Auf das Mittelalter schauen wir heute als eine düstere und ungemütliche Zeit zurück. Es war immer kalt und ziemlich brutal. Und dazu war das Leben auch noch wahnsinnig langsam und langweilig. Ganze 11 Jahrhunderte lang (vom 6. bis zum 15. Jahrhundert) entwickelte die Welt sich nach heutigen Maßstäben nicht wirklich weiter. Die größten Erfindungen waren damals Dinge wie die eiserne Jungfrau oder auch der Keuschheitsgürtel. Super. Ganz toll. (IRONIE)

So schlecht doch das Bild über das Leben im Mittelalter ist, hat das Essen im Mittelalter einen durchaus positiven Ruf. Warum eigentlich? Wir klären, was es damals typischerweise zu essen gab und warum wir das heute nicht mehr vertragen würden.

Essen im Mittelalter Credit: IMAGO / Leemage

So lecker wirkt das Essen im Mittelalter

Wenn wir an mittelalterliche Dinnerpartys denken, dann denken wir meist an fette Würstchen, die am Spieß gebraten werden. Wir denken an sämige Kartoffeln und hochprozentige Weinkrüge. Mir läuft das Wasser im Munde zusammen. Vielleicht auch, weil Serien wie Game Of Thrones und Der Herr der Rinde einfach zu sehr geprägt haben. Das sind aber eben nur Fantasiegeschichten. Was damals wirklich gegessen wurde und was nur Mythos ist, erfahrt ihr hier.

Wichtig ist vor allem, dass im Mittelalter natürlich nicht durchgehend gleich gegessen wurde, denn diese Epoche war durchaus lang. Je nach Region unterschieden sich die Essgewohnheiten zudem auch noch. 

Daher wissen wir heute, was im Mittelalter gegessen wurde

Natürlich können wir heute nicht die Speisekarten der damaligen Wirtshäuser untersuchen, um die Essgewohnheiten aus dem Mittelalter zu studieren. Stattdessen untersuchen Forscher von heute das, was von Mensch und Tier noch übrig ist. Die sogenannte Latrinenforschung analysiert öffentliche Toiletten von damals (KEIN WITZ) und Ausgrabungen von Mensch und Tier.

Das gab es im Mittelalter wirklich zu essen

Was gab es denn nun auf den Tischen der Menschen des Mittelalters? Vorneweg: meist nicht viel. Es gab riesige Unterschiede zwischen der Bauernschicht und den höheren Schichten. Die einen hatten wenig, die anderen hatten viel. Allerdings waren alle absolut abhängig von der Ernte des Jahres.

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Die Pferdebohne kennt heute fast niemand mehr.(Photo: imago images/Shotshop)

Mythos 1: Im Mittelalter wurde vor allem Gemüse gegessen

Nope. Gemüse gab es für die Bauern im Mittelalter fast gar nicht. Viele Gemüsearten brauchen nämlich beständiges und vor allem warmes Wetter. Damit können wir aber hierzulande nicht das ganze Jahr über dienen. Lediglich Erbsen und die Pferdebohne ernteten die Menschen im Mittelalter öfter von den Feldern. Sonderlich gesund war das Essen im Mittelalter also wohl nicht.

Mythos 2: Das Brot im Mittelalter sah ähnlich aus wie das heutige

Auch nicht. Oft haben wir die romantisierende Vorstellung vom Essen im Mittelalter, dass Brot mit Butter ähnlich köstlich aussah wie das heutige. Naja, fast. Damals mussten die Menschen nämlich ohne Hefe oder Backpulver auskommen. Die Menschen im Mittelalter haben sich also von brotartigen Fladen ernährt, die im Ofen nicht hochbackten.

Mythos 3: Heute können wir uns genauso ernähren wie damals

FAAAALSCH. Der menschliche Körper hat sich in den letzten Jahrtausenden oft verändert und sich den Gegebenheiten angepasst. Heute können beispielsweise die meisten Menschen Milch vertragen, während das in der Steinzeit für Erwachsene vollkommen unverträglich war. Auch im frühen Mittelalter war es noch nicht selbstverständlich, dass Menschen Laktose vertragen konnten. 

Milch Nüsse Kokosnuss
Vegane Milchalternativen hätten die Menschen im Mittelalter auch schon vertragen. doch damals war sie noch nicht erfunden.(Photo: istock.comcarlosgaw)

Andersherum ist es genau das Gleiche: Das, was damals gegessen und getrunken wurde, haben wir heute nicht mehr unbedingt auf dem Tisch. Die gemeine Pferdebohne kennt heute keiner mehr. Auch ganz normale frische Kuhmilch, die manchmal ganze 5 % Fett hat, mögen heute nur noch wenige Menschen. Wir sind so sehr an pasteurisierte Milch gewöhnt, die von einem Großteil ihres Fetts befreit wurde, dass uns frische Milch nicht mehr schmeckt.

Veganer:innen hätten wahrscheinlich noch mehr Probleme mit dieser sehr fettigen Milch. Menschen, die nicht an tierische Fette gewöhnt sind, bekommen schnell Magenverstimmungen.

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Gutes Fleisch wurde damals schon gegrillt. Nur kam es nicht bei allen an.(Photo: imago images/miroslavj9)

Mythos 4: Im Mittelalter gab es richtig gutes Fleisch

Es stimmt: Damals holten sich die Menschen ihr Eiweiß durch Fleisch. Schweine, Kühe und Hühner wurden schon damals auch für ihre Fleischerzeugnisse gezüchtet und gemästet. Die Bauern schlachteten ihre Tiere nach einer gewissen Zeit, meist landete das Fleisch aber nicht auf ihrem eigenen Teller. Oft mussten nämlich gerade die guten Teile des Fleisches an reiche Menschen auf den Märkten der größeren Städte verkauft werden. 

Übrig blieb vor allem das Fett des Fleisches, das zwar nicht besonders lecker schmeckte, aber hochkalorisch war und den Bauernkörpern genau das brachte, was sie brauchten.

Mythos 5: Das Essen im Mittelalter war einseitig

Von wegen! Die Menschen im Mittelalter konnten zwar nicht auf die gleichen Ressourcen zugreifen, wie wir es heute können. Sie konnten nicht zu Lidl, Edeka oder Kaufland gehen und sich dort für ein Festessen eindecken. Die Möglichkeiten sind also heute um einiges vielfältiger. 

Die Vielfalt des Essens macht uns dennoch faul. Viele kümmern sich nicht um die Möglichkeiten, die die Foodwelt für sie bereithält, und ernähren sich unfassbar ungesund. Wir essen viel zu viel Salz und Zucker kümmern uns dabei wenig um die Umwelt.

Es gibt Bewegungen wie die Slow Food Bewegung, die die Ernährung des Mittelalters wieder in die Köpfe der Menschen zurückkommt. Weniger zu produzieren ist dabei nur der erste Schritt.