Mode kreiert Trends, die nicht jedem gefallen. Sie wird designet in Größen, die nicht jedem passen. Oft wird ihr vorgeworfen, ein stereotypes Bild von Frauen zu schützen, das schon längst aus der Zeit gefallen ist. Dabei ist sie so viel mehr als ihre Schattenseiten. Heute, am Weltfrauentag, wollen wir darüber sprechen, wie wichtig die Rolle der Mode für die weibliche Emanzipation ist. Dafür stellen wir dir die wichtigsten feministischen Fashion Pieces der Geschichte vor.

Wie feministische Fashion Pieces die Geschichte veränderten

It’s a man’s world – und das ist kaum ein Zufall. Die Mode hat sich lange Zeit auf die Seite des vermeintlich stärkeren Geschlechts geschlagen, um mithilfe von engen Röcken, hohen Schuhen und Korsagen ein bewegungsunfähiges „schwächeres“ zu schaffen.

Schon bei den alten Griechen hielt man es für eine gute Idee, den weiblichen Körper mit einem Korsett in die gewünschte Form zu pressen. Die Einschnürung der Frau hielt sich über Jahrhunderte und stellte sicher, dass sie zu mehr als „in aufrechter Haltung sitzen“ und „stricken“ nicht fähig gewesen wäre. Erst mit der aufkommenden Frauenrechtsbewegung im 19. Jahrhundert, als Frauen wegen des Krieges dann plötzlich doch als Arbeitskräfte taugten, konnten sie den “Käfig Korsett” ablegen. Feministische Fashion Pieces kamen in dieser Zeit vor allem von einer Designerin: Coco Chanel. Sie begriff den neuen Zeitgeist und schuf Kleidung, die der Frau endgültig ihre Bewegungsfreiheit zusicherte.

1. Feministisches Fashion Piece: Der Hosenanzug

Ein wichtiger Bestandteil von Chanels Kollektionen, aber auch bei Paul Poiret und Yves Saint Laurent war der Hosenanzug. Man war inzwischen Frauen in Hosen gewohnt, die in Fabriken arbeiten oder ihre Stadt wieder aufbauten. Aber der Hosenanzug als modisches Symbol männlicher Geschäftstätigkeit war an einer Frau noch dann ein Skandal, als Marlene Dietrich 1931 in einem solchen durch Paris spazierte und prompt vom Bürgermeister persönlich aufgefordert wurde, die Straße zu verlassen.

Marlene Dietrich 1942 in „The Lady is willing“. Credit: Imago Images/ Courtesy Everett Collection

1966 brachte Yves Saint Laurent dann den legendären „Le Smoking“ heraus, einen eleganten Hosenanzug für Frauen. Daraufhin beklagte sich ein männlicher Autor des Magazins „Life“, dass Saint Laurents Hosenanzüge zur „Zerstörung“ von Geschlechternormen beitrugen. Und genau das tat er, auf eine denkbar gute Weise.

Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gebracht, Yves Saint Laurent die Macht.

Pierre Bergé 

2. Feministisches Fashion Piece: Das Charlestonkleid 

Für Gen Z besteht die stärkste Assoziation zum Charlestonkleid vermutlich in der Erfolgsserie Babylon Berlin. Dabei ist es eines der wichtigsten feministischen Fashion Pieces der Geschichte. Die 20er-Jahre waren auch aus modischer Sicht ein Jahrzehnt des Umbruchs. Die Frauen waren dabei, den Kampf gegen das Korsett und das Eingeschnürtsein zu gewinnen. Sie gingen auf Partys, trugen Federboas und rauchten Zigaretten. Ihre Haare waren zum Bubikopf frisiert.

Die Frau der 20er-Jahre feierte ihre neue Mobilität. Sie tanzte im Charlestonkleid – einem Kleid mit Pailletten und Fransen, das jede Bewegung optisch verstärkte und dynamisierte. Es wurde zum Symbol eines neuen weiblichen Selbstbewusstseins und einer neuen, nie dagewesenen Bewegungsfreiheit der Frau. 

Das Charlestonkleid verdankt seinen Namen dem berühmten Charlestontanz. Credit: Getty Images/ Paramount Pictures.

3. Feministisches Fashion Piece: Der Bikini

Die Mode der 50er-Jahre machte aus emanzipatorischer Sicht mehr Schritte zurück als vorwärts. Das Ideal forderte von den Frauen eine Wespentaille, runde Hüften und einen vollen Busen. Die Bademode wurde dementsprechend figurformend ausgepolstert, die Taille zusammengeschnürt und die Brust hoch gepusht. Der Bikini war nicht nur noch zu freizügig, er war auch zu “ehrlich” in dem, was er vom weiblichen Körper präsentierte. Erst in den 60er-Jahren setzte er sich nach und nach durch – auch dank der vorangegangenen Werbung durch die Ikonen Marilyn Monroe und Brigitte Bardot.

In Kinofilmen wurde er oft als dramaturgisches Accessoire eingesetzt: “Brave Mädchen” trugen einen Badeanzug und die weniger braven hatten ihren sexy Auftritt im Bikini. Mitte der 1960er begann eine neue Ära der Jugendrevolution, die das Werbemotto „Sex sells“ mit sich brachte und dem Bikini einen erneuten Beliebtheits-Schub bescherte. 

Der Bikini konnte sich lange Zeit nicht durchsetzen. Credit: Old Visuals/Everett Collection via Imago Images.

4. Feministisches Fashion Piece: Der Minirock

Unter dem Motto “Sex sells” stand auch der Minirock, der in vielen Kreisen eine Welle der Empörung auslöste. Erfunden hat ihn die britische Designerin Mary Quant und hat die Gesellschaft der 1960er-Jahre ganz schön auf den Kopf gestellt. Auch ihre Ambition war es, einen Rock zu schaffen, der Bewegung zulässt. Mit den prüden, langen Röcken ihrer Zeit sei es schließlich unmöglich gewesen, einem Bus hinterher zu rennen. 

Nachdem sich die Empörung über diesen obszön kurzen Fummel gelegt hatte und selbst die Freundinnen der Beatles in Mary Quant- Mode herumliefen, wurde der Minirock auch in der feinen Gesellschaft zum Trend und zum Symbol der „Swinging Sixties“. Dieses feministische Fashion Piece steht übrigens auch 2021 wieder hoch im Kurs!

Circa 1966 in England. Credit: Imago Images/ Topfoto

5. Feministisches Fashion Piece: Die Sneaker

Wenn man sich mit der chinesischen Tradition des “Lotusfußes” beschäftigt, lernt man seine bequemen Sneaker im Schrank gleich umso mehr zu schätzen. Noch bis ins 20. Jahrhundert war es Tradition, Mädchen die Füße zu brechen und durch anschließendes Abbinden zu sogenannten Lotusfüßen zu modellieren. Das Schönheitsideal dahinter verlangt einen kleinen Frauenfuß von etwa zehn Zentimetern, der in handgefertigte Seidenschuhe eingebunden wird. Der Lotusfuß war ein Symbol für Schönheit und Häuslichkeit der Frau und machte es ihr im wahrsten Sinne des Wortes unmöglich, davon zu laufen.

Aber auch abseits dieser brutalen Tradition war es für Frauen lange Zeit selbstverständlich, die eigene Bewegungsfreiheit durch das Tragen von hohen Schuhen einzuschränken. Denn die machen nicht nur ein schönes Bein und einen aufrechten Gang – sie machen auch langsam. Irreparable Deformierungen der Füße durch jahrelanges High Heels-Tragen sind keine Seltenheit. Der Vorläufer des Sneaker, wie wir ihn heute kennen und lieben, entstand in den 60er-Jahren durch den Trend zur sportlichen Bewegung in der Freizeit. Ein echtes feministisches Fashion Piece, das jede:r zu schätzen weiß, der/die schon mal einen Abend auf hohen Schuhen überstehen musste.

Flache Stoffschuhe waren noch vor den Sportschuhen auch für Frauen tragbar. Credit; Imago Images/ Old Visuals/Everett Collectionx.

Fazit: Feministische Fashion Pieces kommen nie aus der Mode

Diese fünf Beispiele zeigen, wie bedeutsam Mode und auch ihre unscheinbarsten Errungenschaften für die Selbstbestimmung und Emanzipation der Frau sind. Im aktuellen Feminismus wird die Mode ebenfalls als Statement genutzt – indem demonstrativ auf bequeme Kleidung gesetzt wird, auf BHs verzichtet und Gesundheitsschuhe getragen werden (Hallo Birkenstock-Trend). Die Message ist und bleibt die gleiche: Wir lassen uns nicht einengen, nicht einschränken, lassen uns nicht zum Objekt stilisieren und schon gar nicht fußlahm machen. 

Aber – und das ist eigentlich das Schönste an der aktuellen feministischen Mode – sie lässt uns die Wahl: Feministische Fashion Pieces können heute alles sein, was du willst. Ob ein Mini- oder Midi-Rock, ob Latzhose oder Skinny Jeans, High Heels oder Jesuslatschen. Die Hauptaussage des Trends ist es, dass Frauen, deren Körper jahrelang in Kleidung hinein gezwängt wurden, nun selbst Akteurinnen der Mode sind. Heute bestimmen wir, was Mode ist und nicht die Mode, wer wir sind.

Noch mehr zum Weltfrauentag gibts hier: In diesen Ländern ist er (auch) ein Feiertag. Außerdem besprechen wir auch seine Schattenseiten: Wie Frauen am Weltfrauentag ausgenutzt werden.