Vor Kurzem hat mir eine Kollegin erzählt, dass sie sich operieren lassen muss. Verdächtige Zellen, die auf Gebärmutterhalskrebs hindeuten, müssen entfernt werden. Ich war etwas überrumpelt von dieser Information, umso mehr, da sie dabei eine Fassung an den Tag legte, die ich bewundere. Eine meiner ersten Fragen war sofort: „Wurdest du damals nicht wie die meisten gegen HPV geimpft?“ Sie schüttelte mit dem Kopf. Später am Tag traf ich eine Freundin und erzählte ihr davon. Auch sie meinte: „Ich bin auch nicht gegen HPV geimpft, wegen meiner Allergien.“

Während ich diese Zeilen schreibe, liegt neben mir mein Impfausweis. Hier steht es: 2008 (da war ich gerade 14) bekam ich die erste Spritze gegen HPV, 2009 die dritte und letzte. Damit bin ich eine von wenigen. Denn lediglich 43 % der unter 15-jährigen Mädchen haben eine vollständige Gebärmutterhalskrebsimpfung erhalten. Ich frage mich: Wieso ist das so? Und hätte ich heute die Wahl (immerhin wurde mir diese vor rund 13 Jahren von meiner Mutter abgenommen), würde ich für die HPV-Impfung mit ja oder nein stimmen?

In diesem Artikel verrate ich dir, welche Kritik es an der Impfung gibt und warum kein Weg am Pieks dran vorbeiführt.

Was ist eine HPV-Impfung und wogegen schützt sie?

Bevor wir uns mit der Frage „HPV-Impfung ja oder nein?“ auseinandersetzen, müssen wir klären, was HPV überhaupt ist. Die Abkürzung steht für die sogenannten Humanen Papillomviren, die zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erregern gehören. HPV wird also durch sexuelle Kontakte übertragen. Die Erreger gelangen dann über kleinste Verletzungen und Risse der (Schleim-)Haut in den Körper. Aber auch Schmierinfektionen über Gegenstände sind nicht ausgeschlossen – zum Beispiel durch Sexspielzeug oder einen Saunabesuch.

Fakt ist: Fast jede:r steckt sich im Laufe des Lebens einmal mit einem der über 200 bekannten HPV-Typen an. Vor allem unter 25-Jährige sind betroffen. Die meisten dieser Infektionen verlaufen unbemerkt und symptomfrei und heilen bei 90 % der Betroffenen ohne Folgen aus. In seltenen Fällen kann sich der Körper jedoch nicht gegen die Erreger zur Wehr setzen. Begleiterscheinungen wie Feigwarzen sind dann beispielsweise wahrscheinlich.

Frau Boden
HPV kann Gebärmutterhalskrebs auslösen, der unbehandelt tödlich enden kann. Credit: IMAGO / Westend61

Besondere HPV-Typen können auch zu Zellveränderungen führen, aus denen sich Krebs entwickeln kann. In den meisten Fällen handelt es sich dann um Gebärmutterhalskrebs. Aber auch Krebs an Penis, Mund und Rachen sind nach einer HPV-Infektion möglich. Mindestens 15 HPV-Typen sind krebserregend. Forscher:innen wissen, dass besonders HPV-16 und HPV-18 bis zu 70 % aller Infektionen hervorruft, die später Krebs auslösen.

Wie häufig ist Krebs, der durch HPV ausgelöst wird?

In Deutschland erkranken im Jahr 6.250 Frauen und 1.600 Männer an Krebs, der durch eine solche HPV-Infektion ausgelöst wurde. Dennoch bleibt Gebärmutterhalskrebs eine vergleichsweise seltene Krebserkrankung. Von 1000 Frauen starben im Jahr 2005 40 % an Brustkrebs erkrankt, 26 % an Lungenkrebs und lediglich vier Prozent an Gebärmutterhalskrebs.

Trotz dieser vergleichsweisen geringen Zahlen ist Gebärmutterhalskrebs ein ernst zu nehmendes Gesundheitsproblem. Die regelmäßige Inanspruchnahme von Vorsorgeterminen bei Frauenärzt:innen sind unabdingbar. Denn wird Gebärmutterhalskrebs frühzeitig erkannt, ist er in der Regel gut behandelbar.

Und dann gibt es da noch die HPV-Impfung. Vor allem Eltern stehen vor der Entscheidung, ihre Kinder vor dem 14 Lebensjahr impfen zu lassen oder nicht. HPV-Impfung ja oder nein? Die Verunsicherung ist bei vielen groß, denn Langzeitstudien gibt es bisher keine…

Die HPV-Impfung in der Kritik

Dass Impfungen Verunsicherungen auslösen, ist kein Novum, das durch die mediale Darstellung von Astrazeneca entstand. Wo es Impfungen gibt, ist die Kritik nicht weit. Nachfolgend findest du alle (nachvollziehbaren) Bedenken rund um die HPV-Impfung aufgelistet:

  • Die Impfung wirkt nur, wenn man mit dem entsprechenden Virus noch nicht infiziert war.
  • Der Schutz der Impfung könnte auf lange Sicht abnehmen.
  • Die Impfstoffe können sich in Wirksamkeit und Nebenwirkungen unterscheiden.
  • Eine HPV-Impfung könnte einen Schutz vorgaukeln, der das fatale Versäumnis der Vorsorgeuntersuchungen nach sich zieht.
  • Nach der Impfung könnte die Risikobereitschaft steigen, indem zum Beispiel auf zusätzliche Verhütung mit dem Kondom verzichtet wird.
  • Nicht zuletzt wird auch auf die Kosten des ganzen hingewiesen. Für Selbstzahlende bedeutet das gerne mal 160 € pro Impfung. Bis zum 18. Lebensjahr übernimmt jedoch meist die GKV (Gesetzliche Krankenversicherung) die Kosten.
HPV-Impfung
Um die HPV-Impfung ranken sich Bedenken. Wenn auch nachvollziehbar zählt zuletzt nur eines; Die Impfung ist sicher und wirksam! Credit: Getty Images/ Klaus Vedfelt

Die Impfung wirkt nicht gegen alle 200 bekannten HPV-Typen. Sie wirkt vor allem gegen die zwei schädlichsten: HPV-16 und -18, die wie oben beschrieben 70 % der Fälle ausmachen. Derzeit sind zwei Impfstoffe auf dem Markt: Ceravix und Gardasil. Letzterer schützt auch gegen HPV-6 und -11, die bekanntermaßen Genitalwarzen hervorrufen.

Nach dem jetzigen Forschungsstand lässt die Wirkung von Gardasil nach fünf Jahren etwas nach. Ceravix hält dagegen etwas länger an. Forscher:innen sind sich uneins, welchen der beiden Impfstoffe sie nun empfehlen würden. Eines wissen sie aber sicher: Die HPV-Impfung, egal mit welchem Impfstoff, rettet Leben.

Weshalb eine HPV Impfung sein sollte

Ohne Impfung werden von 1000 Frauen etwa zehn im Laufe ihres Lebens an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Drei werden daran sterben. Die Forschung geht davon aus, dass sich diese Verteilung mit einer Impfung deutlich ändert. Von 1000 Frauen erkranken dann nur etwa drei, wovon nur eine den Tod aufgrund von Gebärmutterhalskrebs findet. Wobei festgehalten werden muss, dass es sich hierbei um Schätzungen handelt.

Die meisten, die sich die Frage „HPV-Impfung ja oder nein?“ stellen, wollen zudem wissen, wie sicher die Impfung ist. Die Sicherheit des Impfstoffes wird regelmäßig durch groß angelegte Studien untersucht, sei es durch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) oder das RKI (Robert-Koch Institut). Forscher:innen kommen dabei zu dem Ergebnis, dass die Impfung sicher und verträglich ist. Lediglich typische Impfreaktionen würden bei den drei Spritzen auftreten, die binnen eines Jahres verimpft werden müssen:

  • Hautreaktionen an der Einstichstelle
  • Erhöhte Temperatur
  • Kopf- und Muskelschmerzen
  • Schwindel, Müdigkeit

Schwere Nebenwirkungen treten nach einer HPV-Impfung nur selten auf. Zum Beispiel sind allergische Reaktionen möglich. Wir halten fest: Eine Impfung gegen Humane Papillomviren senkt das Risiko an Krebs zu erkranken und ist sicher. Der bestmögliche Schutz besteht übrigens dann, wenn vor dem 14 Lebensjahr und vor dem ersten sexuellen Kontakt geimpft wird.

Mutter Tochter
Gemeinsam gegen Gebärmutterhalskrebs: Eltern sind in der Verantwortung, ihre Kinder zu schützen. Credit: IMAGO / Westend61

Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt die Impfung daher zwischen dem neunten und dem 14. Lebensjahr. Seit 2018 übrigens auch für Jungen in diesem Alter. Außerdem wird empfohlen, dass jede:r, der/die bis zum 15. Lebensjahr noch nicht geimpft wurde, das bis spätestens zum 18. Lebensjahr nachholt. Wie wirksam die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs dann noch ist, liest du hier. So viel vorneweg: Je früher man geimpft ist, desto geringer ist die Gefahr einer späteren Krebserkrankung.

Die HPV-Impfung ist Gold wert, denn früh verimpft, schützt sie bis zu 100 % vor den entsprechenden HPV-Typen. Aber hier liegt auch die Krux: Denn geschützt ist man damit längst nicht vor allen Erregern. Der regelmäßige Gang zur Früherkennung darf daher nicht ausfallen! Wie du deine Angst vorm Frauenarzt in den Griff bekommst, liest du hier.

Fazit: Lasst eure Kinder gegen HPV impfen, besser früher als später

Die Beantwortung der Frage „HPV-Impfung ja oder nein?“ liegt nicht in unserer Hand. Sie muss von den Eltern dieser Welt beantwortet werden. Welches Kind weiß schon über die Tragweite dieser Entscheidung und was die STIKO empfiehlt?

Daher geht mein Appell an alle Mütter und Väter dieser Welt: Lasst eure Kinder impfen gegen eine Erkrankung, deren Risiko verringert werden kann. Ich für meinen Teil bin meiner Mutter mehr als dankbar, dass sie mich damals hat impfen lassen und für mich besteht kein Zweifel daran, dass ich auch meinen Kindern später diesen Schutz zuteilwerden lasse.

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