nAls es in Deutschland schon Maßnahmen, Regeln, Einschränkungen, Schließungen und Verbote gab, lebte Schweden fast so, als würde es Corona gar nicht geben. Die Geschäfte blieben auf, Masken waren keine Pflicht und Abstand wurde nur empfohlen. 

Doch jetzt scheint der viel diskutierte Plan gescheitert. Denn in Schweden ist Corona präsenter denn je. Tatsächlich steigen die Neuinfektionen hier so stark an wie in keinem europäischen Land, auch die Zahl der Toten nimmt zu.

Schweden hat Corona unterschätzt

Vor ein paar Monaten hofften die Schweden, dass der Plan von Anders Tegnell, dem obersten staatliche Epidemiologen, aufgehen würde. Mit seinem Sonderweg wollte er erreichen, dass der Alltag weitgehend weiterläuft und es zu einer sogenannten „Herdenimmunität“ kommt. So hoffte er, dass viele Schweden bei der zweiten Welle bereits immun sind und dadurch die Zahl der Neuinfektionen gering ausfallen würde. Im Sommer schien er damit auch Recht zu behalten.

„Schweden schlägt einen anderen Weg ein, mit Covid-19 klarzukommen“, schreibt mir meine Freundin Lisa aus Uppsala damals. „Unsere Regierung sieht größere Konsquenzen, wenn wir uns isolieren. Kinder mit Problem daheim sind sicherer in der Schule aufgehoben. Außerdem hätte das große Folgen für die Wirtschaft, wenn Eltern wegen ihrer Kinder zu Hause bleiben müssten. Wir hoffen, dass es funktioniert.“

Leider bewahrheitete sich das nicht.

Schweden Corona
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Schweden.(Photo: statista)

Schweden verzeichnet Infektions-Hoch

Anders als noch im Sommer scheint sich Schwedens Sonderweg als Sackgasse herauszustellen. An nur einem Tag wurden dort 7.935 Neuinfektionen vermeldet – in einem Land, das im Gegensatz zu Deutschland sehr dünn besiedelt ist. Gerade einmal 10 Millionen Menschen leben in Schweden.

So vermeldet das Land insgesamt 312.728 Personen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Allein gestern wurden 58 Todesfälle gemeldet, insgesamt sind dort 7.354 Personen an Covid-19 gestorben. Damit ist die Sterberate fast so hoch wie der in den von Corona gebeutelten USA.

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Regierung greift zu härteren Maßnahmen

Schon Ende November hatte die schwedische Regierung ihren liberalen Kurs angepasst. Doch jetzt sind die Zahlen so alarmierend, dass nun die gesamte Bevölkerung eine SMS erhält, in der noch einmal daran erinnert wird, dass ab dem 14. Dezember strengere Corona-Maßnahmen gelten.

Zu den bereits bestehenden Regeln wie Abstand halten, Hände waschen und Empfehlung zum Homeoffice, wird es nun auch zu Weihnachten Kontaktbeschränkungen geben. So sollen sich die Schweden maximal acht Personen gleichzeitig treffen. Auf vorweihnachtliche Veranstaltungen sollte verzichtet und das Nutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln vermieden werden. Restaurants bleiben zwar offen, doch hier gilt ein Alkoholausschankverbot ab 22 bis 11 Uhr.

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In Deutschland ein normales Bild. Schweden dagegen hat noch keine Maskenpflicht eingeführt.(Photo: imago images/VWPics)

Innenminister Mikael Damberg sagte am Freitag auf einer Pressekonferenz, er könne „nicht genug betonen“, dass der allgemeine Rat kein Tipp sei. Doch vielen gehen die Maßnahmen nicht weit genug. So bringt die Partei Centerpartiet bringt nun auch eine Maskenpflicht ins Spiel

Warum Schweden es trotz der dramatischen Lage weiterhin hauptsächlich bei Empfehlung belässt, dafür könnte die schwierige Gesetzteslage verantwortlich sein. Denn anders als in Deutschland darf die Regierung dort nicht einfach einen Lockdown verhängen. Deswegen wird in Schweden an einem umfassenderen Pandemiegesetz gearbeitet. Wann das aber tatsächlich fertig ist und greifen wird, ist unklar.

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