Wie weit sollte man gehen, um die Coronaimpfung „sexy“ zu machen? Das ist eine Frage, die gerade heiß in der UK besprochen wird. Regierungsvertretende würden auf Datingplattformen gerne anzeigen lassen, ob jemand geimpft ist oder nicht.

Impfung sexy machen: Das Beispiel Britannien

In Großbritannien ist die Impfstrategie bereits sehr viel besser aufgegangen als bei uns. Vollständig geimpft sind dort mittlerweile mehr als 30 % der Gesamtbevölkerung. Bei uns sind es gerade mal 12,5 % (Stand: 21.05.2021). Das schnelle Impfen in der UK stellt die Menschen allerdings vor eine Herausforderung: Die Impfpriorisierung wird immer weiter aufgelöst und immer mehr junge Menschen dürfen sich impfen lassen. Die Frage ist: Werden sie das auch wollen? Die Angst vor den Nebenwirkungen lässt viele Zweifeln – vor allem junge Leute, die weniger Angst vor einer Ansteckung haben müssen.

Datingplattformen als Hilfe bei der Impfung?

Eine Lösung der britischen Minister sieht vor, Dating Apps mit ins Impfspiel zu bringen, um der Impfung an sich mehr „Sex-Appeal“ zu geben. Zukünftig solle es auf Datingplattformen wie Tinder, Bumble, Badoo und so weiter einen „geimpft“-Sticker geben. Beim Swipen durch die Profile von potenziellen Geschlechts- oder Lebenspartnern kann man so also sehr schnell erkennen, wer bereits geimpft ist und wer nicht. Die britische Regierung ist sich teilweise sicher, dass so die Wichtigkeit des Impfens noch mehr herausgestellt werden würde.

Ein Sprecher der Regierung erklärte im Gespräch mit The Telegraph: ‘As we get to younger people, Tinder and all those apps will be approached to flag the importance of getting vaccinated. It might also give more people impetus to meet up and find love.

Entsteht dadurch ein Impfszwang?

Ein Feature wie dieses ist ein grober Eingriff in die Privatsphäre der User:innen. Seinen Impfstatus preiszugeben ist eigentlich Privatsache, die durch dieses Feature nicht bewahrt werden könnte. Es könnte nicht nur den berühmten „Impfneid“ befördern, sondern auch Menschen dazu zwingen, sich für ihren Status zu rechtfertigen. Gerade Menschen, die krankheitsbedingt selbst auf eine Impfung verzichten, kämen in Erklärungsnot. Es könnte dazu beitragen, die Gesellschaft noch weiter zu spalten, so die Meinung der wmn-Redaktion.

Ist das auch wirklich durchsetzbar?

Natürlich kann diese Entscheidung nicht von der Regierung selbst getroffen werden. Die App-Betreibenden sind am Ende diejenigen, die über das neue Impf-Feature entscheiden müssen. Derzeit hat sich noch keine der Datingapps dazu geäußert – weder Tinder noch Bumble oder Hinge.

Inwiefern das Vorhaben der britischen Regierung auch in Deutschland Anklang finden würde, ist noch nicht bekannt. Allerdings könnten die App-Betreibenden das Feature natürlich in Echtzeit auch für den deutschen Markt freischalten.