Wir können viele Dinge aus der Coronapandemie über unsere Psyche lernen: Wir wissen nun, was Einsamkeit ist und wie wir uns in Notsituationen verhalten. Unsere Arbeitsmoral und unsere Freundschaften in den letzten Monaten sind immer wieder auf die Probe gestellt worden. Teilweise hat sich sogar unser Umfeld stark verändert: Wir wissen, wer aus unserem Umfeld eher höflich und wer eher unhöflich ist. Genau da will Elon Musk und sein Aufruf zur Unhöflichkeit ansetzen. Seiner Meinung nach sollten sich vor allem Frauen hin und wieder die Dreistigkeit herausnehmen, Unhöflichkeit zu versprühen.

Höflich oder unhöflich: Was bedeutet das überhaupt?

Diejenigen, die im Homeoffice sitzen, mussten sich an eine komplett neue Meeting- und Gesprächskultur gewöhnen. Wir haben unsere Chef:innen beim Wäscheaufhängen in der Kaffeepause ertappt und kennen nun die Kita-Probleme unserer nächsten Kolleg:innen.

Diejenigen, die (coronabedingt) ihren Job verloren haben, stehen vor der Mammutaufgabe, sich über Zoom-Meetings und mit Abstandsregeln in einem Unternehmen vorzustellen. Für viele ist das noch immer eine Neuheit.

Bewerbungsfragen von Tesla
Der Tesla-Chef Elon Musk lässt seine persönlichen Lieblings-Bewerbungsfragen einfließen. Credit: Foto: istock.com/imago images / Future Image /

Der erste Schritt in die Unhöflichkeit

Die Arbeitswelt musste sich also drastisch ändern. Laut der New York Times haben sich aber die Menschen in der Pandemie noch nicht genug verändert. Eine Leserin nahm sich in einem Leserbrief aus dem April 2021 Folgendes vor:

I am not going to try to be polite anymore. I am hopefully going to become a less behaved, less likable, ballsier, more outspoken, more dangerous woman.

Leserin der New York Times

Die Leserin spricht davon, weniger höflich sein zu wollen. Für sie bedeutet das mutiger, unbequemer, selbstbestimmter, ja sogar gefährlicher zu sein.

Unhöflich sein: Ein wahrhaft mutiges Vorhaben

Gerade für Frauen kann das Vorhaben weniger höflich zu sein zur persönlichen Weiterentwicklung beitragen. Dabei darf man aber einen wichtigen Fehler nicht eingehen: Höflichkeit darf nicht mit Freundlichkeit verwechselt werden.

Auch Elon Musk, Teslachef und zweitreichster Mann auf der Welt, ruft dazu auf, die Wörter „rude“, „kind“ und „polite“ zu definieren. Denn seiner Meinung nach könne man niemals zu freundlich, aber auf jeden Fall zu höflich sein.

Ein Beispiel für unangebrachte Höflichkeit von Tesla-Chef Elon Musk:

Walk out of a meeting or drop off a call as soon as it’s obvious you aren’t adding value. It’s not rude to leave; it’s rude to make someone stay and waste their time.

Elon Musk

Elon Musk erklärt, dass er seinen Mitarbeiter:innen niemals ihre Zeit stehlen würde, wenn dies nicht nötig ist. In Zoom-Meetings verabschiedet er sich also sobald er sich sicher ist, nichts Produktives mehr zum Meeting beitragen zu können.

Elon Musk
Elon Musk definiert mal eben Höflichkeit neu. Credit: Foto: imago images / Christian Spicker [M] /

Neu definiert: Rude & polite

Rudeness und politeness haben dadurch in der Arbeitswelt eine neue Definition bekommen.

Rude, alte Definition: Andere in eine unangenehme Situation zu bringen, ist unhöflich.

Rude, neue Definition: Es ist unhöflich, anderen Menschen ihre Zeit zu stehlen, nur um höflich zu wirken, aber ohne einen Mehrwert zu bringen.

Warum sollen vor sich vor allem Frauen in Unhöflichkeit üben?

Auch der kanadische Psychologe Jordan Peterson beschäftigt sich viel mit den unterschiedlichen Verhaltensweisen von Frauen und Männern in der Arbeitswelt. Er benennt die Eigenschaft der Frauen, sich eher höflich zu geben mit „agreeableness“ (Zustimmung).

Petersen erklärt, dass Frauen eher dazu neigen, generell zustimmender zu sein als Männer. Wer zustimmender ist, der geht Konflikten und Ellenbogengesellschaften eher aus dem Weg und möchte ein angenehmes Arbeits- und Lebensklima haben.

Männern, die Petersens Meinung nach „less agreeable“ sind, kommt genau das zu Gute. Sie drücken deutlicher aus, was sie denken und was sie wollen. So kommen sie einfacher an ihr Ziel.

Warum sind eigentlich vor allem Frauen von dieser Illusion der Höflichkeit betroffen? Wir habe 5 Situationen gesammelt, die jede Frau kennt.

Das hat nichts mit Freundlichkeit zu tun!

Auch wenn Selbstbestimmung und Mut gerade bei vielen Frauen noch viel zu wenig im Arbeitsalltag integriert sind, darf diese Entwicklung nicht mit weniger Freundlichkeit verwechselt werden. Freundlichkeit und ein guter Umgang gehören immer und überall zum guten Ton. „Bitte“ und „Danke“ sollten niemals aus dem täglichen Umgang gestrichen werden.

Um selbstbestimmter zu sein, brauchen wir zunächst das richtige Selbstvertrauen. Das bekommen wir aber nur, wenn wir es auch üben. Im „Wein & Weiber“-Podcast haben wir einige Übungen für dich gesammelt.

Um Träume wahr werden zu lassen, gibt es einige Tipps und Tricks, die jede:r befolgen sollte. Wir zeigen dir, welche das sind.

Wenn du dich bei Tesla bewirbst, kannst du übrigens mit diesen Bewerbungsfragen rechnen.

Im Privatleben ist der richtige Umgang genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger. Wie du in deiner Langzeitbeziehung über Probleme sprichst.