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Frau sein ist teuer: So viel kostet es eine Vagina zu haben

Frau sein kostet insgesamt 43.957 Euro im ganzen Leben. Wie sich diese Zahlen zusammensetzen und warum Männer das nicht zahlen müssen.

Billie/PR
Schamhaare offen zeigen? Go for it! Körperhaare sind völlig natürlich und müssen nicht entfernt werden. Foto: Ballie/PR

Hast du dich jemals gefragt, was es kostet, eine Frau zu sein? Deine Vagina, deine Behaarung, deine Periode… All‘ diese Dinge verursachten Kosten, die bewältigt werden wollen. Frauen geben im Schnitt viel mehr Geld aus als Männer es tun. Und die Gründe dafür sind vielfältig.

In diesem Artikel werden wir uns genau anschauen, welche Zusatzkosten auf Frauen zukommen. Sprechen wir mal nicht vom Mental Load: den Vorurteilen, Schuldgefühlen und Widersprüchen, mit denen sich das weibliche Geschlecht täglich rumschlägt.

Disclaimer: Der Einfachheit halber nutzen wir in diesem Artikel das Wort „Frau“ synonym mit Menschen, die eine Vagina haben und sich selbst als Frau identifizieren. Es gibt natürlich auch Menschen, die keine Vagina haben, nicht menstruieren und sich dennoch als Frau identifizieren. Auf diese Frauen kommen ebenfalls Zusatzkosten zu.

Wenn ich an die Unterschiede zwischen Männern und Frauen denke, dann kommen mir viele Dinge in den Kopf: Frauen sind in der Regel kleiner, sie wiegen weniger und ihre Körper besitzen mehr Fett. Frauen und Männern wachsen in der Regel an unterschiedlichen Stellen Haare. Die Liste könnte ewig weitergehen. Doch was bedeuten diese Unterschiede für den weiblichen Geldbeutel? Eine ganze Menge, wie uns gleich bewusst werden wird.

Ich habe mir einen Taschenrechner geschnappt und die Kosten ausgerechnet, mit der eine Frau ihr Lebtag lang rechnen sollte – aufgrund ihres biologischen und sozialen Geschlechts.

Frausein: Was kostet dich deine Vagina?

Die erste Frage, die wir uns stellen: Was kostet es in unserer Gesellschaft, eine Vagina und den zugehörigen Körper zu haben? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Natürlich bekommen alle Frauen ihre wunderschönen Vulven und Vaginen bei der Geburt umsonst dazu. 

Die Kosten entstehen erst später, durch Wartung und Instandhaltung des weiblichen Körpers. Bei unserer Suche nach den Kosten für die Weiblichkeit werden wir die wichtigsten Faktoren wie Rasur, Schminke, Menstruation und Sex beachten.

Haare unter den Armen, Frau in der Dusche
Frauen zahlen sich im Laufe eines Lebens dumm und duselig für ihre Hygieneprodukte. @billiebodybrand

Die Kosten für das Rasieren

Die meisten Menschen, die sich als Frau identifizieren, enthaaren ihren gesamten Körper. Laut Statistiken rasieren sich gut 93 % der Frauen die Beine, während Männer das zu nicht einmal ein Prozent tun.

Um ausrechnen zu können, wie viel Geld Frauen für die Haarentfernung ausgeben, müssen wir wissen, wie oft sie sich rasieren. Viele Mädchen beginnen mit 12 Jahren mit der Haarentfernung und hören erst im hohen Alter von 75 Jahren damit wieder auf. Das sind 63 Jahre. Wir gehen also davon aus, dass Frauen sich die Haare gut 63 Jahre ihres Lebens entfernen.

Ein durchschnittlicher Rasierer von Amazon kostet als 4-teiliges Set gut 11 Euro. Dieses Set ist bei mittlerer Nutzung gut drei Monate haltbar. Man muss sich im Jahr also 4 Sets á 11 Euro kaufen. Das sind 44 Euro.

24 Euro mal 63 Jahre ergeben 2.772 Euro.

Das sind die Kosten für das bloße Rasieren mit Mehrwegklingen Zuhause. Wachsen, epilieren und andere Schönheitsbehandlungen sind nicht inbegriffen.

Wichtig: Auch Männer rasieren sich. Bei ihnen ist vor allem das Gesicht der Teil des Körpers, der von Haaren befreit wird. Da das Gesicht flächenmäßig aber sehr viel kleiner ist, fällt das weniger ins Gesicht. Zudem ist der soziale Druck, sich als Mann das Gesicht rasieren zu müssen, durchaus geringer als der einer Frau, sich die Beine rasieren zu müssen.

Übrigens: Noch immer zahlen Frauen gut 38% mehr für Rasierer als Männer! Das ist die sogenannte Pink Tax.

Die Kosten für die Schminke

In Deutschland ist es üblich, sich als Frau zu schminken. In vielen Branchen und Jobs wird es sogar von ihnen erwartet. Dass Make-Up Geld kostet, wird da oft nicht bedacht. 

Make-Up, Styling, Duften, Cremen. Laut einer Studie von TNS Infratest (basierend auf einer repräsentativen Online-Befragung von 500 Frauen und 500 Männern) geben Frauen im Jahr gut 300 € für Make-Up, Körperreinigung und Düfte aus.

Wieder gehen wir davon aus, dass eine Frau mit 12 Jahren das erste Mal das Schminken kennenlernt und mit 75 Jahren erst damit aufhört. Das sind 63 Jahre. Rechnen wir 300 € mal 63 Jahre: Hier entstehen Kosten von 18.900 Euro.

Bisher liegen wir also bei 21.672 €, die fast jede Frau am Ende ihres Lebens ausgegeben hat, um Haarentfernung zu betreiben und sich zu schminken. Doch es geht noch weiter.

Frau
Sich um die Vulva und Vagina zu kümmern ist Sache eines Profis.

Die Kosten für Sex & Verhütung

Hinzu kommen Investitionen in unsere Sexualität und die Schwangerschaftsverhütung.

Ärzt:innenbesuche kommen natürlich davon unabhängig hinzu. Bestimmte Krankheiten sind zudem besonders oft bei Frauen zu verzeichnen, beispielsweise sind Endometriose und Rhizarthrose am Daumen typische Frauenkrankheiten. Natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass es durchaus typische Männerkrankheiten wie Prostatavergrößerungen oder Vorhautverengungen gibt.

Übrigens: Zum Glück hat in Deutschland fast jede:r eine Krankenversicherung, ansonsten müssten wir auch für die Geburt unseres Kindes zahlen. Durchschnittlich kostet eine Geburt in Deutschland zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Bei einem Kaiserschnitt sind es bis zu 4.000 €. Diese werden aber von der Kasse getragen.

Nicht mehr jede Frau nutzt die Pille, um zu verhüten. Dennoch lässt sich berechnen, wie viel wir Frauen für die Verhütung im Laufe unseres Lebens ausgeben. Die Pille wird vor dem 20. Lebensjahr von der Kasse übernommen, danach kostet sie zwischen 6 und 12 Euro im Monat. Für die weitere Berechnung sagen wir, dass die Pille 10 Euro pro Monat kostet.

Verhüten müssen wir von der ersten Blutung an bis zur Menopause, also ungefähr bis zum 52. Lebensjahr. Die erste Menstruation kommt bei jeder Frau zu einer unterschiedlichen Zeit. Für diese Berechnung gehen wir davon aus, dass eine Frau gut 35 Jahre menstruiert.

10 Euro x 12 Monate x 35 Jahre = 4.200 €

Übrigens: Das sind noch lange nicht alle Kosten. Auch Untersuchungen bei der Gynäkolog:in und medikamentöse Einstellung können teilweise Geld kosten. Als Frau bekommt man zum Beispiel häufiger Blasenentzündungen, da Frauen kürzere Hanwege haben. Die Kosten für die Antibiotika und andere Heilmittel müssen Frauen zum Teil selbst übernehmen.

Bisher liegen wir also bei 25.872 €

Die Kosten für die Menstruation

Menstruationsbeschwerden fordern oft und gerne einen teuren Gang zur Apotheke. Gehen wir davon aus, dass Frauen an jedem Tag ihrer Periode eine Tablette benötigen, dann sind das ganze 5 Tabletten im Monat. Eine Packung Ibuprofen kostet 2,50 für 10 Stück.

Jeden zweiten Monat müssen wir demnach eine neue Packung kaufen. Das sind auf 63 Jahre der Periode hochgerechnet 378 Packungen Ibuprofen.

2,50 Euro x 378 Packungen = 945 Euro

Doch das ist bei weitem nicht alles. Das austretende Blut muss ja auch irgendwo hin. Seit Jahren schon gibt es die Menstruationstasse, die heute immer mehr Anklang findet.  

Tampons und Binden sind teuer. Laut einer Studie geben Frauen für ihre Periode im Jahr 500 € aus. Gehen wir davon aus, dass eine Frau mit 12 Jahren ihre Periode bekommt und mit 50 Jahren in die Menopause kommt, dann hat sie 38 Jahre lang ihre Periode.

500 Euro im Jahr x 38 Jahre = 19.000 Euro

Hochgerechnet kostet das eine Frau gut 19.000 €. Das ist kein Pappenstiel, Ladys! Zum Glück gibt es gute Alternativen zu Tampons.

Rechnen wir mal zusammen: Bisher liegen wir bei 45.817 Euro, die ein Frauenleben kosten. Wie seht ihr das? Haben wir einen wichtigen Kostenfaktor ausgelassen? Schreibt uns gerne eine Mail an wmn@funkemedien.de

Menstruation
Menstruation wurde bis 2019 in Deutschland als Luxus gezählt. @Erol Ahmed

Deutschland ist noch immer die Tamponhölle

In Deutschland werden Tampons mit 7% versteuert. Das ist immerhin ein Fortschritt: Im Jahr 2019 wurden Tampons noch als Luxusgüter wie Rolex und Swarowskikettchen mit 19% versteuert. 

Andere Länder, bessere Tamponsitten

Kenia, Kanada und Indien machen es da schon geschickter: Sie erheben keine Steuer auf Tamons und Co.

Die schottische Regierung hat wohl eingesehen, dass Tampons und Binden zum Grundrecht der Frauen gehören und geben sie ab jetzt frei an öffentlichen Plätzen aus. Damit ist Schottland das erste Land, das diese Maßnahme ergreift. Richtig so. Jetzt müssen sie nur noch die Schokoladenpreise zur Zeit einer schlimmen Menstruationsdepression anpassen und schon sind wir der perfekten Welt einen Schritt näher gekommen.

Frausein ist teuer, aber grandios!

45.817 € nur für das Frausein. Aber fetzt mal ganz ehrlich: Trotz der enormen Kosten, der monatlich eintretenden Regelschmerzen und der Höllenqualen einer Geburt. Wir lieben es, Frauen zu sein. 

Wie sonst könnten wir uns so für Feminismus stark machen. Wir lieben unsere Vulven und leben Bodypositivity wie zuvor noch nie.