Bridgerton auf Netflix ist zurecht ein Wahnsinnserfolg. Eine Produzentin, die es schafft, die verwinkelten Intrigen von Gossip Girl in ein romantisiertes England des frühen 19. Jahrhunderts zu werfen, ist ein wahres Genie. Shonda Rhimes heißt dieses Genie. Bekannt geworden ist die Drehbuchautorin vor allem durch die Serie Grey’s Anatomy. 

Ihr Markenzeichen: In ihren Produktionen wird immer eine sehr farbenfrohe bzw. farbenblinde Art des Castings gesetzt. Schon bei Grey’s Anatomy wurde damals sehr genau darauf geachtet, dass verschiedenste Ethnien auch in kleinen Nebenrollen vertreten sind. Generell ein wunderbarer Gedanke. Jetzt kommt aber im Netz die große Kritik an Shonda Rhimes Casting auf. Zurecht – zumindest teilweise, finde ich.

Bridgerton: Jedem fällt wohl etwas anderes auf

Die Serie lebt von ihrem farbenblinden Casting, das es in einem solchen Ausmaß noch nicht gegeben hat. Schwarze SchauspielerInnen als Queens und Dukes von England zu sehen, ist eben nicht unbedingt geschichtstreu. Bridgerton setzt also darauf, dass schauspielerisches Talent zählt und nicht die Hautfarbe der SchauspielerInnen. Eine grandiose Idee, die wohl niemand kritisieren will. Oder?

Denn viele haben sich bereits dazu ausgelassen, was im Bridgerton-Cast alles falsch läuft: 

  • Der Cast sei zu hellhäutig, was Colorism befördere. 
  • Die Tatsache, dass Schwarze Adelsrollen übernehmen, unterminiere die Vergangenheit und die Geschichte.
  • Der farbenblinde Cast täusche darüber hinweg, dass anderen Stereotypen in der Serie zu 100 % beigepflichtet wird.

Über diese (teilweise sehr verständliche) Kritik will ich mich nicht auslassen. Das würde den Rahmen sprengen.

queen bridgerton schwarz
Jap, die Queen of England in Bridgerton ist Schwarz.(Photo: imago images/ZUMA Press)

Bridgerton ist nicht farbenblind, sondern schwarz-weiß

Das Erste, was mir bei der Serie auffiel, waren nicht die starken Arme des Dukes oder die Rehaugen der kleinen Bridgerton-Lady. Durch die ersten Folgen habe ich mich durchgehend fragen müssen: Wo sind denn bitte die asiatisch, arabisch und hispanisch aussehenden SchauspielerInnen? Insgesamt gab es nach meiner persönlichen Zählung drei SchauspielerInnen mit einem solchen Background.

Wenn Shonda Rhimes wirklich farbenblind hätte casten wollen, dann wäre meiner Meinung nach ein größeres Potpourri an “Farben” wichtig gewesen. Das ist auch die Meinung der aus Japan stammenden Redaktion von Ichi.pro. 

duke von bridgerton
Bridgerton: Der Duke lässt Höschen feucht werden.(Photo: imago images/ZUMA Press)

Der Grund für mehr Schwarze & weniger Asiaten

Nach meiner Netzrecherche ist mir vor allem ein Grund für diese Auswahl des Bridgerton-Casts ins Auge gefallen. Viele sind der Meinung, dass vor allem die Sexiness der Ethnie eine Rolle spiele, ob sie gecastet wird oder nicht. 

Das ist das gleiche Prinzip wie Colorism: Es werden weniger “dunkle“ Schwarze als „helle“ Schwarze gecastet, da es wohl als schöner gilt, eine hellere schwarze Hautfarbe zu haben. Es werden gleichzeitig weniger Asiaten als Schwarze gecastet, da es wohl nicht im gleichen Maße dem Schönheitsbild entspricht. 

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Wenn Asiaten gecastet werden, dann wird man oft dem hellhäutigen Schönheitsbild der Japaner oder Koreaner gerecht, anstatt eher dunklere Hautfarben wie die der Indonesier auf die Mattscheiben der Menschen zu bringen. Etwas enttäuschend ist das meiner Meinung nach schon. 

Wie ist eure Meinung dazu? 

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