In den allermeisten Fällen ist die erste große Liebe nicht die, die einen auch noch im Alter begleitet. Und das ist auch gut so – entwickeln wir uns doch erst in den Jahren der Jugend zu dem Menschen, der wir als Erwachsene sind. Einen besonderen Platz nimmt der erste Freund oder die erste Freundin aber für die meisten Menschen ein – wenn auch nur in der Erinnerung. Wir haben uns einmal angeschaut, wieso wir uns an unsere Jugendliebe besonders gut (und bestenfalls gerne) erinnern.

Paar Streit
Erinnerst du dich auch so gut an deine Jugendliebe? Foto: imago images/Addictive Stock

Das erste Mal verliebt: Die Jugendliebe ist etwas Besonderes

Wenn ich an meine erste große Liebe denke (und mit groß meine ich ganze sieben Monate Laufzeit), denke ich an einen blonden Topfschnitt, Zahnspange und Carhartt-Pullis. Ich erinnere mich daran, wie ich im Klassenzimmer hinter ihm saß und von früh bis spät auf diesen wundervollen Hinterkopf starrte. Schmetterlinge im Bauch, heimliche Zettelchen, Küsse auf dem Schulhof. Auf einmal ist alles wieder da, es fühlt sich an, als wäre ich wieder die verliebte 15-Jährige von damals.

Was ist das nur mit der Jugendliebe? Es scheint, als wäre sie in der Lage, alle Gefühle und Erinnerungen eines anderen Lebens zu bündeln und für immer zu konservieren. Wie lang oder kurz sie von Dauer war, sie bringt einen stets zuverlässig in eine Welt zurück, die man eigentlich schon längst vergessen haben müsste. Immerhin erinnere ich mich kaum an eine Geburtstagsfeier aus meiner Kindheit oder Jugend. Wohl aber an mein erstes Date. Was macht die Jugendlieben so besonders?

Du erinnerst dich an deine Jugendliebe … weil sie neu war

Einen Teil der Antwort gibt Beziehungsexpertin Adina Mahalli der Zeitschrift Freundin. Dass man sich so gut an die erste Jugendliebe erinnern kann, liege daran, dass sie eben die erste und damit etwas Neues war. Der Teil des Gehirns, der für neue Erinnerungen, Lernprozesse und Emotionen zuständig ist, speichert neue Erfahrungen besser als alltägliche Erlebnisse. Das Gefühl der Verliebtheit ist eine besonders starke Emotion, vor allem dann, wenn man das erste Mal verliebt ist.

In der Psychologie wird der Umstand, dass wir uns an erste Male besser erinnern als an alle folgenden, als Primäreffekt bezeichnet. Das betrifft nicht nur Beziehungen. Auch erste Tage in einer neuen Stadt oder in einem neuen Job bleiben meist sehr präsent in der Erinnerung. Trotzdem ist es in der Liebe doch ein klein wenig anders. Denn hier spielt nicht nur die Exklusivität des Erlebten eine Rolle, sondern auch seine emotionale Komponente.

Paar umarmt sich
Das erste Mal verliebt sein ist eine besonders intensive Erfahrung. Foto: IMAGO / Westend61

Du erinnerst dich an deine Jugendliebe … weil sie intensiv war

Bereits 1996 konnte der Neurowissenschaftler Larry Cahill feststellen, dass emotionale Erinnerungen im Gehirn anders gespeichert werden als alltägliche. Er hatte Proband:innen jeweils zwölf neutrale und emotionale Filmszenen gezeigt und währenddessen die Gehirnaktivitäten überwacht. Dabei stellte er fest, dass das Gehirn bei den emotionalen Filmszenen aktiver war als bei den neutralen.

Besonders hoch war die Hirnaktivität in der Amygdala, die zum limbischen System gehört, welcher wiederum für die Verknüpfung von Ereignissen und Emotionen zuständig ist. Drei Wochen später wurden die Teilnehmenden gefragt, an welche Szenen sie sich erinnern. Das Ergebnis: Je aktiver die Amygdala war, desto besser erinnerten sich die Proband:innen an die entsprechende Filmszene.

Die Amygdala steht in Verbindung mit dem Hippocampus. Dieser Bereich des Gehirns ist für das Erinnern zuständig. Alles, was du täglich erlebst, wird zu sogenannten episodischen Erinnerungen. Diese speichert das Gehirn dann im Hippocampus. Du siehst also: Emotionen und Gedächtnis sind sehr eng miteinander verknüpft. Das erklärt, warum dir deine erste Jugendliebe noch so präsent in der Erinnerung ist. Sie war nicht nur eine neue Erfahrung für dich, sondern auch besonders emotional und intensiv.

Frau und Mann Brück Lachen Liebe
Dank deiner Jugendliebe weißt du heute, was dir in einer Beziehung wichtig ist. Foto: IMAGO Images / Westend61

Du erinnerst dich an deine Jugendliebe … weil sie dich bis heute prägt

Leider erinnert sich das Gehirn nicht nur an das wohlige Gefühl des Verliebtseins. Ausgenommen den Fall, du bist bis heute mit deiner Jugendliebe zusammen, verbindest du mit ihr wahrscheinlich auch ein ganz anderes Gefühl: den ersten großen Herzschmerz. Je nachdem, wie dramatisch deine erste Trennung verlief, kann diese negative Emotion alle positiven überschatten – bis heute.

Und das kann starke Auswirkungen darauf haben, wie du seither Beziehungen führst und in Zukunft führen wirst. So wird jemand, der von seiner Jugendliebe betrogen wurde, vermutlich immer etwas mehr mit Eifersucht zu kämpfen haben als andere. Vertrauensprobleme oder Bindungsängste stehen auch oft in Zusammenhang mit negativen Erfahrungen in frühen Beziehungen.

In der Liebe lernen wir am meisten über uns selbst

In seinen ersten Beziehungen lernt man wahnsinnig viel – vor allem über sich selbst. Welcher Beziehungstyp bin ich? Bin ich anhänglich oder brauche ich viel Freiraum? Bin ich selbstbestimmt oder neige ich dazu, mich von meinem/ meiner Partner:in abhängig zu machen? Welche ist meine Sprache der Liebe? Das sind alles Dinge, die du dank deiner Jugendliebe heute über dich weißt und die dir helfen, den oder die Richtige für deine Zukunft auszuwählen.

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