Du bist mit der Arbeit deiner Kollegen nicht zufrieden? Dir geht das Verhalten deiner Mitbewohner auf die Nerven? Oder deine Freunde kommen ständig zu spät? Dann wird es allerhöchste Zeit, die Themen anzusprechen. Je länger du damit wartest, desto mehr wird es dich stören. Eine Sache ist dabei jedoch besonders wichtig: das sogenannte ‚wie‘. Denn die Art und Weise, wie du kommunizierst, ist ausschlaggebend dafür, wie erfolgreich dein Gespräch wird. Statt aufzuzählen, was dich alles stört und die Schwächen deines Gegenübers zu kritisieren, solltest du mit konstruktiver Kritik punkten.

Konstruktive Kritik überzeugt fast immer!

Eine Sache solltest du dir bei konstruktiver Kritik immer vor Augen führen: Niemand mag Kritik. Ob konstruktiv oder unsachlich, Kritik bedeutet in erster Linie, dass jemand mit deinem Verhalten oder deiner Arbeit nicht zufrieden ist – und dass ist immer ein Stück weit frustrierend. Daher solltest du die Worte mit bedacht wählen. Gelingt dir das, wird die Kritik dein Gegenüber nicht nur weiterbringen, sondern auch ernsthaft zum Nachdenken anregen.

4 Tipps, um erfolgreich zu kritisieren

Das Ziel von konstruktiver Kritik ist es, dass sich dein Gegenüber nicht angegriffen fühlt. Genau dieser Punkt unterscheidet konstruktive Kritik von bloßen Beleidigungen. 

Tipp 1: Die „Ich-Form“ verwenden

Statt Formulierungen wie: „Du solltest“, „Du hast nicht“ oder „Du bist unmöglich“ zu benutzen, solltest du die Kritikpunkte in der „Ich-Form“ formulieren. Ein „Ich fühle mich unwohl, wenn ich im Restaurant alleine sitze und auf dich warte“ wird immer effektiver sein als ein „Du bist schon wieder zu spät und kannst dich nie an Vereinbarungen halten.“ 

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Konstruktive Kritik ist wirkungsvoller als bloße Anschuldigungen oder Beleidigungen.(Photo: Shift Drive/Shutterstock)

Letzteres wird in den meisten Fällen dazu führen, dass sich dein Gegenüber versuchen wird zu rechtfertigen und dir häufig im Affekt auch deine Schwächen vorhalten wird.

Tipp 2: Nenne die konkrete Situation

Ein „Du machst nie“ oder „Immer tust du“ wird in seltensten Fällen auf Verständnis treffen. Wenn du jedoch die konkrete Situation benennst, dann lässt sich deine Kritik besser verstehen. Dabei solltest ebenfalls in der „Ich-Form“ formulieren. 

Zum Beispiel: „Es stört mich, wenn du mir jedes Mal – so wie jetzt gerade – ins Wort fällst, sobald ich mich mit jemandem unterhalte.“

Tipp 3: Erst die positiven Aspekte, dann die Kritik

Wie bereits erwähnt, stehen die meisten Menschen Kritik nicht besonders positiv gegenüber – Lob und Anerkennung hingegen schon. Daher bietet es sich an, zuallererst etwas Positives zu sagen, bevor du anfängst zu kritisieren. Du kannst deinem Chef gegenüber berichten, dass der neue Workflow effektiver ist und die bessere Kommunikation tatsächlich zu schnelleren Arbeitsabläufen führt. 

… Aber dass du jedoch nicht ganz verstehst, warum XY so entschieden wurde. Dadurch wird er deine Kritik deutlich besser aufnehmen und hat vielleicht sogar eine schlüssige Erklärung oder Lösung für dein Problem.

Tipp 4: Versetze dich in den anderen hinein

Fehler bei der Arbeit passieren häufig aufgrund des hohen Zeitdrucks oder den veränderten Arbeitsbedingungen. Der Abwasch in eurer Küche bleibt liegen, weil deinen Mitbewohnern der Klausurenstress extrem zusetzt oder deine Freunde kommen zu spät, weil die Bahn mal wieder ausgefallen ist. 

Es fällt auf: Kritik ist häufig die Folge ungünstiger Situationen, schlechter Kommunikation, Stress oder Unwissenheit. Um im Folgenden konstruktive Kritik äußern zu können, solltest du Formulierungen wählen wie: „Ich verstehe vollkommen, dass du gestresst bist, aber …“ oder „Ich weiß, dass es für dich sehr wichtig ist, aber ich wünsche mir, dass …“ 

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Konstruktive Kritik: Reagiere zuerst verständnisvoll, bevor du kritisierst.(Photo: imago images/Cavan Images)

Du wirst merken, deine konstruktive Kritik wird nicht nur aufgenommen, sondern es wird auch kein Streit in Folge deiner kritischen Äußerungen entstehen. 

Dennoch: Diese Fehler solltest du unbedingt vermeiden

Damit konstruktive Kritik gelingt, solltest du diese typischen Fehler vermeiden:

  1. Kritisiere das Verhalten, aber nicht die Person.
  2. Kritisiere nicht zu direkt, sondern taktvoll – denn Ehrlichkeit und Direktheit können verletzen.
  3. Kritisiere nicht, wenn du gerade selbst gefrustet bist (über Themen, die nichts mit der Person zu tun haben).
  4. Lasse dein Gegenüber sich verteidigen, das ist eine menschliche Reaktion auf Kritik.
  5. Wenn du austeilst, dann musst du auch einstecken können, daher solltest du ebenfalls sachlich auf Kritik reagieren.

Es ist nicht immer leicht, sachlich zu bleiben, konstruktiv zu kritisieren und auf beleidigende Worte zu verzichten. Besonders dann, wenn dich das Verhalten der anderen Person verletzt hat oder die Situation nicht zum ersten Mal entstanden ist. Doch wirst du schnell merken, wie effektiv konstruktive Kritik sein kann.

Damit sie dir noch leichter gelingt, haben wir hier noch ein paar Beispielsätze für dich.

5 Beispielsätze, die das Kritisieren leichter machen 

Wenn du konstruktive Kritik richtig anwendest, dann wird dir auffallen, dass es besonders Fragen sind, die dein Gegenüber zum Nachdenken anregen werden. 

  • „Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?“
  • „Was sagt dein Bauchgefühl dazu?“
  • „Wie würdest du dich in der Situation fühlen?“
  • „Hast du eine Idee, wie wir Situationen wie diese vermeiden können?“
  • „Aus dem letzten Projekt haben wir gelernt, dass XY nicht funktioniert. Was hältst du von dieser Alternative …“
  • „Du hast vermutlich Recht, aber man könnte es auch so sehen …“
  • „Lass uns die Sache mal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten …“

Je gewählter du dich ausdrückst, desto eher wird sich deine konstruktive Kritik zu Herzen genommen.

Kritisiert zu werden kann ganz schön aufs Gemüt schlagen und dich zusätzlich stressen, daher findest du in diesem Video 6 wirksame Tipps gegen Stress.

Fazit: „Ich-Form“ als Schlüssel für konstruktive Kritik

Statt aufzuzählen, was dich alles nervt und wobei du anderer Meinung bist, solltest du erst etwas Positives sagen und anschließend die Kritikpunkte ansprechen. Dein Gegenüber wird ganz automatisch positiver gestimmt sein, die genannten Fehler vermeiden und deine Kritik langfristig umsetzen.

Diese Selbstliebeübungen werden dir dabei helfen, mit Kritik besser umgehen zu können.

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