Der Trend Body Positivity taumelt zwischen Kritik und Lob.

Denn seit Jahren posten überwiegend Frauen in den Sozialen Medien Bilder von sich in Unterwäsche, Sport-Outfit oder Leggings. Stolz grinsen sie in die Kamera, zeigen ihren Körper, so wie er ist. Voller Dehnungsstreifen, Pickel, Cellulite, Hängebrüste oder Bauchspeck. Mittlerweile finden sich mehr als 6,6 Millionen Fotos unter dem Hashtag #BodyPositivity. Und auch immer mehr Firmen springen auf den Zug auf und setzen auf mehrgewichtige Models. Doch neben sehr viel Lob, hagelt es auch immer mehr Kritik an der Body Positivity Bewegung. Wie kommt es dazu? Und ist diese berechtigt? wmn klärt auf.

Body Positivity – Das ist der Ursprung der Bewegung

Auch wenn viele denken, dass die Body Positivity Bewegung ihren Ursprung auf Instagram hat, reichen die Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurück. Zu einer Zeit, in der der Feminismus gerade erwacht ist und Frauen gegen das vorherrschende Schönheitsideal kämpften.

Body Positivity
Body Positivity ist eine schnell wachsende Bewegung(Photo: Rawpixel)

In den 70ern demonstrierten mehrgewichtige Menschen gegen die sogenannte Fettfeindlichkeit und versuchten, der Diskriminierung entgegen zu wirken. Beispielsweise versuchte die Bewegung „Victorian Dress Reform Movement„, gegen das Tragen von Korsetts zu rebellieren und damit an dem damit einhergehenden Schönheitsideal der kleinen Taille zu rütteln.

Zum Social Media-Trend wurde die Body Positivity Bewegung erst in den letzten Jahren. Die Message dahinter ist klar: Frauen aus aller Welt machen darauf aufmerksam, dass es nicht nur schwer zu erreichende Schönheitsideale gibt, sondern dass diejenigen, die diesen gar nicht entsprechen, diskriminiert und ausgeschlossen werden. 

Das kann sich im Alltag in mehreren Situationen widerspiegeln. Wer mehrgewichtig ist, kriegt im Flugzeug böse Blicke zugeworfen, wenn der Gurt nicht passt. Wer Kleidergröße 54 trägt, kann nicht einfach in den nächstbesten Laden gehen und dort ein Oberteil kaufen, wenn ihm gerade danach ist. Stattdessen gibt es nur eine überschaubare Auswahl in Spezialgeschäften. Empirische Studien zeigen zudem, dass eher die Menschen befördert werden, die dem Schönheitsideal entsprechen. Also diejenigen, die weiß, schlank und normschön sind.

Body positivity movement
Body Positivity zeigt, dass das, was für Schlanke normal ist, für Mehrgewichtige zur Tortur werden kann(Photo: ozgurcoskun)

Aber es geht noch weiter. Die Psychologin Rebecca Puhl von der Universität Yale lieferte mit einer Studie den Hinweis darauf, dass mehrgewichtige Menschen bereits bei der Einstellung im Beruf systematisch benachteiligt werden. Dass sie weniger Geld verdienen als Schlanke. Und dass sie bei drohenden Entlassungen eher ihren Job verlieren als dünne Menschen.

Wer demnach also schwarz, übergewichtig und vielleicht noch körperlich behindert ist, hat es dreifach schwer. Und genau gegen diese Nachteile kämpft die Body Positivity Bewegung an.

Body Positivity: Erfolge der Bewegung

Mittlerweile haben viele Menschen erkannt, dass die aktuellen Schönheitsideale unrealistisch und diskriminierend sind. Und auch die Werbung reagiert, indem immer mal wieder Frauen mit Mehrgewicht, Dehnungsstreifen oder Falten am Bauch präsentiert werden. 

Auch solche Bilder finden sich unter den Hashtags

Doch: Wer den Hashtag #BodyPositivity bei Instagram eingibt, staunt nicht schlecht, wenn zwischen all den mehrgewichtigen Frauen auch solche den Hashtag benutzen, die dünn, weiß und normschön sind. 

Auch die Anti-Diät Bloggerin Morena Diaz nutzte den Hashtag früher für ihre Bilder. Die  junge Frau hat keine Modelmaße, wäre keines von Heidi Klums Mädchen, doch stark mehrgewichtig ist sie auch nicht. Dass der Hashtag auch immer wieder von Frauen wie ihr benutzt wird, also denen, die etwas schlanker und sportlicher sind, ärgert einige aus der Body Positivity Bewegung. 

 

 
 
 
 
 
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Auch Morena Diaz hat den Hashtag #BodyPositivity genutzt.

Body Positivity: Die Kritik wächst & wächst

So verweisen Aktivisten darauf, dass es bei der Bewegung nicht nur darum geht, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen, sondern auch für Toleranz und Sichtbarkeit von diskriminierten Menschen zu kämpfen. Mittlerweile hat das auch die Bloggerin Diaz eingesehen und nutzt den Hashtag #BodyPositivity nicht mehr. Ihre Alternative? Der Trend-Hashtag #selflove. Sie selbst, so sagt sie, habe erkannt, dass die Bewegung auch für politische und strukturelle Veränderungen einsteht.

Ashley Graham posiert für die Kameras
Das Model Ashley Graham ist weltweit für ihre Kurven bekannt(Photo: Jstone/ shutterstock)

Doch: Für viele ist es auch ein Dorn im Auge, dass Plus-Size Models wie Ashley Graham zum Gesicht der Body Positivity Bewegung gemacht werden. Graham macht mit ihrem Aussehen Geld. Viel Geld, denn sie ist eines der bestbezahlten Models der Welt. 

Und doch stören sich einige daran, dass sie mit ihrer weißen Haut, ihrem großen Busen und kräftigen Oberschenkeln – dennoch eine relativ schlanke Taille und schmales Gesicht hat und somit nicht komplett vom Schönheitsideal abweicht. Damit, so die Kritik, geraten all jene Frauen in den Hintergrund, die dunkle Haut, runde Gesichter und eine breitere Taille haben.  

Und heute? Sind wir doch immer noch körperfixiert, oder?

Der Body Positivity Bewegung ist es zu verdanken, dass unsere Schönheitsideale überhaupt hinterfragt wurden. Doch Kritiker der Body Positivity-Bewegung bemängeln, dass sie letztlich auch wieder nur körperfixiert ist. Dass sie das Aussehen in den Vordergrund stellt. Aber vielen falle es eben nicht leicht, das eigene Aussehen so zu lieben, wie es sei. Etwa würden nicht alle morgens in den Spiegel schauen und liebevoll die Pickel, das Bauchfett und die Dehnungsstreifen annehmen. Und genau dafür äußern nun zahlreiche Personen Kritik an der Body Positivity Bewegung. Etwa die Sozialpsychologin Ansuchka Rees.

Body Positivity
Soll die Body Positivity Bewegung durch die Body Neutrality ersetzt werden?(Photo: JacobLund/ Shutterstock)

Welche starke Rolle das Gewicht in unserer Gesellschaft immer noch spielt, zeigt auch das Beispiel der mehrgewichtigen Sängerin Adele, die massiv abgenommen hat – was für sehr viel Aufregung sorgte. Die Schlagzeilen lauteten: „Insider verrät: So fühlt sie sich in ihrem neuen Körper“ oder „Warum wir von Adeles Gewichtsabnahme enttäuscht sind.“ 

Aber müsste es in all den Medienberichten nicht eigentlich nur um Adeles Musik, ihr Talent und ihre harte Arbeit gehen? Diese Frage ist nach all diesen Zeitungsartikeln hinlänglich. 

Und dass eben auch die Body Positivity- Bewegung wieder das (unperfekte) Aussehen der Frauen in den Vordergrund stellt, ruft nicht nur viele Kritiker hervor. Sondern auch die Alternative zur Body Positivity. Nämlich die Body Neutrality! Diese soll den Fokus nicht mehr auf das Aussehen legen. Sondern auf die inneren Werte. 

Doch auch hier stellt sich die Frage: Braucht es ein entweder oder? Oder sind es nicht vielmehr beide Bewegungen, die sich ergänzen? Eine, die die krassen Schönheitsideale kritisiert und eine andere, die aufzeigt, dass wir viel mehr sind als unser Körper?

Und tatsächlich plädieren Experten für einen Wandel auf struktureller sowie ein Umdenken auf individueller Ebene, um den Fokus weg vom Äußeren hin zum Inneren zu lenken. Durch diese Mischung könnten die Menschen zu- oder abnehmen, Muskeln auf- oder abbauen – während sich gleichzeitig niemand mehr dafür interessieren würde. Ganz einfach aus dem Grund, weil es nicht das eigene Leben und damit auch nicht der eigene Körper ist.

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