Netflix wagt sich gerade an viele Live Action-Verfilungen unserer Lieblingscomicserien der Kindheit wie etwa mit Riverdale oder auch The Chilling Adventures of Sabrina. Und ganz in diesem Stil wollten sie auch den Winx Club wiederbeleben, der in den 2000ern zu den erfolgreichsten Kinderserien weltweit gehörte. Mit mäßigem Erfolg, wie ich nicht nur als eingefleischter Fan, sondern auch als Repräsentantin der Zielgruppe finde. Also: Was ist alles schiefgelaufen bei Netflix‘ Fate: A Winx Club Saga?

„Fate“: Eher inspiriert vom „Winx Club“

Lasst uns kurz rekapitulieren, wofür der Winx Club von Iginio Straffi stand: Es ging um 5 (später 6) Feen, die zusammen auf der Feenschule Alfea lernen, ihre Kräfte einzusetzen und das Böse zu bekämpfen, aber im harten Kern ging es um ihre Beziehungen untereinander, also um Freundschaft. 

Die Serie war deshalb so erfolgreich, weil jede der Figuren einer berühmten 2000er Ikone nachempfunden wurde, weil sie immer fashionable aussahen, alltägliche Probleme hatten, divers und futuristisch waren. Ganz zu schweigen von den Sailor Moon-Verwandlungen.

Völlig klar, dass eine „erwachsenere“ Version dieses Geschichtenstoffs weniger Glitzer, kürze Röckchen und fliegende Feen beinhaltet, aber Fate: The Winx Club Saga hat so gar nichts, was den eigentlichen Winx Club so erfolgreich gemacht hat. Und nicht nur das, sie haben auch ganz neue Probleme geschaffen. Umso trauriger, weil der Schöpfer der Winx sogar als Berater bei der Serie mitgeholfen hat. 

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So sieht die neue Winx-Serie von Netflix aus.

9 Probleme bei Netflix‘ „Winx“, die gefixt werden sollten

Alles klar, dann lasst uns doch in die Geschichte eintauchen. Damit ihr auf einem Stand seid und meine Punkte nachvollziehen könnt, hier eine kurze und ungespoilerte Zusammenfassung der Netflix-Serie: Bloom ist ein Mensch, die ihre Feenkräfte entdeckt und als Erstsemester nach Alfea kommt. Hier studieren Feen mit magischen Kräften zusammen mit den Spezialisten (Menschen mit ausgezeichneten Kampf-Skills). 

Als einziger Mensch und mit fragwürdiger Herkunft schottet sich Bloom allerdings ab und hinterfragt ihre Identität. Damit bringt sie sich und auch Alfea in Gefahr, denn eine dunkle Gestalten haben es auf die Schule abgesehen und bedrohen sie.

Die Geschichte ist also etwas düsterer, aber in der Brutalität und Schaurigkeit nicht vergleichbar mit Riverdale oder Sabrina. Liegt’s an der Feen-Thematik?

1. Der Cast oder Whitewashing

Dieses Thema könnte einen ganzen Artikel füllen (.. und das tut er auch, also klickt hier für meine ausführliche Kritik am Netflix Winx-Cast), deshalb halte ich mich hier etwas kürzer: In der originalen Serie besteht der Winx Club aus 6 Feen, die alle Popstars nachempfunden wurden und entsprechend auch ihren Ethnien. Stella, Bloom und Tecna als Abbilder von Cameron Diaz, Britney Spears und P!nk sind weiß, Musa ist Lucy Liu nachempfunden und demnach chinesisch, Layla ist nach Beyoncé gezeichnet und Schwarz, Flora ist als Abbild von J. Lo Latina. Neben dem Look und der Hautfarbe haben die Winx auch kulturelle Aspekte der Vorbilder übernommen.

Dennoch hat sich Netflix entschieden, Musa und Flora (beziehungsweise der Flora nachempfundenen Figur Terra) mit weißen Schauspielerinnen zu besetzen. Wie schon beim Colorism in Netflix‘ Bridgerton ist die Welt von Alfea eine Mischung aus weißen und Schwarzen Menschen, Asiaten fehlen komplett.

Selbst die Ausrede, dass sich Alfea in der Winx Saga in Großbritannien befindet, ist keine Entschuldigung für das Whitewashing, denn auch in der UK gibt es eine diverse Bevölkerung. Absolut unnötig, zumal auch Netflix mit der Serie ein weltweites Publikum anspricht.

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Sky will Bloom am ersten Tag helfen.

2. Wannebe-Feminismus

Schon in der ersten Folge will uns Fate the Winx Saga davon überzeugen, up to date zu sein und schmeißt it trendy Begriffen wie Mansplaining und Feminismus um sich. Allerdings völlig fehl am Platz, was uns zeigt, dass die Schreiber:innen sich mit diesen Thematiken gar nicht auseinander gesetzt haben.

  • Beispiel gefällig? Dann schaut in Folge 1, Minute 4: Bloom trifft am ersten Schultag aus Sky:
  • Bloom: Ich weiß gar nicht, was die Spezialisten sind.
  • Sky: Okay, ich würd’s dir gern-
  • Bloom: Mansplainen? Ist doch offensichtlich dein Ding?

Mansplaining ist ein Phänomen des Alltagssexismus, ABER: Nicht jeder Mann, der einer Frau etwas erklärt, mansplaint auch. Um Mansplaining handelt es sich dann, wenn Männer ungefragt mit Halbwissen um sich schmeißen in der Annahme, er wüsste mehr als die Frau. Mehr dazu in unserem Artikel über Mansplaining und hier gibt’s die dämlichsten Mansplaing-Beispiele.

Allerdings gibt Bloom direkt davor zu, keine Ahnung von der neuen Welt zu haben und Sky bietet ihr seine Hilfe an. Zwar ungefragt, aber höflich und trotzdem der Situation angemessen.

  • In einer anderen Situation nur wenige Minuten später (Folge 1, Minute 29) streitet Bloom mit ihren Eltern:
  • Bloom: Und das soll jetzt helfen, seiner Tochter so zu zeigen, dass sie keine Privatsphäre hat oder Handlungsfreiheit, oder dass sie keine Grenzen setzen darf?
  • Mom: Komm jetzt nicht mit der Feministen-Nummer. Die Mitläufer-Mutter holt gleich ihr Megafon raus mitsamt ihrer Doktorarbeit und zeigt dir, wo es langgeht.

Wirklich? Das versteht Netflix unter Feminismus? Blooms Vorwürfe hatten in keinster Weise etwas damit zu tun, dass sie wegen ihres Geschlechts anders behandelt wird (aka Sexismus gegen den Feminismus kämpft). Und eine Frau mit Dokroarbeit macht auch lange noch keine Feministin, wenn ich das hier einmal anmerken darf. Weder lustig, noch wirklich feministisch. Und dieses Phänomen zieht sich durch die ganze Serie, wenn es auch etwas besser wird zum Ende hin.

3. Wannabe-Teenager

Die Serie soll Teenager und Tweens ansprechen und versucht deshalb jung und hipp zu sein. Allerdings haben auch hier die Autor:innen wenig Ahnung und verpassen den Figuren cheesy Referenzen zu Hogwarts-Häusern, bezeichnen sich selbst als Kinder (welcher 16-Jährige macht das freiwillig) oder benutzen Begrifflichkeiten, die absolut nicht mehr genutzt werden wie Blooms Mutter, die sich als  „Mitläufer-Mutter“ bezeichnet. Hat jemand Teenager heute schon so reden gehört? Wenn, dann wäre sie ein Boomer, kein Mitläufer, schaut bitte ein bisschen Tiktok Netflix!

Fate the winx club saga cast besetzung
Fashionable sieht anders aus? Welche Epoche oder Welt soll diese Mode darstellen?(Photo: Jonathan Hession/NETFLIX © 2020)

4. Fashion-Fehlanzeige

Die Winx waren zwar nur Comicfiguren, trotzdem galten sie als absolute Fashion-Ikonen und die Zeichner:innen arbeiteten sogar mit Designern zusammen. Netflix hat bereits gezeigt, dass sie Fashionserien können wie Bridgerton zeigt. Warum also hier so kläglich vernachlässigen?

Alle Figuren tragen Klamotten, die weder das Heute widerspiegeln, noch sonst eine bestimmte Epoche. Das fällt besonders negativ auf, weil Stella als Fashionista dargestellt wird, aber unmögliche Kombinationen trägt, die in keinster Weise ihrem Alter entsprechen und eher zu einer 40-jährigen Vorstadt-Hausfrau passen.

5. Sexismus2

Ja, nicht nur ist Fate The Winx Saga nicht-feministisch, sie ist sogar sexistisch und zwei Figuren ganz besonders: Riven und Beatrix. Da sie als Antihelden eingeführt werden, ist das nicht groß verwunderlich, aber dass sie dafür in keiner Weise ermahnt oder zur Rechenschaft gezogen werden, ist eine Schande.

  • In einer anderen Situation nur wenige Minuten später (Folge 2, Minute 15) Beatrix will Riven überzeuge, ihr zu helfen:
  • Riven: Und warum sollte ich mitmachen?
  • Beatrix: Weil ich heiß bin und du ein Typ bist.

Und das lässt du Gute einfach so stehen, weil Männer für eine heiße Chic alles machen würden (Ironie!). Schlimmer wird es nur noch, weil beide als die coolen Kids der Schule gelten und für einige Figuren auch noch Vorbilder sind. Traurig.

winx club fate netflix terra und musa auf einer party
Terra ist das typische „dicke Mädchen“. Einfallslos!(Photo: Jonathan Hession/NETFLIX © 2020)

6. Wannabe-bodypositive

Der Creator Brian Young ist besonders stolz darauf ein curvy Girl (Terra) als Teil der Winx gecastet zu haben, weil er wollte, dass die Mädchenclique echte Teenager darstellt. Außer ihr ist unter dem Cast allerdings niemand mit einem curvy Körper zu finden, selbst unter Statisten sucht man lange. Eine Hauptfigur mit nicht-Hollywood-gerechtem Körper macht die Serie noch lange nicht bodypositive oder inklusiv.

Erst recht nicht, weil Terras gesamte Beweggründe und Probleme in der ersten Staffel aus Fate the Winx Saga sich fast ausschließlich um ihr Aussehen drehen. Sie empfindet sich selbst als zu dick, zu hässlich, zu seltsam, nicht liebenswert. Und so wird sie auch von fast allen behandelt. Warum muss man so ein schädliches Klischee unterstützen? Warum konnte sie keine Queen sein, die durch ihre Kräfte beeindruckt und happy mit ihrem Körper ist?

7. Homophobie

Um besonders jung zu sein, wurde ein weiterer Charakter hinzugefügt (Dane), der vermutlich homosexuell, mindestens aber bisexuell ist. Noch anstrengender als Rivens homophobe Witze ihm gegenüber (aber er hat natürlich nichts gegen Schwule) ist, dass Dane als komplett orientierungsloser Mitläufer dargestellt wird, der sich auch noch ausgerechnet an Riven ein Vorbild sucht.

Auch das unterstreicht wieder das Klischee, dass nicht-hetereosexuelle Menschen in „einer Phase sind“ und sich noch in der Welt orientieren müssen. 

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Da spricht Riven einmal die Wahrheit!

8. Toxische Menschen & Beziehungen

Ihr wisst nicht, wie eine toxische Beziehung aussieht? Dann schaut auf Stella und Sky aus Fate the Winx Saga. Hier haben wir ein Paradebeispiel an Menschen, die sich brauchen, aber gegenseitig fix und fertigmachen. Überhaupt kommt Stella in der gesamten Serie nicht gut weg und bleibt fast bis zum Schluss ein toxischer Mensch durch und durch.

Und das ist okay, wenn es eine Entwicklung gäbe! Die passiert zumindest in Staffel eins nur so halb und leider auch nicht sichtbar für die Zuschauer:innen, weshalb man sie auch hätte ganz rauslassen können.

Jonathan Hession/NETFLIX © 2020 szene mit terra und musa
Terra bringt Hash-Brownies mit auf die Party, um cool zu sein.(Photo: Jonathan Hession/NETFLIX © 2020)

9. Cool durch Drogen

Anders als in anderen Teenie-Serien gibt es bei Fate the Winx Saga wenig Sex (zum Glück), dafür allerdings Weed en masse! Da Drogen nun einmal eine typische Jugenderfahrung sind, ist das nicht verwerflich. Aber wie sie in die Story eingebaut werden, stört mich einfach:

Terra will unbedingt cool sein und bäckt daraufhin Gras-Brownies, die ihr tatsächlich für einen Augenblick Anerkennung schenken. Alle coolen Kids nehmen außerdem Drogen. Was für eine tolle Message!

Fazit: Neflix, das könnt ihr besser!

Und bevor hier Hardcore-Fans in die Tasten hauen und mir eine saftige E-Mail schreiben, möchte ich sagen: Ich mag Fate the Winx Saga trotzdem und ich werde sie auch weiterhin schauen. Allerdings sehe ich sie als eigentsändige Geschichte, die nichts mit den eigentlichen Winx zu tun hat, dann ist man weniger enttäuscht.

Wenn euch mein Artikel jetzt dazu gebracht hat, die Serie zu boykottieren, könnt ihr stattdessen diese Serien wie Bridgerton oder diese Feel-Good-Serien schauen, um wieder runterzukommen.

Oder unsere Lieblingsserien für female Empowerment!