Ich würde lügen, würde ich sagen, Versöhnungssex wäre nicht verdammt heiß. Hochkochende Emotionen und gegenseitige Vorwürfe durch innigen, intensiven Sex abzulösen, führt immerhin zu Orgasmen, die nicht von dieser Welt sind. Und doch würde ich jedem, dem etwas an seiner Beziehung liegt, empfehlen, die Finger davon zu lassen. Warum? Das erfährst du in diesem Artikel.

Kennst du schon den Wein & Weiber-Podcast vom wmn-Magazin? In dieser Folge sprechen Mona und Lisa darüber, ob und wie eine Freundschaft mit dem oder der Ex gelingen kann.

Warum Versöhnungssex so heiß ist

Versöhnungssex: Sex zur Versöhnung nach einem Streit – für viele klingt das nach einem absoluten Couple Goal. Sie sehen darin Romantik pur und fühlen sich an die Szenen zahlreicher Liebesschnulzen erinnert, die es genau so vorleben. Aber nicht nur deswegen scheint Versöhnungssex für viele eine geeignete Lösung für Streitigkeiten und Probleme in der Beziehung zu sein.

In einer Studie des Dating-Portals ElitePartner gaben 90 % der Befragten an, ihnen wären Harmonie in der Beziehung besonders wichtig. 80 % geben zudem an, dass ihnen ein erfülltes Sexleben wichtig sei. Beides miteinander zu verbinden, liegt für viele wohl auch deswegen auf der Hand.

Auf den ersten Blick ist nichts verkehrt daran, nach einem Streit übereinander herzufallen. Versöhnungssex fühlt sich nämlich nicht nur extra gut an, sondern besänftigt auch die Gemüter und bringt die Liebe zurück. Übrigens lässt sich auch biologisch erklären, warum Versöhnungssex von vielen als besonders sinnlich empfunden wird…

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Harmonie und guter Sex ist vielen Menschen wichtig. Warum also nicht beides zusammenlegen und Streit mit Sex lösen? Credit: Scopio via canva.com

Wut & sexuelle Erregung liegen nah beieinander

Während des Streits kochen die Gemüter hoch und das Stresslevel im Körper steigt an. Genaugenommen werden Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Testosteron ausgeschüttet. Unser Herz klopft dadurch schneller und die Atmung verändert sich. Ganz ähnlich ergeht es uns, wenn wir sexuell erregt sind. Ist die Wut also einmal verflogen, ist der Weg zur puren Lust kein weiter mehr.

Versöhnungssex lässt die Wut nun weichen und lässt dafür die Glückshormone sprühen – beim Orgasmus im besonderen Maße. Vor allem wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, welches uns kuschelig und sanftmütig stimmt, sowie die Bindung zu unserem Partner oder unserer Partnerin unterstützt.

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Versöhnungssex fühlt sich verdammt gut an und lässt die Funken sprühen. Er löst aber keine Probleme. Credit: IMAGO / Cavan Images

Warum Versöhnungssex nicht die beste Art ist, Streit zu lösen

So weit, so gut. Und doch würde ich die Finger vom Versöhnungssex lassen. Und das nicht nur, weil ich bereits negative Erfahrungen mit einer Beziehung gemacht habe, die Versöhnungssex als DIE Lösung aller Dinge verstanden hat und am Ende bitterböse endete.

Es ist auch ganz nüchtern betrachtet keine gute Idee, mit Sex seine Probleme in der Beziehung lösen zu wollen. Denn gelöst wird hier gar nichts, höchstens aufgeschoben.

Im Übrigen lässt sich nicht jeder Streit durch Sex lösen. Es kommt immer auf die Qualität des Streits oder der Diskussion an. Geht man verletzend, abwertend und respektlos miteinander um, wird die Lust auf Sex ohnehin geschmälert. Hier gilt es nicht nur die Wut zu überwinden, sondern seine Wunden zu lecken. Und das wird nicht beim anschließenden Sex geschehen können.

Probleme löst man am besten & schiebt sie nicht weg

Verläuft der Streit auf Augenhöhe und dient dazu, gegenseitige Standpunkte klarzumachen, sieht die Sache schon anders aus. Und doch – wer den Streit nicht gänzlich gelöst hat, sollte in meinen Augen die Finger voneinander lassen. Der Versöhnungssex vermag es vielleicht, die negativen Gefühle wegzublasen und die Harmonie wiederherzustellen …

… Das eigentliche Problem wird dennoch weiter über euch schweben. Statt es also immer weiter aufzuschieben: Löst es, kommt auf einen Nenner und findet Kompromisse. Habt ihr den Kern eures Streits erst erörtert, werdet ihr danach noch viel unglaublicheren Sex miteinander haben.

Aus dem einfachen Grund, weil ihr aufeinander zugegangen seid und euch so nicht nur körperlich, sondern auch in euren Köpfen nähergekommen seid.

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