Pünktlich kamen wir im Büro an, wünschten den anderen im Vorbeilaufen einen guten Morgen und redeten mit unseren Lieblingskolleg:innen erst einmal darüber, wie voll Bus und Bahn wieder waren, bis wir mit der eigentlichen Arbeit anfingen. Aber seit Corona ist nichts mehr so, wie es einmal war. Denn anstatt ins Büro zu fahren, arbeiten Millionen Menschen im Homeoffice.

Aber wie gut gefällt es den Deutschen eigentlich, von zuhause aus alle Aufgaben zu erledigen? Welche Vorteile bietet uns die mobile Arbeit? Welche Nachteile drohen? Und welche Homeoffice-Tipps sollten wir beherzigen, wenn die Arbeit in den eigenen vier Wänden auf die Stimmung drückt? wmn weiß Bescheid.

Wie zufrieden sind die Menschen mit der Arbeit im Homeoffice?

Tatsächlich sind die meisten von uns sehr glücklich darüber, im Homeoffice zu arbeiten. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Demnach sagen 60 Prozent, dass das Homeoffice „hilfreich“ und „nicht belastend“ sei.

Aber wieso empfinden die Deutschen die Arbeit von zuhause als Entlastung? Welche Vorteile bietet ihnen das Homeoffice? Die Antworten auf diese Fragen liefert eine Umfrage vom Digitalverband Bitkom. So soll die Arbeitszufriedenheit im Homeoffice höher sein, weil wir:

  • weniger Stress haben, da der Arbeitsweg entfällt.
  • Arbeits- und Privatleben sich besser vereinbaren lassen.
  • durch das Homeoffice zeitlich flexibler sind.
  • es manchmal dadurch schaffen, gesünder zu leben.
  • weniger von Kolleg:innen gestört werden.

Das Homeoffice ist für viele ein Luxus, an den sie sich schon gewöhnt haben und den sie nicht mehr missen wollen. Denn nach der Pandemie wollen nur wenige an fünf Tagen in der Woche wieder im Büro sitzen.

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Für viele ein Segen: Das Homeoffice Foto: imago stock&people /

Aber welche Nachteile hat die Arbeit im Homeoffice?

Aber neben all den positiven Erfahrungen hat die Arbeit im Homeoffice auch eine Schattenseite, die nicht unterschätzt werden sollte. Viele Menschen neigen im Homeoffice dazu, mehr zu arbeiten und fühlen sich dadurch erschöpft und ausgebrannt. Das zeigt eine Umfrage der Universität Koblenz.

Aber laut Bitkom fallen noch weitere Nachteile ins Gewicht:

  • Der persönliche Kontakt zu den Kolleg:innen und zum Chef fehlt.
  • Viele können keine Grenze ziehen zwischen Beruf und Privatleben, gehen selbst nach Feierabend wieder an den Laptop, schalten nicht richtig ab. Mit gravierenden Folgen!
  • Nicht alle haben zuhause die optimalen Arbeitsbedingungen, etwa weil sie Kinder haben, die es unmöglich machen, konzentriert zu arbeiten oder weil die Technik zuhause schlechter ist.
  • Das Gefühl, zuhause nicht mehr alle Informationen und Entwicklungen in der Firma mitzubekommen, nagt ebenfalls an vielen Arbeitnehmer:innen.
  • Der persönliche Kontakt fehlt, wodurch das Konfliktpotenzial steigen kann.
Job Home Office Laptop Wohnzimmer
Gönn dir ab und zu mal eine Pause. Credit: getty images/Drazen_

„Eine der größten Herausforderungen für die Arbeit im Homeoffice ist die Abgrenzung von Beruflichem und Privatem“, weiß Achim Berg, der Bitkom-Präsident. Denn schließlich haben viele den Weg zum Büro genutzt, um sich auf die Arbeit einzustimmen. Manche Eltern haben die Zeit genutzt, um wenigstens ein paar Minuten am Tag für sich selbst zu haben. Andere haben auf dem Arbeitsweg ihre Gedanken gesammelt oder motivierende Podcasts gehört. Aber auch der Feierabend wurde ganz klar eingeläutet, wenn wir unsere Computer heruntergefahren, allen Kolleg:innen einen schönen Abend gewünscht haben und raus aus dem Büro gegangen sind und die frische Luft auf der Straße eingeatmet haben. Doch im Homeoffice verschwimmen die Grenzen zunehmend, weil der Laptop doch länger offenbleibt als gedacht und auch nach Feierabend immer wieder die E-Mails gecheckt werden.

Bevor es mit den Homeoiffice-Tipps losgeht, haben wir noch einen spannenden Fact: Mit dem Rückzug aus dem Büro könnten auch hohe wirtschaftliche Schäden einhergehen, wie eine Studie von Price Water Coopers in Großbritannien zeigt. Es könnten nämlich Tausende Jobs wegfallen, die an die Arbeit im Büro gekoppelt sind. Etwa Restaurants, die den Bürohengsten ein leckeres Mittagessen angeboten haben. Oder Reinigungsfirmen, die die Büros putzen und das nicht mehr tun müssen, wenn diese leer und ungenutzt bleiben.

Stress & schlechte Stimmung im Homeoffice? Diese Tipps solltest du kennen

Wie klappt es nun aber, Arbeit und Freizeit besser voneinander zu trennen? Laut der Redakteurin Monika Fike gibt es einen einfachen Homeoffice-Tipp, der wirkt. Nämlich das sogenannte Fake-Pendeln. Und so geht es: Die Arbeitnehmer:innen sollen morgens einen kurzen Spaziergang um den Block machen oder sich einen Kaffee kaufen und so den Weg zur Arbeit imitieren.

Ein weiterer Homeoffice-Tipp, der goldwert ist: ab und zu das Handy und den Laptop zur Seite legen. Denn die Technik kann uns die Laune vermiesen, wie der Psychologe Gregory Jantz gegenüber Forbes erklärt: „So viel Zoom, soziale Medien und Technologie digitalisieren das Gehirn. Es stumpft die Emotionen ab. Man verliert die Empathie für andere, sieht nicht die Bedürfnisse anderer, sondern ist stattdessen sehr mit sich selbst beschäftigt. Diese Selbstabsorption führt zu einer Zunahme von Angstzuständen und Depressionen. Es führt auch dazu, dass die Betroffenen noch mehr Stress haben.“

video call smartphone
Wenn dir der soziale Austausch mit deinen Kolleg:innen fehlt, können Video-Calls eine vorübergehende Lösung sein. Foto: Shutterstock/insta_photos /

Aber neben dem digitalen Detox und dem Fake-Pendeln können auch weitere Homeoffice-Tipps helfen, sich wohler in den eigenen vier Wänden zu fühlen:

  • Gönn dir etwa zwei Stunden am Tag für dich. Etwa zum Lesen, Baden, Sporteln und Meditieren.
  • Malen, Häkeln, Töpfern oder Gärtnern – handwerkliche Aufgaben wirken Wunder, um Stress abzubauen. Das erklärt der Psychiater Robin Hurley von der Baylor University.
  • Du setzt dich morgens im Schlafanzug an den Laptop? Das ist keine gute Idee. Denn wenn wir uns fertig machen und in Business-Kleidung vor dem Computer sitzen, hilft uns das dabei, schneller in den Arbeitsmodus zu schalten.
  • Im Büro wünschen wir unseren Kolleg:innen einen „guten Morgen“ oder einen „schönen Feierabend“ und melden uns damit zur Arbeit an und ab. Das können wir auch im Homeoffice fortführen, indem wir den Mitarbeitenden eine kurze Nachricht schreiben und so ganz deutlich kommunizieren, wann wir erreichbar sind und wann nicht.
  • Es ist verlockend, keine Pause zu machen und seine Arbeit eisern durchzuziehen. Aber irgendwann lässt die Konzentration nach und wir werden langsamer. Gönn dir deshalb genug Zeit zum durchatmen und nutze die Mittagspause für ein Homeworkout, einen Spaziergang oder gucke eine Folge deiner Lieblingsserie.
  • Es klingt esoterisch, ist aber sehr wirksam: Schreibe am Ende des Tages auf, was du alles geschafft hast und worauf du stolz bist oder was dir gut gelungen ist. Denn im Alltag vergisst man schnell mal, was man eigentlich alles so meistert. Das alles noch mal aufzuschreiben, sorgt für echte Glücksgefühle.
  • Richte dir einen festen Arbeitsplatz ein, an dem du später nicht entspannst. Die räumliche Trennung von Arbeit und Vergnügen hilft dir nämlich dabei, auch innerlich eine bessere Grenze zwischen Freizeit und Arbeit zu ziehen.

Und unser letzter Homeoffice-Tipp: Sei bitte nicht so streng mit dir selbst! Wir leben in einer außergewöhnlichen Zeit. Dass nicht alles auf Anhieb so klappt, wie wir uns das vorstellen oder wir schlechte Laune bekommen, ist ganz normal. Wir alle machen dasselbe durch, aber wir alle kommen aus dieser Sackgasse auch wieder gemeinsam raus.

Hinweis: Dieser Artikel bietet Homeoffice-Tipps und Hilfestellungen für kleine Stimmungstiefs. Aber bei ernsthaften Anzeichen für Depressionen solltest du dich an das Helios Park-Klinikum in Leipzig wenden und die überregionale Corona-Hotline „Psyche in der Krise“ anrufen. Unter der Woche erreichst du dort Pycholog:innen und Psychiater:innen von 08:00 bis 16:00 Uhr unter der 0341 864 2400.

Hilfe findest du auch bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe unter der 0800 33 44 533 (Montag, Dienstag und Donnerstag von 13:00 bis 17:00 Uhr & am Mittwoch sowie am Freitag von 08:30 bis 12:30 Uhr). Außerdem bietet die Stiftung auch das Online-Programm iFightDepression an.