An Feminismus kommt im Jahr 2020 keiner mehr vorbei. Aber was ist Feminismus überhaupt? Mit unserem Glossar verlierst du nicht den Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und Errungenschaften des Feminismus.

Was ist Feminismus eigentlich? Mit GRL PWR schlauer werden.

Noch mehr Buchstaben und ihre Bedeutungen gibt es im neuen Print-Magazin GRL PWR, das ab dem 11.03.2020 überall im Handel erhältlich ist. 

Was es da noch zu entdecken gibt? Der Moment, an dem uns klar wurde, dass Women Empowerment noch lange nicht abgeschlossen ist. Und diese starken Frauen wünschen wir uns alle als große Schwestern. Dass Schubladendenken gerade bei Frauen noch immer Gang und Gebe ist, wird auch erklärt. Besorgt euch das Heft im nächsten Kiosk, Späti oder im Supermarkt. Es lohnt sich!

 Oder du bestellst du das Heft mit diesem Link bei Amazon 🛒.

GRL PWR
So sieht das neue GRL PWR-Magazin der Funke Mediengruppe aus.

Text: Maria Preuss & Lena Schindler

textliche Aufarbeitung für wmn: Josefine Strauß & Mona Schäffer

Was Feminismus ist: Eine Übersicht

Kannst du spontan beantworten, was Feminismus ist? Nein? Kein Problem, denn mit unserem ABC erfährst du mehr über Gleichberechtigung.

A – alte weiße Männer

Alte weiße Männer sind ein Feindbild für Feministinnen und Feministen, denn sie stehen für reaktionäre Menschen, meist Männer, die der Gleichberechtigung mit ihren veralteten Rollenbildern im Weg stehen. Bekannt geworden durch durch das Buch “Alte weiße Männer” von Sophie Passmann.

A – Antifeminismus

Laut der Amadeu Antonio Stiftung fasst Antifeminismus alle soziale Bewegungen, gesellschaftlichen, politischen, akademischen und religiösen Strömungen zusammen, die organisiert gegen Feminismus und deren Anliegen kämpfen.

A – #aufschrei

2013 haben das erste Mal Frauen im Netz zu einer Kampagne zusammengefunden und in Tausenden von Tweets über ihre Erfahrungen mit Alltagssexismus berichtet. Aus dem Netz wanderte das Thema zurück in die Medien und die Politik, eine Wirkung, die zuvor noch kein Hashtag in Deutschland hatte. Eine der Begründerinnen des Hashtags war die deutsche Feministin Anne Wizorek.

B Bechdel-Test

Eine Methode, um Geschlechterklischees und Feminismus im Filmgeschäft zu entlarven. Gibt es im Film mindestens zwei Frauen (mit Namen)? Reden sie miteinander? Sprechen sie über etwas anderes als über Männern? Sonst haben sie keine tragende Rolle und sind nur Dekomaterial – wie zum Beispiel in „Das Leben der Anderen“, „Herr der Ringe“ oder „Avatar“. Die Zeichnerin und Autorin Alison Bechdel führte 1985 diese Kriterien ein, um zu bestim – men, ob ein Film sexistisch ist.

B Body positivity

Der Begriff wurde von übergewichtigen dunkelhäutigen Frauen geprägt, um gegen die gesellschaftlichen Vorstellungen zu rebellieren. Die Bewegung ruft dazu auf, sich so anzunehmen, wie man ist. Denn jeder Körper ist schön. Und Vollkommenheit langweilig. 

C Cat-Calling

Kommen schlechte Erziehung, ein negatives Frauenbild und der Drang nach platter Anmache zusammen, entsteht dieses Phänomen: Männer pfeifen Frauen auf der Straße hinterher oder zischeln herablassende Dinge wie „süß“. Schon der Name macht deutlich, warum keine Frau so was als Kompliment versteht: Ihr wie einem Tier hinterzupfeifen oder sie von der Seite anzulabern ist schlichtweg respektlos. 

F Femizide

Femizide bezeichnen die Häufung von geschlechtsspezifischen Tötungen, also die gehäufte Tötung von Frauen. Besonders oft kommen Femizide in lateinamerikanischen Ländern wie Mexiko vor.

F Frauenquote

Brauchen wir die? Wollen wir die? Darüber herrscht große Uneinigkeit. Klar, wir möchten für unsere Leistungen anerkannt werden, nicht wegen staatlicher Druckmittel. Aber offenbar hat es weitreichende Effekte, wenn wir endlich mal eine Chance bekommen, unser Können unter Beweis zu stellen.

Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt: Norwegen, das 2003 als erstes Land eine verbindliche Frauenquote eingeführt hat, belegt mit einem Anteil von 41 Prozent Frauen im Topmanagement den Spitzenplatz. 

F Frauenwahlrecht

Gibt es für Frauen (mit Unterbrechung durch den Nationalsozialismus) in Deutschland seit 1918. In anderen Ländern sieht’s noch übler aus. So dürfen Frauen in der Schweiz auf Bundesebene erst seit 1971 wählen, in Saudi-Arabien erst seit 2015.

G Gender

Gemeint sind die kulturspezifisch wie historisch variablen Rollen, Erwartungen und Werte, die an das jeweilige Geschlecht geknüpft sind: seine soziale Dimension. Die französischen Philosophin und Schriftstellerin Simone de Beauvoir brachte es schon 1949 auf den Punkt: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“

G Gender Pay Gap

Die Gender Pay Gap bezeichnet die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Bruttoeinkommen. Laut dem Global Gender Gap Report wird es noch über 99 Jahre dauert, bis wir weltweit die komplette Gleichberechtigung von Mann und Frau erreicht haben.

G Genitalverstümmelung

Bezeichnet die teilweise oder vollständige Entfernung von Klitoris und den inneren Schamlippen sowie der äußeren Schamlippen, welche vor allem in afrikanischen Ländern, aber auch in anderen Staaten durchgeführt werden. Model und Autorin Waris Dirie war ebenfalls Opfer dieser Methode und verarbeitete ihre Erfahrungen im Buch “Wüstenblume”.

H Hepeating

Die amerikanische Uni-Dozentin Nicole Gugliucci hat diesen Begriff für ein männliches Kommunikationsphänomen erfunden, das viele Frauen kennen: Es beschreibt die Situation, wenn der Einwurf einer Frau ignoriert wird, ein Mann ihn aber wenig später so oder so ähnlich wiederholt und dafür die Anerkennung kassiert, die der Frau zugestanden hätte.

I Intersektionalität

Der Begriff meint, dass verschiedene Formen der Diskriminierung zusammenkommen. So wird zum Beispiel eine dunkelhäutige lesbische Frau nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern auch aufgrund ihrer Hautfarbe und ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt oder ausgegrenzt. 

J Jeanne d`Arc

Die Jungfrau von Orleans wird oft als feministische Ikone gefeiert. Schließlich ritt sie als Hirtenmädchen in Männerklamotten den Mächtigen der Zeit unerschrocken entgegen, kämpfte auf dem Schlachtfeld und vor Gericht. 

Trotzdem: Sie wurde heiliggesprochen wegen des Martyriums, das sie nach göttlichem Plan erleiden musste. Oder, um es in ihren Worten zu sagen: „Gehorsam ist des Weibes Pflicht auf Erden, das harte Dulden ist ihr schweres Los …“ Eine Heldin? Klar, und wie! Eine Feministin? Nicht so ganz.

K Körperhaare

Auf dem Kopf können es fast nicht zu viele sein, am Körper lieber so wenig wie möglich. Die eigene Körperbehaarung sollte eigentlich eine ganz persönliche Entscheidung sein. Doch Frauen, die ihre Bein- oder Achselhaare nicht rasieren, werden so regelmäßig darauf angesprochen, dass es sich kaum wie eine private Angelegenheit anfühlt. 

L LGBT (QIA+)

Die Abkürzung aus dem Englischen steht für Lesbian, Gay, Bisexual und Trans, also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender bzw. Transsexuelle, außerdem Inter- und Asexuelle. Der Begriff bezeichnet Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren.  

M – #MeToo

Unter dem Hashtag #metoo rief die US-amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano 2017 andere Frauen dazu auf, ihre Erfahrung mit Sexismus und sexueller Belästigung in den sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Eingeleitet wurde die #MeToo-Debatte durch die Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen Filmproduzent Harvey Weinstein. Der Hastag löste eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über sexuelle Übergriffe und den tatsächlichen Stand der Gleichberechtigung aus.

N Nein

Was eine Selbstverständlichkeit hätte sein müssen, war lange Zeit keine: „Nein heißt nein“. Immerhin: Seit 2016 gilt das neue Sexualstrafrecht. Für die Strafbarkeit eines Übergriffes kommt es nicht mehr darauf an, ob mit Gewalt gedroht oder diese angewendet wurde. Entscheidend ist: Das Opfer hat die sexuelle Handlung nicht gewollt!

O Orgasmus

Dass wir in der (hauptsächlich weiblichen) Redaktion überlegen mussten, welches Wort mit O anfängt, sagt ja eigentlich schon alles. Offensichtlich ist der Orgasmus für Frauen immer noch so wenig selbstverständlich, dass er uns nicht sofort einfällt. Und natürlich fordern wir nicht, dass jede Frau ständig Orgasmen haben soll. 

Aber zumindest, dass wir überhaupt mal darüber sprechen. Die meisten Frauen kommen tatsächlich so gut wie nie durch ausschließlich vaginale Stimulierung, sondern vor allem durch klitorale. Außerdem haben so gut wie alle Frauen mindestens einen Orgasmus in ihrem Leben vorgetäuscht – und reden mit ihren Sexualpartnern kaum darüber. Das muss sich ändern! Deswegen findest du bei uns Anleitungen für den atemberaubenden A-Punkt Orgasmus und den unverzichtbaren G-Puntk-Orgasmus.

P Pille

Anfang der 1960er-Jahre wurde die „Antibabypille“ in Westdeutschland zugelassen – allerdings nur für verheiratete Mütter und unter dem Widerstand von Kirche und konservativer Politik. Wie schon der Name „Wunschkindpille“ verrät, wurde sie in der ehemaligen DDR viel positiver aufgenommen, auch, weil die Regierung die Frauen brauchte, um ihre Produktion zu steigern. Das erste Kondom kam übrigens 1870 auf den Markt, vorher behalf man sich mit Fischblasen oder Tierdärmen. 

Die mit 🛒 gekennzeichneten Links und die Artikel-Widgets sind Affiliate-Links. Die Produkte werden nach dem besten Wissen unserer Redakteur:innen recherchiert und teilweise auch aus persönlicher Erfahrung empfohlen. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und darüber etwas kaufst, erhält wmn eine kleine Provision von dem betreffenden Online-Shop. Für dich als Nutzer:in verändert sich der Preis nicht, es entstehen hierdurch keine zusätzlichen Kosten. Die Einnahmen tragen dazu bei, dir hochwertigen, unterhaltenden Journalismus kostenlos anbieten zu können.