feministische fashion pieces
Marlene Dietrich ist eine Ikonen der feministischen Mode. Foto: Hulton-Deutsch Collection/CORBIS/Corbis via Getty Images

Mode kreiert Trends, die nicht jedem gefallen. Sie wird in Größen verkauft, die nicht jedem passen. Oft wird ihr vorgeworfen, ein stereotypes Bild von Frauen zu stützen, das schon längst aus der Zeit gefallen ist. All das kann man der Mode vorwerfen. Trotzdem ist sie mehr als ihre Schattenseiten. Die aktuelle Mode ist immer auch ein Spiegel der Gesellschaft und gerade in der Geschichte der Frauenbewegung spielt sie eine mehr als spannende Rolle. Was Bikinis mit Feminismus zu tun haben? Das erfährst du jetzt. Hier kommen die wichtigsten feministischen Fashion Pieces der Geschichte.

Corsage, Bridgerton
Serien wie Bridgerton erinnern daran, dass bequeme Mode für Frauen nicht immer selbstverständlich war. Foto: imago images/ZUMA Press /

Von der Mode gegen Frauen zur Mode für die Frauen

It’s a man’s world – und das ist kaum ein Zufall. Die Mode hat sich lange Zeit auf die Seite des vermeintlich stärkeren Geschlechts geschlagen, um mithilfe von engen Röcken, hohen Schuhen und Korsagen ein bewegungsunfähiges „schwächeres“ zu schaffen. Schon bei den alten Griechen hielt man es für sinnvoll, den weiblichen Körper mit einem Korsett in die gewünschte Form zu pressen. Die Einschnürung der Frau hielt sich über Jahrhunderte und stellte sicher, dass eine Dame von hohem Stand in ihrer Freizeit maximal zum Lesen und Stricken fähig gewesen ist.

Erst mit der aufkommenden Frauenrechtsbewegung im 19. Jahrhundert, als Frauen wegen des Krieges dann plötzlich doch als Arbeitskräfte taugten, konnten sie den “Käfig Korsett” ablegen. Heute ist die Corsage in neuer Form sogar wieder in Mode. Der Unterschied: elastisches Material und die freie Entscheidung für oder gegen den Trend. So verhält es sich mit allen feministischen Fashion Pieces: Wir tragen sie noch heute. Eines davon sogar so ziemlich jeden Tag …

Stilikonen 20. Jahrhundert, Coco Chanel
Fashion Designerin Coco Chanel in den frühen 50er-Jahren. Foto: Getty Images/ Apic /

Wie Coco Chanel die Damen-Hose groß machte

Wer von feministischen Fashion Pieces spricht, muss auch von Coco Chanel sprechen. Ihr haben wir es zu verdanken, dass wir heute ganz selbstverständlich in Hosen vor die Tür gehen. Einfach war es nicht, diesen Trend zu etablieren. 1851 hatte bereits die US-amerikanische Frauenrechtlerin Amelia Bloomer eine knöchellange Hose für Frauen entworfen, die Bloomers genannt wurde. So richtig durchsetzen wollte sich ihre Vision aber nicht.

Besser lief es für die französische Modedesignerin Coco Chanel, die nach dem Ersten Weltkrieg ihre berühmte Yachting Pants kreierte – eine weit geschnittene Hose, in der frau uneingeschränkt an Freizeitaktivitäten teilnehmen konnte und dabei noch immer elegant aussah. Chanel hat die Hose zum Trend in der Frauenmode gemacht. Aber nicht nur das. Sie war auch die erste Designerin, die bequemes und elastisches Baumwolljersey für Damenmode verwendete statt nur für Männerunterwäsche.

Sie selbst lebte das Motto der modischen Emanzipation vor wie kaum eine zweite: Der kurze Bubikopf, Hosenanzug und Zigarettenspitze waren wichtige Bestandteile des aufkommenden androgynen Garçonne Stils, der die Frauen durch eine der wichtigsten Zeiten für den Feminismus begleitete – die Goldenen Zwanziger. Coco Chanels Mode kündigte an, was die Zukunft bringen würde: das Ende des Patriarchats.

Einer der berühmtesten Bubiköpfe der 20er: Schauspielerin Louise Brooks. Foto: Donaldson Collection/Getty Images

1. Feministisches Fashion Piece: Der Hosenanzug

Ein wichtiger Bestandteil von Chanels Kollektionen, aber auch bei Paul Poiret und Yves Saint Laurent, war der Hosenanzug. Man war inzwischen Frauen in Hosen gewohnt, die in Fabriken arbeiten oder ihre Stadt wieder aufbauten. Aber der Hosenanzug als modisches Symbol männlicher Geschäftstätigkeit war an einer Frau noch dann ein Skandal, als Marlene Dietrich 1931 in einem solchen durch Paris spazierte und prompt vom Bürgermeister persönlich aufgefordert wurde, die Straße zu verlassen. Ob sie dieser Aufforderung wohl nachgekommen ist?

Marlene Dietrich 1942 in „The Lady is willing“. Credit: Imago Images/ Courtesy Everett Collection

1966 brachte Yves Saint Laurent dann den legendären „Le Smoking“ heraus, einen eleganten Hosenanzug für Frauen. Daraufhin beklagte sich ein männlicher Autor des Magazins „Life“, dass Saint Laurents Hosenanzüge zur „Zerstörung“ von Geschlechternormen beitrugen. Na dann: Danke Yves!

Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gebracht, Yves Saint Laurent die Macht.

Pierre Bergé 

2. Feministisches Fashion Piece: Das Charlestonkleid 

Für die Gen Z besteht die stärkste Assoziation zum Charlestonkleid vermutlich in der Erfolgsserie Babylon Berlin. Dabei ist es eines der wichtigsten feministischen Fashion Pieces der Geschichte. Die 20er-Jahre waren auch aus modischer Sicht ein Jahrzehnt des Umbruchs. Die Frauen waren dabei, den Kampf gegen das Korsett und das Eingeschnürtsein zu gewinnen. Sie tanzten auf Partys, trugen Federboas und rauchten Zigaretten. Ihre Haare waren zu kurzen Bubiköpfen frisiert.

Die Frau der 20er-Jahre feierte ihre neue Mobilität. Sie tanzte im Charlestonkleid – einem Kleid mit Pailletten und Fransen, das jede Bewegung optisch verstärkte und dynamisierte. Es wurde zum Symbol eines neuen weiblichen Selbstbewusstseins und einer neuen, nie da gewesenen Bewegungsfreiheit der Frau. 

Das Charlestonkleid verdankt seinen Namen dem berühmten Charlestontanz. Credit: Getty Images/ Paramount Pictures.

3. Feministisches Fashion Piece: Der Bikini

Die Mode der 50er-Jahre machte aus emanzipatorischer Sicht mehr Schritte zurück als vorwärts. Das Ideal forderte von den Frauen eine Wespentaille, runde Hüften und einen vollen Busen. Die Bademode wurde dementsprechend figurformend ausgepolstert, die Taille zusammengeschnürt und die Brust hoch gepusht. Der Bikini war damals noch nicht nur zu freizügig, er war auch zu “ehrlich” in dem, was er vom weiblichen Körper präsentierte. Erst in den 60er-Jahren setzte er sich nach und nach durch – auch dank der Ikonen Marilyn Monroe und Brigitte Bardot.

In Kinofilmen wurde er oft als dramaturgisches Accessoire eingesetzt: “Brave Mädchen” trugen einen Badeanzug und die weniger braven hatten ihren sexy Auftritt im Bikini. Mitte der 1960er begann eine neue Ära der Jugendrevolution, die das Werbemotto „Sex sells“ mit sich brachte und dem Bikini einen erneuten Beliebtheits-Schub bescherte. Heute geht der Trend in Richtung: je knapper, desto besser. Wenn du noch auf der Suche nach einem wertigen Bikini bist, findest du hier tolle nachhaltige Bademode-Brands.

Der Bikini konnte sich lange Zeit nicht durchsetzen. Credit: Old Visuals/Everett Collection via Imago Images.

4. Feministisches Fashion Piece: Der Minirock

Unter dem Motto “Sex sells” stand auch der Minirock, der in vielen Kreisen eine Welle der Empörung auslöste. Erfunden hat ihn die britische Designerin Mary Quant und hat damit die Gesellschaft der 1960er-Jahre ganz schön auf den Kopf gestellt. Ihre Ambition war es, einen Rock zu schaffen, der Bewegung zulässt. Mit den prüden Bleistiftröcken ihrer Zeit sei es schließlich unmöglich gewesen, einem Bus hinterherzurennen. 

Nachdem sich die Empörung über diesen obszön kurzen Fummel gelegt hatte und selbst die Freundinnen der Beatles in Mary Quant- Mode herumliefen, wurde der Minirock auch in der feinen Gesellschaft zum Trend und zum Symbol der „Swinging Sixties“. Dieses feministische Fashion Piece steht übrigens auch 2022 wieder hoch im Kurs – zum Beispiel als Lederrock oder Plisseerock.

Circa 1966 in England. Credit: Imago Images/ Topfoto

5. Feministisches Fashion Piece: Die Sneaker

Wenn man sich mit der chinesischen Tradition des “Lotusfußes” beschäftigt, lernt man seine bequemen Sneaker im Schrank gleich umso mehr zu schätzen. Noch bis ins 20. Jahrhundert war es Tradition, Mädchen die Füße zu brechen und durch anschließendes Abbinden zu sogenannten Lotusfüßen zu modellieren. Das Schönheitsideal dahinter verlangt einen kleinen Frauenfuß von etwa zehn Zentimetern, der in handgefertigte Seidenschuhe eingebunden wird. Der Lotusfuß war ein Symbol für Schönheit und Häuslichkeit der Frau und machte es ihr im wahrsten Sinne des Wortes unmöglich, davon zu laufen.

Aber auch abseits dieser brutalen Tradition war es für Frauen lange Zeit selbstverständlich, die eigene Bewegungsfreiheit durch das Tragen von hohen Schuhen einzuschränken. Denn die machen nicht nur ein schönes Bein und einen aufrechten Gang – sie machen auch langsam. Irreparable Deformierungen der Füße durch jahrelanges High Heels-Tragen sind keine Seltenheit. Der Vorläufer des Sneaker, wie wir ihn heute kennen und lieben, entstand in den 60er-Jahren durch den Trend zur sportlichen Bewegung in der Freizeit. Ein echtes feministisches Fashion Piece, das jede:r zu schätzen weiß, der/die schon mal einen Abend auf hohen Schuhen überstehen musste.

Flache Stoffschuhe waren noch vor den Sportschuhen auch für Frauen tragbar. Credit; Imago Images/ Old Visuals/Everett Collectionx.

Feministische Fashion Pieces: Den eigenen Kleiderschrank mit anderen Augen sehen

Diese Beispiele zeigen, wie bedeutsam Mode und auch ihre unscheinbarsten Errungenschaften für die Selbstbestimmung und Emanzipation der Frau sind. Im aktuellen Feminismus wird die Mode ebenfalls als Statement genutzt – indem demonstrativ auf bequeme Kleidung gesetzt wird, auf BHs verzichtet und Gesundheitsschuhe getragen werden (Hallo Birkenstock-Trend). Die Message ist und bleibt die gleiche: Wir lassen uns nicht einengen, nicht einschränken, lassen uns nicht zum Objekt stilisieren und schon gar nicht fußlahm machen. 

Aber – und das ist eigentlich das Schönste an der aktuellen feministischen Mode – sie lässt uns die Wahl: Feministische Fashion Pieces können heute alles sein, was du willst. Ob ein Mini- oder Midi-Rock, ob Latzhose oder Skinny Jeans, High Heels oder Jesuslatschen. Frauen, deren Körper jahrelang in Kleidung hinein gezwängt wurden, sind nun selbst Akteurinnen der Mode. Heute bestimmen wir, was Mode ist und nicht die Mode, wer wir sind.

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