Ein gewöhnlicher Morgen: Unser Wecker auf dem Handy klingelt. Wir stellen ihn aus und wagen den ersten Blick auf unsere Mails. Eine Mail vom Chef ploppt auf und der erste Stress gleich mit ihm. In Windeseile machen wir uns fertig, um alles am Tag zu schaffen, was wir uns vorgenommen haben. 

Nachdem wir unser Frühstück verschlungen haben, folgt der Run zur U-Bahn oder aber wir setzen uns ins Auto, nur um dann im Berufsverkehr die Stresskurve so richtig auf ihren Höhepunkt zu bringen. Wir könnten ewig so weiter machen. 

Doch reicht schon diese eine Stunde am Tag, der gerade erst begonnen hat, um aufzuzeigen, dass Stress omnipräsent ist. Wer hier nicht seine innere Balance findet, kann auf Dauer seiner eigenen Gesundheit schaden. Wir verraten dir, warum die innere Balance so wichtig ist und wie man sie erreicht.

Warum ist es so wichtig, innere Balance zu finden?

Er lauert an jeder Ecke. Er bringt uns oft ungewollt auf Hochtouren. Er wird häufig nicht einmal von uns bemerkt, bis er von uns abfällt. Die Rede ist von Stress – eine Volkskrankheit, wenn man so will. Für die Weltgesundheitsorganisation (kurz WHO) gehört negativer Stress (Distress) sogar zu „einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts“

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Stress macht auf Dauer krank. Umso wichtiger ist es, innere Balance zu finden.(Photo: Getty Images/ Westend61)

Denn wer ständig unter Strom steht, leidet nicht nur unter seinen Stresssymptomen, sondern häufig an ernst zu nehmenden Folgen wie Erschöpfung, Depression und Burn-out. Aber auch körperliche Folgen wie Herzinfarkte bleiben nicht aus.

Stress kann gesund sein – aber eben nur bedingt…

Davon abzugrenzen ist der positive Stress (Eustress), der uns alltäglich anheimfällt und den wir sogar brauchen! Das meint zumindest Professor Tim Hagemann, Arbeitspsychologe der Fachhochschule für Diakonie in Bielefeld gegenüber der Apotheken Rundschau. Er ist sich sicher, dass Stress unserem Körper guttun kann, uns emotional stärker fühlen lässt, uns leistungsfähiger sowie konzentrierter macht.

Das hängt damit zusammen, dass Stress in erster Linie unsere Abwehrsysteme aktiviert, wenn das Stresshormon Kortisol ausgeschüttet wird. Sobald Stress jedoch anhaltend ist, unsere Kortisolwerte also selbst nachts nicht sinken, schadet er uns eher.

Statt unser Immunsystem zu stärken, führt die dauerhafte Ausschüttung des Kortisols dann zu einer Schwächung unseres Immunsystems. Zudem steigen Blutzucker- und Blutdruckwerte, die Infektanfälligkeit nimmt zu, Bauchfett sammelt sich leichter und auch das Risiko für Stoffwechselerkrankungen erhöht sich.

Stress – eine Frage der Auffassung

Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2016 würde die Arbeit Stressquelle Nummer eins sein. Kurz gefolgt von den eigenen Ansprüchen, den man gerecht werden möchte. So geben ganze 48 % der Frauen an, dass ihr eigener Perfektionismus sie stressen würde. Aber auch zu viele Termine, der Straßenverkehr und die ständige Erreichbarkeit werden als häufige Stressquellen genannt.

Wie gestresst du auf der Arbeit bist, erfährst du hier.

Doch ob man gestresst ist, ist nicht nur eine Frage der Situation, sondern auch der eigenen Einstellung. Denn wer Stress nicht als negativ wahrnimmt, leidet gesundheitlich sehr viel weniger darunter als jemand, der den Stress deutlich als solchen wahrnimmt.

Das beweist unter anderem eine amerikanische Studie der Universität Wisconsin, die 29.000 Menschen nach ihrem Stresslevel befragte. Acht Jahre später fingen sie die Befragungen auf, indem sie die Sterberegister durchforsteten. 

Ihr erschreckendes Ergebnis: Wer meinte, ein besonders stressiges Leben zu führen, hatte ein 43 % höheres Risiko, frühzeitig zu sterben. Ihre Schlussfolgerung: Wer Stress nicht als solchen wahrnimmt, also ein positives Mindset zeigt, lebt länger. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig es ist, innere Balance zu finden. 

Tipps & Tricks, um innere Balance zu erzielen

Die Devise lautet: Man hat immer nur so viel Stress, wie man sich macht. Um dieses Mindset zu verinnerlichen und innere Balance zu finden, können dir die folgenden Punkte helfen:

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Es lohnt sich, deinen Schlafrhythmus im Auge zu behalten.(Photo: iStock.com/g-stockstudio)

1. Gesunder Schlaf

Zu viel Stress zeigt in der Folge häufig Schlafstörungen, die wiederum körperliche wie auch psychosomatische Beschwerden begünstigen. Gesunder Schlaf ist daher unerlässlich, wollen wir unseren Körper und unseren Geist über Nacht regenerieren lassen. Somit ist er auch der erste Schritt, um innere Balance und Ruhe zu finden. 

Diese Studie verrät, warum Menschen, die wenig schlafen, unglücklich sind und so viel Schlaf brauchst du.

2. Ausreichend Bewegung

Klingt im ersten Moment vielleicht widersprüchlich, doch wer seine innere Balance und Ruhe finden möchte, muss den Körper zunächst einmal ordentlich auf Hochtouren bringen. Warum Sportmachen so wichtig für die eigene Psyche ist, liest du hier. Wie viel Bewegung du am Tag bekommen solltest, verraten wir dir ebenfalls.

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Bewusstes Atmen, Meditation, aber auch Yoga sind Praktiken, die verlässlich beim Stressabbau unterstützen.(Photo: imago images/Westend61)

3. Entspannung & Atmung verinnerlichen

Verschiedenste Entspannungstechniken können dir helfen, Stress abzubauen und innere Balance zu erlangen. Auch Meditation und verschiedene Yoga-Arten können dir helfen, dich zu erden. Am wichtigsten ist allerdings die richtige Atmung. Denn wer daran arbeitet, auch im Alltag tief durchzuatmen, kann sein Stresslevel deutlich runterfahren.

4. Gesunde Ernährung

Wer viel Stress hat, muss besonders auf eine ausgewogene Ernährung achten. Doch gerade im hektischen Alltag isst man unregelmäßig, zu wenig oder auf einen Schlag zu viel – von den Heißhungerattacken ganz zu schweigen. 

Doch regelmäßige und moderate Mahlzeiten, die dem Körper wichtige Mikronährstoffe zuführen, sind unbedingt nötig, wenn man sein Nervensystem und seinen Energiestoffwechsel aufrechthalten möchte. Letzten Endes ist eine gesunde Ernährung dein Motor für innere Balance.

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Wer sich bei anderen wohlfühlt, baut Stress ab und ist auf dem besten Weg, innere Balance zu erlernen.(Photo: Getty Images/ Maskot)

5. Reger Austausch

Um zu sich zu finden, mit sich im reinen und entspannt zu sein und um letztlich innere Balance zu finden, braucht es letzten Endes aber nicht nur dich. Denn wer sich auch auf soziale Kontakte und den Austausch mit anderen einlässt, kann Stress ebenfalls reduzieren. 

Das liegt daran, dass wir das Hormon Oxytocin ausschütten, wenn wir uns bei jemandem wohlfühlen. Dieses Hormon hemmt wiederum das Kortisol im Körper, welches uns Stress empfinden lässt. Öfter mal auf Menschen zuzugehen, über Stress und Probleme zu sprechen ist also unabdingbar, um bald schon tiefenentspannt zu sein.

Innere Balance finden heißt sich selbst verstehen

Wir alle sind täglich Stress ausgesetzt. Doch am Ende des Tages ist es entscheidend, wie wir damit umgehen. Will man innere Balance erreichen, ist es daher ungemein wichtig, stressige Situationen auszumachen und auch das eigene Mindset anzupassen. 

Das klappt vor allem, wenn man sich selbst und seine eigenen Gewohnheiten durchblickt. Wer zudem einige unserer fünf Tipps beherzigt, ist auf dem besten Weg, bald schon entspannter und langfristig gesünder das Leben zu bestreiten.

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