Es ist schwer zu sagen, was schlimmer ist: in einer Beziehung mit jemanden zu sein, der Bindungsangst hat oder selbst Angst vor Verbindlichkeit haben. Für beide Fälle haben wir dir Tipps zusammengestellt, wie du mit Bindungsängsten in der Beziehung umgehen kannst.

Wie äußert sich Bindungsangst?

Erkenntnis ist immer der erste Schritt zur Besserung. Vielleicht wechselst du seit Jahren deine Partner:innen wie andere ihre Unterwäsche, weil der Jackpot einfach noch nicht dabei war. Vielleicht kriegst du eine mittelschwere Panikattacke, wenn jemand „Ich liebe dich“ zu dir sagt. Vielleicht hättest du total gern eine feste Beziehung, findest aber an jeder potenziellen Partnerschaft so viele Fehler, dass du direkt wieder Reißaus nimmst. Wenn du dich jetzt angesprochen fühlst, kommt eine Bindungsangst definitiv infrage.

Psycholog:innen und Paartherapeut:innen sehen bei Bindungsängsten oftmals auch negative Erfahrungen in der Vergangenheit als Ursache. Wurdest du schon einmal hintergangen, betrogen oder anderweitig emotional verletzt? Dann kann es gut sein, dass sich das jetzt in der Angst, dich erneut auf jemanden einzulassen, äußert. Um nicht wieder verletzt zu werden, nimmst du unbewusst eine Abwehrhaltung ein und suchst dir selbst Gründe, warum die Person nicht zu dir passt, obwohl sie vielleicht dein absoluter Traummensch wäre.

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Bindungsängste können aus alten Wunden entstehen, die du erst einmal aufarbeiten solltest. Credit: IMAGO / Addictive Stock

Was tun, wenn du selbst Bindungsangst hast?

Sobald du dir selbst eingestanden hast, dass du unter einer Bindungsangst leidest, kannst du an deinen unterbewussten und bewussten Verhaltensweisen arbeiten. Um das zu erreichen, musst du am Ursprung des Problems ansetzen. Heißt: Bevor du dich wirklich für eine neue Liebe öffnen kannst, muss das Erlebnis, das zu deiner Bindungsangst geführt hat, aufgearbeitet werden.

Es empfiehlt sich hierfür Hilfe von Expert:innen in Anspruch zu nehmen. Vor allem dann, wenn du den Auslöser deiner Bindungsangst nicht an einer konkreten Erfahrung festmachen kannst. Ein Coaching reicht da oft schon aus. Oder wenn du das Gefühl hast, dass mehr dahinter steckt, kannst du eine Gesprächstherapie machen. Diese setzt in deiner Kindheit an und hilft dir, dein eigenes Verhalten und die Gründe dafür besser zu verstehen.

5 Tipps bei Bindungsangst

Wenn du dich mit den Gründen deiner Bindungsangst auseinandergesetzt hast, gibt es noch ein paar Dinge, die du tun kannst, um nicht mehr in alte Muster zurück zu fallen:

  1. Suche dir eine:n Partner:in ohne Verlustängste. Denn diese Kombination ist leider für keinen von euch hilfreich. Du brauchst einen Menschen an deiner Seite, der einen stabilen Bindungstil hat und nicht zu viel Bestätigung und Nähe von dir einfordert.
  2. Reflektiere dein Verhalten. Wenn du merkst, dass du nur noch genervt vom anderen bist, hinterfrage, ob es wirklich an der Person liegt, oder ob du nur einen Grund suchst, warum sie nicht gut genug für dich ist. Gib dir etwas Zeit, deine Emotionen zu sortieren.
  3. Sei zuverlässig. Für Menschen mit Bindungsangst ist es sehr anstrengend, wenn der oder die Parter:in ständig Nähe und Kontakt einfordert. Wenn du präsent bleibst, gibst du dem anderen gar keinen Grund, dir hinterherzulaufen.
  4. Suche nicht nach der perfekten Partnerschaft. Perfekte Menschen gibt es nicht, deshalb kannst du dir die Mühe sparen. Konzentriere dich auf die Dinge, die du an deiner oder deinem Partner:in magst, statt auf ihre oder seine Fehler. Schreibe eine Liste, warum du dich in die Person verliebt hast und halte sie immer bereit, falls sich doch wieder Zweifel bemerkbar machen.
  5. Sei ehrlich – zu dir, aber auch ihm oder ihr gegenüber. Wenn du deine Gefühle erklärst, machst du es euch beiden leichter, mit ihnen umzugehen. Deine:r Partner:in hat so die Chance, mit dir zusammen an deiner Bindungsangst zu arbeiten. Am Ende wird euch das einander noch näher bringen.
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Wenn sich der/ die Partner:in einfach nicht festlegen will, kann das die Beziehung ganz schön ins Wanken bringen. Foto: imago images/Westend61 / Credit: imago images/Westend61 /

Was tun, wenn dein:e Partner:in Bindungsangst hat?

Es ist unschwer zu erkennen, dass man als Mensch an der Seite eines Bindungsängstlichen nicht das einfachste Beziehungsleben hat. Aber wo die Liebe hinfällt … Zunächst einmal ist es wichtig, dass du ein gewisses Maß Selbstsicherheit mitbringst. Wenn du von dir selbst weißt, dass du zu Verlustängsten und Klammern neigst, wird dir die Beziehung zu jemandem mit Bindungsängsten definitiv nicht guttun.

Denn was die Person braucht, ist Stabilität und Freiraum. Du wirst einiges an emotionalem Auf und Ab ertragen müssen und solltest bereit sein, deine:n Partner:in bei seiner oder ihrer Entwicklung zu unterstützen. Wie du das kannst, haben wir hier für dich aufgelistet.

4 Tipps für die Beziehung mit einer/m Bindungsängstlichen

  1. Sei die Motivation für Veränderung. Wenn du merkst, dass dein:e neue:r Partner:in unter Bindungsängsten leidet, könnt ihr versuchen, zusammen den Grund für die Angst zu finden. Motiviere ihn oder sie mit einem Coach oder einer oder einem Therapeut:in über die Vergangenheit zu sprechen, um das Problem in den Griff zu bekommen.
  2. Sei nicht fordernd. Wenn du zu viel erwartest, wird dein:e Partner:in früher oder später Reißaus nehmen. Bedränge ihn oder sie nicht, sondern lass die Person auf dich zukommen. Sei geduldig und gib euch Zeit, ein tiefes Vertrauen aufzubauen.
  3. Gib positive Impulse. Einem Menschen mit Bindungsangst musst du etwas öfter daran erinnern, warum er mit dir zusammen ist, als du es aus anderen Beziehungen vielleicht gewohnt bist. Denk also immer mal wieder daran, ein Kompliment zu machen und Fortschritte zu loben. Gib deine:m Partner:in das Gefühl, dass ihr zusammen alles schaffen könnt.
  4. Äußere deine Bedürfnisse ohne Vorwürfe zu machen. Vermeide einen vorwurfsvollen Ton, wenn du einem Menschen mit Bindungsangst deine Bedürfnisse in der Beziehung mitteilen möchtest. Natürlich musst du sagen dürfen, was du denkst und brauchst. Aber du solltest etwas vorsichtiger vorgehen als sonst, weil Menschen mit Bindungsangst solche Forderungen schnell als Kritik an der eigenen Person aufnehmen.
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Wenn ihr zusammenarbeitet, lässt sich eine Bindungsangst gut überwinden. Foto: imago images/Westend61 /

Glückliche Beziehung trotz Bindungsangst: Teamwork ist gefragt

Egal ob du selbst mit einer Bindungsangst zu kämpfen hast oder dich in jemanden verliebt hast, der Probleme damit hat, sich festzulegen – nur nicht die Hoffnung verlieren. Die Ursache für die Angst herauszufinden, ist bereits die halbe Miete. Wenn ihr jetzt noch als Team zusammenarbeitet, euch gegenseitig Raum lasst und geduldig seid, könnt ihr lernen, mit aufkommenden Unsicherheiten umzugehen und die Angst nach und nach zu verlieren.

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Unsere Autorin berichtet aus eigener Erfahrung, warum Beziehungen keine Glückssache, sondern Entscheidungen sind. Außerdem verrät dir unsere Check-Liste, ob deine Beziehung glücklich ist.

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