkömmliche Kondome ist.

Es gibt seit über 100 Jahren Kondome für Männer, die bei der richtigen Anwendung einen verlässlichen Dienst erweisen. Der Pearl Index von zwei bis zwölf spricht dafür. Da zieht auch der angebliche Vorteil nicht, dass das Kondom für Frauen schon vor dem Sex eingesetzt werden kann und das Vorspiel nicht unterbrochen werden muss. Denn wir alle wissen, dass ein geübter Umgang mit Kondomen gerade mal wenige Sekunden Unterbrechung bedeutet. 

Wer länger braucht und unsicher ist, sollte einfach mal mehr üben. Kostet ja nichts, jedenfalls im Vergleich zum Femidom. Denn hier müssten wir Frauen auch erst einmal üben, wie es richtig angewendet wird. Sorry Männer, Verhütung ist auch eure Sache. Weitersagen.

4. Obwohl es sich nicht gut anfühlt.

Schon mal einen Kunststoffschlauch in der Vagina gehabt, der sich beim Sex mitbewegt? Wer meint, Kondome wären unangenehm, der hat vielleicht einfach noch nicht die richtige Größe, Marke oder Materialbeschaffenheit gefunden.

Ist das richtige Kondom erst gefunden, ist es eindeutig angenehmer als das Kondom für die Frau. Da ist auch die Sensibilität des Mannes keine Ausrede mehr. Und bei einer nachlassenden Erektion sollte der Akt so oder so unterbrochen werden, möchte man einen Sexunfall wie beispielsweise ein Abknicken des Penis vermeiden. 

Aprospos anfühlen: Hast du schon mal was vom sogenannten Sprühkondom gehört? Das hat die Welt wirklich nicht gebraucht.

Kondom
Verhütung geht beide (Sex-)Partner etwas an. Lasst euch nichts anderes erzählen.

Verhütung sollte nicht nur nur Frauensache sein

Das Femidom wird mit scheinbaren Vorteilen beworben, die keine sind bzw. ebenso gut durch das Kondom für Männer erfüllt werden. Danke für nichts. Warum sollen wir uns jetzt nochmal diesen Latexschlauch in die Vagina einführen?

Wer das Kondom für die Frau für sich entdeckt hat, dem möchten wir nicht im Weg stehen. Jeder weiß für sich am besten, was richtig ist. Doch sollte das Femidom nicht zur Alternative werden, weil der Mann sich aufgrund seiner Befindlichkeiten nicht eintüten möchte

Wir Frauen sind seit Jahrzehnten damit beauftragt, für die Verhütung zu sorgen. Das Kondom ist eine der wenigen Methoden, die zusätzlich nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vor einer sexuell übertragbaren Krankheit schützt – und das bei der richtigen Anwendung auch recht zuverlässig. Eine wunderbare Methode, ohne Hormone zu verhüten also, die zur Abwechslung auch von den Männern getragen wird. Warum sollen wir Frauen das jetzt übernehmen?

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