Im Mittelalter bekamen die Menschen viel mehr Kinder als heutzutage. Während sich im 21ten Jahrhundert mit 1,53 Kindern pro Frau begnügen, waren es in den letzten Jahrhunderten weitaus mehr. Genaue Zahlen aus dem Mittelalter über die Menge der Kinder zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Das Statistische Landesamt gibt aber an, dass noch bis zum späten Mittelalter jede Frau gut 20 Babys gebar. Diese starben aber häufig noch vor dem Beginn ihres zweiten Lebensjahres.

Die Menschen wurden also weitaus häufiger schwanger im Mittelalter. Und das, obwohl sie sehr wohl verhüteten. Wir wollen dir in diesem Artikel die Verhütungsmittel aus dem Mittelalter näher bringen. Im Laufe des Artikels wird dir klar werden, warum die meisten damaligen Verhütungsmittel keineswegs eine Schwangerschaft unterbunden haben. Oder aber wahrhaft gefährlich für Mutter und Kind waren.

Übrigens: Der Begriff Mittelalter bezieht sich nur auf das Europa des 6. bis 15. Jahrhunderts. Also die Zeit zwischen Antike und Renaissance. Danach begann das Spätmittelalter, das sich bis ins 17. Jahrhundert zog und bis in die Neuzeit hineinreichte.

Verhütung im Mittelalter: Die Unterschiede zu heute

Das derzeit sicherste Verhütungsmittel ist das Hormon-Implantat (ein kleiner Stab, den man sich in den Oberarm implantieren lässt) mit einem Pearl-Index von 0 bis 0,08. Recht unsicher ist dagegen das Kondom mit einem Pearl Index von 1 bis 3.

Was ist nochmal der Pearl Index? Der Pearl Index beschreibt, wie viel Frauen von 1.000 über einen Zeitraum von einem Jahr während der Nutzung dieses Verhütungsmittels schwanger geworden sind. So bedeutet ein Pearl Index von 0,1, dass eine von 1.000 Frauen in einem Jahr schwanger geworden ist.

Dass die Verhütungsmethoden so sicher geworden sind, ist der Grund dafür, warum wir heute 1,53 Kinder bekommen, während es im Mittelalter noch über 20 waren.

Im Mittelalter gab es auch schon Drogen. Foto: gettyimages/ mikroman6

Das Mittelalter und der Hass auf Sex

Der Beischlaf sollte damals eigentlich nur zu Fortpflanzungszwecken vollführt werden. Alles andere war gotteslästerlich und galt als Prostitution. Die Menschen hatten damals aber einen ganz ähnlichen Sextrieb wie wir heutzutage, wobei dieser den Männern noch eher gestattet war als den Frauen.

Ginge es nach der Kirche, dann hätten Mann und Frau (alles andere war sowieso Gotteslästerung) im Mittelalter nur zusammen gelegen, um Kinder zu zeugen. Doch die Menschen fanden gefallen am Koitus und hatten ihn (oh Schreck) auch zum Vergnügen. Damit dieser Akt keine ungewollten Früchte mit sich trug, mussten die Menschen im Mittelalter mit ihrer Verhütung einfallsreich sein.

Warum war Sex im Mittelalter eigentlich so verboten? Das lag zum allergrößten Teil an der herrschenden Religion des Christentums, das den Hass gegen den eigenen Körper und seine Sexualität schürte. Warum die alten Christen so vehement gegen Sex waren, erfährst du hier.

Verhütung im Mittelalter: Darum war es verboten

Diese nahmen es nicht einfach so hin, jedes Mal nach dem Sex schwanger werden zu müssen. Insbesondere, weil damals leider Vergewaltigungen zum Alltag vieler Frauen gehörten. So dachten sich Frauen wie Männer gleichermaßen ein paar Kniffe aus, wie sie eine Schwangerschaft umgehen könnten. Spoiler: Nicht alle waren erfolgreich.

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Das waren die Verhütungsmethoden im Mittelalter.(Photo: imago images/KHARBINE-TAPABOR)

1. Verhütungsmethode im Mittelalter: Coitus interruptus

Coitus interruptus war die einzige Verhütungsmethode im Mittelalter, die komplett umsonst und von jedem durchzuführen war. Beim Coitus interruptus zieht der Mann, kurz bevor es zum Samenerguss kommt, seinen Penis aus ihr heraus. Dass auch schon zuvor Lusttropfen austreten kann und diese Methode generell sehr unsicher ist, war den Menschen damals noch nicht bewusst.

Heute ist es eine Form der Verhütung, die weitestgehend belächelt wird. Besonders beliebt war diese Methode bei Prostituierten und bei Paaren, die sehr arm waren und sich keine weiteren Kinder leisten konnten.

2. Verhütungsmethode im Mittelalter: Abtreibung mit allen Mitteln

Grausam, schmerzhaft, unmenschlich, aber teils effizient: Kräuterfrauen, Hebammen und Quacksalber waren teilweise dafür zuständig, eine ungewollte Schwangerschaft abzubrechen. Dafür nutzten sie unter anderem Pflanzen und Kräuter, die die Frauen essen mussten oder die Vagina eingerieben wurden.

Brutalere Methoden beinhalten Dinge wie Aderlass, lange Sitzbäder, Abführ- und Fastenkuren. Auch exzessives Sporttreiben gehörte zu den Methoden, um Schwangerschaften zu beenden. Am schlimmsten aber waren mechanische Eingriffe mit echten Mordwerkzeugen. Diese funktionierten häufig, aber brachten die Schwangere dabei um.

Kondom, Gurke, Sex
Ein Kondom zu tragen hat beim Analsex einige Vorteile.

3. Verhütungsmethode im Mittelalter: Kondom

Die ersten Kondome gab es wohl schon in der Antike. Sie bestanden damals aus Schafsdärmen mit einer Schleife zum Verschnüren am Schaft. Im Mittelalter und besonders danach wurden Kondome meist aus Sack- oder Leinenstoffen gefertigt, auch Leder kam zum Einsatz. Im 18. Jahrhundert sollen Kondome schon von dem Frauenversteher Casanova genutzt worden sein.

Casanova soll Kondome aber nicht für die Empfängnisverhütung genutzt haben, sondern gegen die gefürchtete Geschlechtskrankheit Siphilis. Das 18. und 19. Jahrhundert war generell eine schlechte Zeit, um Sex zu haben. Die Sextipps, die damals an Frauen gegeben wurden, sind heute einfach nur noch zum Fürchten. Welche Sextipps am gruseligsten waren, zeigen wir dir hier.

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Schon sehr früh wussten die Frauen, wie sie sich mit Kräutern und Salben gegen Schwangerschaft schützen konnten.(Photo: imago stock&people)

4. Verhütungsmethode im Mittelalter: Vagina & Vulva vorbereiten

Eine andere gängige Methode war es, die Vagina für die Empfängnis der Samen vorzubereiten, sodass sie diese direkt abstieß. Dabei halfen Kräutertinkturen, die die Frauen sich vor dem Sex zwischen die Beine schmierten. 

Kräuterfrauen und Hebammen hatten damals wohl ein weitreichendes Wissen über genau solche Mixturen. Das ging aber über die Zeit leider verloren, da die Frauen es nicht aufschrieben, sondern mündlich weitergaben.

5. Verhütungsmethode im Mittelalter: Analsex

Keine Verhütungsmethode im eigentlichen Sinne, aber Analsex soll eine gängige Möglichkeit gewesen sein, um Schwangerschaft zu vermeiden. Allerdings war sie so verboten wie sonst fast nichts. Analsex galt als unnatürlich und sündig. Missachter:innen drohte Kerker oder sogar die Todesstrafe.

6. Verhütungsmethode im Mittelalter: Der Keuschheitsgürtel

Um jeglicher Art von Sex von vornherein entgegenzuwirken, soll der Keuschheitsgürtel angeblich das Mittel zum Zweck gewesen sein. Dieser Gurt wurde der Frau angelegt, um sie und den Mann vom Sex abzuhalten.

Oder doch nicht? Man ist sich heute nicht ganz sicher, ob der Keuschheitsgürtel nicht vielleicht doch eines der ersten Sexspielzeuge des Mittelalters war.

Übrigens: Das Yoni Ei soll angeblich tatsächlich das erste Spielzeug für die Frau gewesen sein. Wie es funktioniert, erfährst du hier.

7. Kindsmord statt Verhütung

Bevor die Menschen überhaupt an Verhütung oder Abtreibung dachten, war es typisch, dass Kind zu bekommen und sterben zu lassen. Insbesondere in den Anfängen des Mittelalters war diese Methode beliebt, während zum Ende Verhütung oder Abtreibung gängiger waren.

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Wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass Sex heute anders praktiziert wird als damals.(Photo: imago stock&people)

Verhütung im Mittelalter: Grausam und wenig erfolgreich

Wenn wir heute noch die Methoden des Mittelalters hätten, wären wir in unserer Entwicklung wahrscheinlich nicht allzu weit fortgeschritten.

Am besten angesehen sind mittlerweile Verhütungsmethoden ohne Hormone, auch wenn die Pille einen erheblichen teil zur Emanzipation der Frau hat beitragen können.  

Doch heute gibt es schon die Pille für den Mann und das Kondom für die Frau. Alles ist möglich!