Pflichtsex
Braucht es Pflihtsex, um eine beziehung am Laufen zu halten? Ein Für und Wider. (Photo: imago images / Westend61)

Braucht eine Beziehung Pflichtsex, um nicht auseinanderzubrechen?

Viele Langzeitpaare haben Pflichtsex, bei dem meist nur ein Partner wirklich Lust hat. Wir sehen das kritisch & zeigen dir zwei Meinungen für & wider.

Langjährige Beziehungen leben von ihren Höhen und Tiefen – und das nicht nur in Sachen Streit, sondern auch in Sachen Sex. Mal gibt es Phasen, da kann man die Finger nicht voneinander lassen, testet Neues aus und kehrt zurück zu den spontanen Sexabenteuern vom Anfang. Mal herrscht aber auch einfach Flaute im Bett.

Und dann gibt es die Situation, in der ein Partner will, der andere aber nicht so richtig Bock hat. Nichtsdestotrotz kommt es in diesen Situationen häufig zum Sex: dem sogenannten Maintenance Sex, auch Pflichtsex genannt. Meinen manche Sextherapeuten, dass diese Pflichthandlung die Beziehung retten kann, sind wir uns da nicht ganz so sicher. Zwei Meinungen für und gegen den Pflichtsex.

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In langjährigen Beziehungen & der Ehe haben nicht wenige Paare nach Kalender Sex. Macht das Sinn?(Photo: shutterstock/ Natalie magic)

Pflichtsex – Muss das sein?

Die Pflicht, Sex zu haben. Wie unsexy ist das denn? Und überhaupt grenzt der Begriff an Nötigung, sollte Sex doch eine freiwillige Angelegenheit sein! Und doch entscheiden sich viele Langzeitpaare dafür, ihr Sexleben nach Kalender zu führen – haben mit Kindern manchmal gar keine andere Wahl. Für viele ist Pflichtsex eine Art Kompromiss, den sie eingehen, um sich in die Beziehung einzubringen und die Beziehung zu halten. 

Immerhin gehört Sex für die meisten dazu und sexuelle Unlust lässt bei vielen direkt die Frage aufschrillen, ob die Beziehung jetzt überhaupt noch Bestand haben kann. Auf der anderen Seite stehen zum Glück Studien, die zeigen, dass mehr als einmal Sex pro Woche auch nicht glücklicher macht. Wie oft Sex bei den Deutschen in einer Beziehung normal ist, liest du hier. 

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Wir sind uns uneins in Sachen Pflichtsex & lassen daher einfach zwei Meinungen aus der redaktion stehen ...(Photo: shutterstock/ Dmytro Sheremeta)

Ein Für und Wider des Maintenance Sex

Beim Thema Pflichtsex scheiden sich die Geister & auch redaktionsintern lässt sich darüber diskutieren. 

Lisa, 26: „Das ist Bullshit und obendrein mental ungesund sich so unter Druck zu setzen!“

Versteht mich nicht falsch, auch ich hatte schon Sex, ohne so hundertprozentig Bock darauf zu haben. Das hatte verschiedene Gründe: Entweder wollte ich meinen Partner nicht enttäuschen oder aber, ich wusste, dass ich vielleicht nur einen kleinen Schubs brauche, um selbst in Stimmung zu kommen. Und in den meisten Fällen war es dann tatsächlich so, dass ich nach etwas Vorspiel Feuer und Flamme war und aus Pflicht pures Verlangen wurde. 

Aber halt nicht immer. Und dann liegt man da, möchte nichts vorspielen, hat aber auch nur so halb Bock und möchte das Ganze dem Partner zuliebe nicht abbrechen. Eine wirklich unangenehme Situation, die schlicht nicht sein muss. 

Daher bin ich gegen Pflichtsex. Weder mein Partner noch ich sollen das Gefühl haben, wir müssten Sex miteinander haben, weil sonst die Beziehung darunter leidet. Das ist Bullshit und obendrein mental ungesund sich so unter Druck zu setzen

Mein Plädoyer: Wem etwas fehlt in seiner Beziehung, sexuell oder emotional, der soll sich zunächst mal zusammensetzen und in Ruhe mit seinem Partner darüber sprechen. 

Und bitte: Plant euer Sexleben nicht, fasst lieber einen guten Moment ab, in dem ihr wirklich Lust habt, überrascht euren Partner nackt oder lasst euch ab und an auf die Verführungsversuche eures Partners ein. 

Wenn ihr während des Vorspiels so gar nicht in Fahrt kommt, brecht das Vorhaben ab. Es ist keine Schande mal länger keinen Sex zu haben, so lange ihr euch anders Nähe und Liebe gebt. 

Mona, 26: „Sex ist wie Pizza: Welche zu haben ist immer besser als keine zu haben. Auch wenn man gerade lieber ein Eis hätte."

Beziehungen sind scheißanstrengend. Niemand stolziert so einfach durch jahrlange glückliche Zweisamkeit hindurch, ohne zwischendurch sein Sexleben von grundauf in Frage zu stellen. 

Ein paar Minuten Vorspiel, 2, 3 Stellungen abarbeiten und dann den Kopf wieder Richtung Netflix drehen. Langeweile schleicht sich ein. Das ist ganz normal und eine Baustelle, die wir an anderer Stelle behandeln. Richtig guten Sex stelle ich mir beispielsweise vor wie in diesem Artikel beschrieben.

Das Wort Pflichtsex klingt schon so abturnent, dass man es einfach hassen muss. Die Formulierung ist schon schlecht gewählt. Denn jetzt denk doch mal nach: Jede Art von Penetration hat das Potenzial dich zum Stöhnen, zum Augenverdrehen oder sogar zum Orgasmus zu bringen. Vorausgesetzt du lässt dich auf das Spiel ein. 

Ich lasse mich unheimlich gerne zu Sex überzeugen. Das bedeutet aber auch, dass ein unmotiviertes Grunzen und Unterhoseausziehen bei weitem nicht reicht, um da unten die Wasserwerke einzuschalten. Da gehört ein wenig mehr dazu. Wenn er dazu nicht bereit ist, sich ein wenig anzustrengen, Finger und Zunge arbeiten zu lassen, dann ist sein Verlangen wohl auch nicht sonderlich groß. 

Andersherum ist es doch genauso: Ich erwarte nicht von ihm, dass er sofort rattig wird, wenn ich seine Hand zwischen meine Beine stecke. Er hat zwar das Recht auf keinen Bock, aber ich habe gleichzeitig das Recht ihn doch noch überzeugen zu wollen. Mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln.

Fazit: Jede Beziehung geht anders mit Pflichtsex um

Niemand kann sagen wie der goldene Weg beim Sex innerhalb einer Beziehung ist. Die einen brauchen mehr Sex, die anderen weniger. Die einen probieren sich durch ihre gesamte Wohnung, andere leben ihre Zweisamkeit mit ihrer ganz persönlichen Sex-Bucketlist aus. 

Statistisch ist aber erwiesen, dass ein ausgeglichenes Sexleben unfassbar wichtig für eine glückliche Beziehung ist. Dabei geht es nicht nur darum, in jeder freien Sekunde aufeinander herumzurobben, sondern sich innig mit den Berdürfnissen des Anderen auseinanderzusetzen.


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