Eigentlich hätte ich ganz gerne Kinder, aber ich habe so unglaubliche Angst vor der Schwangerschaft. Ich will das wirklich nicht, dann lieber gar keine Kids.

Ist dieser Gedanke bei dir auch allgegenwärtig? Mich überkommt er immer wieder, wenn ich an Kinder denke oder auf Nachfragen zu meiner Lebensplanung antworten muss. Ich habe unglaubliche Angst vor einem positiven Schwangerschaftstest und das, obwohl ich mir gut vorstellen könnte, Kinder zu haben. Ich liebe sie sogar.

Bisher habe ich mich mit diesem Gedanken ziemlich allein gefühlt, bis ich vor Kurzem auf den Begriff Tokophobie gestoßen bin. Und es zeigt sich: Diese Angst ist gar nicht so selten und sogar wissenschaftlich belegt:

Tokophobie aka die Angst vor der Schwangerschaft

2000 untersuchte die Psychologin Kristina Hofberg die Angst vieler nicht-schwangerer Frauen vor der Geburt und dem Schwangersein und benutzte erstmalig den Begriff Tokophobie.

Tokophobie beschreibt die unvernünftige Angst vor der Schwangerschaft und Geburt und wird auch oft obsessive Geburtsangst genannt. In der Vergangenheit wurde diese als natürliche Angst eingestuft. Inzwischen ist die Tokophobie eine psychisch anerkannte Phobie, die verschiedenste Gründe und Symptome haben kann.

Schwangerschafts-Outfits
Für Frauen mit Tokophobie sieht die Schwangerschaft keinesfalls so rosig aus. Foto: IMAGO / ingimage

Wie viele Frauen leiden unter Tokophobie?

In ihrer ersten Studie von 2000 sprach Kristina Hofberg von knapp 13 % betroffenen Frauen. Genauere Zahlen dazu gibt es nicht, weil in Folgestudien nur noch schwangere Frauen befragt wurden, nicht aber die, die wegen ihrer Angst gar nicht schwanger werden würden.

Spätere Studien gaben an, dass knapp 80 % der Schwangeren Angst vor der Geburt hätten, davon 20 % intensive Angst und 6 bis 10 % pathologische Angst. Der Bund deutscher Hebammen spricht ebenfalls 20 % Schwangeren mit großer Angst und 6 % an Schwangeren, deren Angst die Schwangerschaft maßgeblich beeinträchtigen würde. Die Zahlen sind also vermutlich gr0ßer als 6 %.

Arten von Tokophobie & ihre Ursachen

Dass jede schwangere Frau nicht ganz ohne Angst in die Geburt geht, ist völlig klar. Doch nicht alle Frauen würden deshalb ihren Kinderwunsch an den Nagel hängen. Für Frauen mit Tokophobie ist das hingegen oft der einzige Ausweg, trotz Kinderwunsch.

Eingestuft wird sie in zwei Formen: Die primäre und sekundäre Tokophobie. Erstere entwickelt sich mit dem Erwachsenwerden und sorgt dafür, dass betroffene Frauen gar keine Kinder bekommen möchten. Die sekundäre Tokophobie betrifft Frauen, die bereits ein Kind bekommen haben und durch traumatische Ereignisse während Geburt und Schwangerschaft ausgelöst wurde.

Welche Gründe gibt es für die primäre Geburtsangst?

Anders als bei der sekundären Tokophobie, die auf schlechten Erfahrungen basiert und ist die primäre Tokophobie nicht wirklich nachvollziehbar.

Laut Psychologen gibt es verschiedene Faktoren, die die Angst begünstigen können wie etwa ein schlechtes Bildungsniveau, kein soziales Netz oder eine unbefriedigende Partnerschaft, negative Berichterstattung in den Medien, Horrorgeschichten von Bekannten und in den sozialen Netzwerken, sexueller Missbrauch, Versagensängste oder Depressionen.

Die Angstmotive sind dabei vielfältig wie die Angst bei der Geburt zu sterben, zu große Schmerzen, zerrissen zu werden, ohne Ärzte gebären zu müssen, Gefährdung des Kindes, Verlust der Privatsphäre, Kontrolle über die Geburt und den eigenen Körper zu verlieren, die Angst ein Lebewesen in sich zu tragen und viele mehr.

Welche Gründe gibt es für die sekundäre Geburtsangst?

Die sekundäre Tokophobie hingegen ist nachvollziehbarer für Außenstehende, denn hier ist ein Traumata verantwortlich, wie:

  • Fehl- und Totgeburten
  • Schwangerschaftsabbrüche
  • medizinisch „normale“ Geburten, die als traumatisch empfunden wurden
  • traumatische Erlebnisse bei der Geburt
  • postnatale Depression ( wird auch als 3. Form der Tokophobie gelistet)

Auf der nächsten Seite lernst du mehr über die Symptome und Behandlung von Tokophobie.