Jedes Jahr erkranken in Deutschland durchschnittlich 4.300 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Keine Seltenheit hingegen sind auftretende Krebsvorstufen, weshalb es auch so wichtig ist, dass Frauen regelmäßig zur gynäkologischen Untersuchung und Krebsvorsorge gehen. Denn bei einer frühzeitigen Behandlung bzw. Beobachtung kann einem die Vorstufe nicht gefährlich werden. Welche Möglichkeiten es gibt, Vorstufen oder Gebärmutterhalskrebs zu behandeln erkläre ich dir hier.

Disclaimer: Die Autorin dieses Artikels war selbst wegen einer hohen Gebärmutterhalskrebs-Vorstufe in Behandlung und möchte ihre Erfahrungen teilen und Ängste nehmen. Wenn du dich von dem Thema Krebserkrankung getriggert fühlst, lies diesen Artikel bitte nicht allein.

Wie Gebärmutterhalskrebs entsteht & was das Risiko einer Erkrankung steigert

Die Hauptursache von Gebär­mutter­hals­krebs sind sexuell über­tragbare humane Papillom­viren, die du wahrscheinlich unter dem Begriff HPV kennst. In den meisten Fällen heilt eine solche Infektion ohne Folgen aus. In manchen Fällen aber kann sich ein Zervix­karzi­nom entwickeln. Weitere Risiko­faktoren sind Rauchen, andere sexuell über­trag­bare Erreger wie Herpes-simplex oder Chlamy­dien, viele Geburten oder ein stark geschwächtes Immun­system. Auch wenn du schon lange die Pille nimmst, kann das dein Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, leicht steigen. Auch erbliche Faktoren sollen laut Forscher:innen eine Rolle spielen.

Noch mehr Wissen gibt’s hier: Wusstest du, dass du dich gegen HPV impfen lassen kannst? Alles Wichtige dazu liest du im Artikel „HPV Impfung ja oder nein?“

Fortgeschrittene Krebsvorstufe: Ein Erfahrungsbericht

Ich wurde als junge Frau nicht gegen HPV geimpft. Vor fünf Jahren dann stellte meine Frauenärztin das erste Mal bei der jährlichen Krebsvorsorge eine Zellveränderung bei mir fest. Deshalb an dieser Stelle noch ein Mal mein Aufruf an dich, wirklich regelmäßig zum Pap-Abstrich zu gehen.

Wieso das so wichtig ist und was ein Pap-Abstrich genau ist, erkläre ich dir im Artikel „Gebärmutterhalskrebs: Deshalb ist der Pap-Abstrich so wichtig

Wenn bei dir eine Zellveränderung festgestellt wird, heißt das erst einmal nicht viel. Denn in den meisten Fällen bildet sie sich von allein wieder zurück. Wenn nicht, so wie in meinem Fall, wirst du irgendwann eine Biopsie machen lassen. Bei mir lief das so ab:

Vorstufen & Gebärmutterhalskrebs behandeln: Die Biopsie

Ich hatte zwei Biopsien wegen meiner Zellveränderungen. Die erste war vor drei Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits weitere drei Jahre auffällige Pap-Befunde und meine Frauenärztin hat mich an die Gynäkologie eines Krankenhauses überwiesen, damit sich die Zellentwicklung genauer angeschaut werden konnte. Der Eingriff ist Routine in der Vorstufen- oder Gebärmutterhalskrebs-Behandlung und ähnelt der normalen Untersuchung beim Frauenarzt.

Du wirst dafür in den beliebten gynäkologischen Stuhl gesetzt und bekommst eine örtliche Betäubung. Dann führt der Arzt oder die Ärztin eine kleine Zange über die Scheide bis zum Gebärmutterhals ein und entnimmt ein winziges Gewebestück. Das spürst du aber kaum. Das Gewebe wird anschließend unter dem Mikroskop untersucht.

Fast die Hälfte der mittelschweren Krebsvorstufen bilden sich von allein wieder zurück.

Dr. Simone Klüber, Chefärztin Gynäkologie

Damals war die Zellveränderung noch so oberflächlich, dass man abwartete, ob sie sich doch noch von allein zurückbildet. Dr. Simone Klüber, Chefärztin der Abteilung für Gynäkologie in der Asklepios Klinik Wandsbek, erklärt dazu: „Auch eine mittelgradige Krebsvorstufe bildet sich in fast der Hälfte der Fälle von alleine zurück. Selbst eine hochgradige Krebsvorstufe kann sich in 32 % der Fälle zurückbilden. Da das Risiko einer Krebsentstehung jedoch bei über 12 % liegt, sollte sie zur Sicherheit operativ entfernt werden.“

Zwei Jahre später wurde also eine erneute Biopsie gemacht, die eine hochgradige Krebsvorstufe ergab. So wie Dr. Klüber es empfiehlt, riet mir auch meine Gynäkologin dazu, die Zellen entfernen zu lassen – und zwar zeitnah.

Frau, Gebärmutterhalskrebs behandeln
Ein unerwarteter Anruf vom Frauenarzt macht schnell Angst. Damit bist du nicht allein. Foto: IMAGO / Westend61

Anhaltende Zellveränderung: Ab wann sollte operiert werden?

Dr. Klüber erklärt das Vorgehen bei Krebsvorstufen so: „Zellveränderung ist nicht gleich Zellveränderung. Die sogenannten Krebsvorstufen (Dysplasien) am Gebärmutterhals teilen sich ein in niedrig, mittel und hochgradige Krebsvorstufen (mit der Betonung auf Vorstufe). Niedrige und mittlere Krebsvorstufen werden nur kontrolliert und gehen in den meisten Fällen von alleine zurück. Eine hochgradige Krebsvorstufe sollte hingegen operativ entfernt werden.

Die Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses dauert oft Jahre. Die Therapie ist somit kein ‚Notfall‘. Ich würde der Patientin aber immer eine zeitnahe Therapie anbieten, auf Wunsch der Patientin kann aber auch mehrere Wochen gewartet werden. Dennoch würde ich empfehlen, nicht länger als drei Monate mit einer geplanten Operation zu warten. 

Eine Ausnahme besteht, wenn diese Krebsvorstufe während einer Schwangerschaft festgestellt wird. In diesem Falle wird über die Schwangerschaft hindurch eine Kontrolle alle sechs bis acht Wochen empfohlen. Nach Beendigung der Schwangerschaft kann dann die Therapie stattfinden. Aufgrund der besonderen Immunlage im letzten Drittel einer Schwangerschaft können sich hochgradige Krebsvorstufen aber auch wieder zurückbilden.“

Es ist halb so schlimm, mach dir keine Sorgen!

Die Autorin dieses Artikels an alle, denen eine Konisation bevorsteht

Vorstufen & Gebärmutterhalskrebs behandeln: Die Konisation

Ich gebe zu, sehr glücklich war ich nicht über die anstehende Operation. Ich hatte keine Ahnung, was mich im Krankenhaus erwartet und ob ich Schmerzen haben würde. Auch dass alles in einem „Krebs“-Kontext geschah, machte mir ein mulmiges Gefühl. Wenn dir auch eine Konisation bevorsteht, kann ich dich an dieser Stelle aber beruhigen. Es ist alles halb so schlimm.

Die gängigste Art, Vorstufen oder Gebärmutterhalskrebs zu behandeln, ist die Konisation. In der Regel wird der Eingriff ambulant durchgeführt, das heißt, dass du morgens ins Krankenhaus fährst und abends wieder nachhause darfst. Die kleine Operation wird meistens unter Vollnarkose durchgeführt, dauert aber nur 15 Minuten. Mit einer Elektroschlinge, einem Laser oder Skalpell wird der „befallene“ Teil vom Gebärmutterhals kegelförmig herausgeschnitten.

Die verbreitetste Variante dabei ist die Elektroschlinge, die sehr präzise nur die veränderten Zellen heraustrennt. „Durch diese schonenden Verfahren kann unter Zuhilfenahme einer Lupenvergrößerung so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich Gewebe entfernt werden“, erklärt Dr. Klüber.

Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen lassen sich gut behandeln. Foto: IMAGO Images/ Westend61, StockTrek Images/ Giulio Ercolani, claudiodivizia und Chikovnaya via Canva.com [M]

Nach der Konisation: Was passiert jetzt?

Bei mir wurde nach der Feststellung einer hochgradigen Krebsvorstufe der Eingriff beschlossen. Zwischen Diagnose und Operation lagen circa vier Wochen. Die Konisation ist ein Routineeingriff in der Gebärmutterhalskrebs- Behandlung. Es ist also unwahrscheinlich, dass es Komplikationen gibt. Wenn du die Narkose gut vertragen hast, darfst du noch am Tag des Eingriffs nachhause. Allerdings musst du mindestens 24 Stunden betreut werden und darfst nicht auf eigene Faust nachhause gehen – du wirst noch sehr wackelig auf den Beinen sein.

In den nächsten Tagen bis Wochen wirst du, je nachdem, wie dein Körper die Narkose verarbeitet, ziemlich müde und erschöpft sein. Lass dich am besten einige Tage krankschreiben. Auch wirst du leichte Blutungen oder Ausfluss haben, die bis zu vier Wochen anhalten. Wenn sich nach drei bis vier Wochen der Schorf löst, wird die Blutung noch mal stärker. Das ist normal und kein Grund zur Sorge.

Schmerzen hatte ich so gut wie keine und sie sind wohl auch nicht üblich nach einer Konisation. Du musst dir da also keine Sorgen machen. Sport und Sex sind aber erst einmal tabu, bis die Blutungen aufgehört haben. Aber glaub mir, es wird dir nach beidem erst einmal nicht der Sinn stehen. Dich erwarten jetzt noch einige Kontrolluntersuchungen und die Besprechung der Histologie, also der Untersuchung der entnommenen Zellen. Wenn alles gut lief, bekommst du bald die freudige Nachricht, dass du nun tumorfrei bist. Danach gehst du wieder ganz normal alle sechs bis zwölf Monate zur Vorsorge.

Es ist ein Mythos, dass Frauen wegen einer Konisation unfruchtbar werden.

Dr. Klüber

Kann ich nach einer Konisation noch Kinder kriegen?

Meine größte Angst von Beginn dieser ganzen Krebsvorstufen-Odyssee war, dass das Einfluss auf meine Familienplanung haben könnte. Ich wollte lange keine Konisation, weil ich dachte, sie würde das Fehlgeburtenrisiko erhöhen. Aber auch hier kann ich Entwarnung geben! Und Dr. Klüber bestätigt, was mir im Krankenhaus versichert wurde: Eine Konisation führt nicht zu einem erhöhten Fehlgeburtenrisiko – allerdings kann es zu einer Frühgeburt kommen. Deshalb solltest du deine:n Gynäkolg:in in der Schwangerschaft unbedingt über die Konisation informieren.

gebärmutterhalskrebs behandeln
Egal, was de Befund sagt: Du bist nicht allein damit. Foto: Pexels/ Maksim Goncharenok

Wie wird Gebärmutterhalskrebs behandelt?

Vielleicht wurde bei dir nicht nur eine Krebsvorstufe festgestellt, sondern Schlimmeres. Natürlich gibt es auch Möglichkeiten, Gebärmutterhalskrebs zu behandeln: Eine Operation oder eine primäre Strahlentherapie in Kombination mit einer Chemotherapie. In frühen Stadien wird normalerweise operiert. Das läuft dann je nach Größe des Tumorgewebes wie bei der Vorstufe über eine Konisation.

Reicht das nicht aus und es besteht noch ein Kinderwunsch, kann ein ganzer Teil des Gebärmutterhalses entfernt werden. Danach ist eine Schwangerschaft noch möglich, allerdings besteht ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Nach abgeschlossener Familienplanung wird die Gebärmutter dann nachträglich entfernt, damit der Krebs nicht zurückkehren kann.

Keine Angst vorm Frauenarzt: Die Vorsorge rettet dir im Zweifel das Leben

Kaum eine Krebsart ist so frühzeitig zu erkennen und so leicht zu verhindern wie Gebärmutterhalskrebs. Wer alle halbe Jahre zur Vorsorge geht, kann das Risiko, an diesem Krebs ernsthaft zu erkranken, praktisch ausschließen. Und das ist doch etwas Wunderbares! Ich bin nun seit einem Jahr wieder vollkommen gesund und habe den Eingriff schon fast vergessen. Es gibt also nichts, wofür du Angst haben müsstest. Geh zur Vorsorge und bleib gesund!

Noch mehr zum Thema Frauengesundheit gibt es hier:
Angst vorm Frauenarzt? Warum regelmäßige Vorsorge so wichtig ist.
Und: Unsere weekly heroine Anna Wilken erzählt aus ihrem Alltag mit Endometriose.