In einer Beziehung währt Ehrlichkeit am längsten. Man sollte sich alles fragen können und alles sagen können. So lautet noch immer das Klischee vieler Beziehungsberater:innen. Doch stimmt das überhaupt? Sollte man wirklich um jeden Preis ehrlich sein, oder kann man in einer Beziehung durch das Frage-und-Antwort-Spiel auch richtig was kaputtmachen?

Die amerikanische Therapeutin Sarah Jones hat Verhaltensmuster von Menschen in einer Beziehung analysiert. Sie ist sich sicher, dass es Redensarten und Fragen gibt, die Beziehungen zerstören können. Das Magazin Organisation und Zeitmanagement hat diese Überlegungen in sieben Fragen verwandelt, die man ihrer Meinung nach innerhalb einer Beziehung nicht stellen sollte. Diese Fragen findest du hier.

Disclaimer: Natürlich ist jede Beziehung individuell. Keine Beziehungstipps sind universell auf alle Beziehungen anwendbar. Bevor du die folgenden Tipps anwendest, solltest du sie auf deine eigene Beziehung abstimmen. Wenn dein:e Partner:in merkt, dass deine Mühe vor Herzen kommt, wird es euch leichter fallen, eure Probleme zu bewältigen.

„Wir passen perfekt zusammen!“ Dieser Idealisierung kann eine Beziehung nicht auf Ewig standhalten. Foto: Unsplash/Ryan Jacobson

1. Beziehungsfrage: „Warum bist du so faul/ egoistisch?“

Diese Frage ist ein persönlicher Angriff gegen deinen Partner/ deine Partnerin. Jemand, der so angesprochen wird, muss in die Verteidigung gehen. Du brichst also einen Streit vom Zaun, wo keiner sein müsste.

Stattdessen… solltest du eine Friedenserklärung, statt einer Kriegserklärung machen. Sollte dein Partner / deine Partnerin sich derzeit faul und deiner Meinung nach falsch verhalten, musst du dir das nicht bieten lassen.

Doch wahrscheinlich ist es ein wunder Punkt zwischen euch und sollte auch so behandelt werden. Erkläre deinem Partner/ deiner Partnerin, was das Verhalten in dir auslöst. Einige Beispiele:

  • „Ich fühle mich von dir vernachlässigt.“
  • „Ich brauche deine Unterstützung, allein schaffe ich die Aufgaben im Haushalt nicht.“

2. Beziehungsfrage: „Wie wäre es, wenn du endlich …?“

Deine Frage impliziert, dass du eine positive Veränderung bei deinem Partner/deiner Partnerin bewegen willst. Das ist nachvollziehbar und löblich. Doch es könnte weniger positiv ankommen als es gemeint ist.

Stattdessen… Konzentriere dich lieber auf die positiven Seiten deines Partners/ deiner Partnerin. Auch wenn du willst, dass sich etwas an seinem oder ihrem Aussehen verändert, sind Beleidigungen not the way to go. Statt zu sagen: „Deine Frisur könntest du auch mal ändern.“ sagst du „Mit kurzen Haaren kommt dein Gesicht besser zur Geltung.“

3. Beziehungsfrage: „Warum tust du nie, was ich möchte?“

Diese Frage ist ein Vorwurf und ein Ausdruck der Hoffnungslosigkeit zugleich. Damit sagst du deinem Partner/ deiner Partnerin, dass du eigentlich schon aufgegeben hast, eure Beziehung zu retten. Das Wort „nie“ sollte laut Paartherapeut:innen vermieden werden.

Stattdessen… Keine Vorwürfe, sondern Ich-Botschaften. Biete von dir aus an, einen der Wünsche deines Partners/ deiner Partnerin zu erfüllen. Ein schöner Satz ist beispielsweise: „Womit kann ich dich heute glücklich machen?“ Das birgt keine Garantie dafür, dass der Partner/ die Partnerin versteht, was du damit sagen willst. Doch so spielst du den Ball zu ihm/ ihr. Gibt ihm/ ihr die Chance, deine Bedürfnisse zu verstehen.

4. Beziehungsfrage: „Warum regst du dich so auf?“

Diese Frage wirst du wahrscheinlich in einer Situation äußerster Emotion stellen. Wenn dein Partner/ deine Partnerin gerade in Rage ist, ist das wohl der schlechteste Zeitpunkt, den Ausbruch zu kritisieren. Der Appell „ruhiger zu werden“, hilft in dieser Situation niemandem.

Stattdessen… Nimm die Emotion deines Partners/ deiner Partnerin ernst und versuche es nachzuvollziehen, warum er oder sich so aufregt. Es ist wichtig in einer Beziehung, dass jede Emotion gehört werden kann und Raum findet.

Lesbische Beziehungen
Jede Beziehung erfordert Arbeit. Foto: Natalie_magic/Getty Images via Canva

5. Beziehungsfrage: „Du willst dich nicht etwa von mir trennen?“

Hier ist die Wortwahl sehr wichtig. In einer Beziehung, die auf wackligen Beinen steht, sollte nicht das Wort „Trennung“ oder gar „Scheidung“ fallen. Denn dann ist das Wort nicht mehr aus dem Kopf des jeweils anderen herauszubekommen. Die Situation lässt sich nur sehr schwer wieder entschärfen.

Die Therapeutin Sarah Jones weiß zudem, dass diejenige Person, die das erste Mal das Wort „Trennung“ in den Mund nimmt, die Person ist, von der die Trennung am Ende ausgeht.

Stattdessen… Die Wörter „Trennung“ und „Scheidung“ sollten Tabus sein. Nicht einmal im Scherz sollten sie genutzt werden. Anstatt über eine Trennung nachzudenken, solltest du dich bei einem Streit auf die Versöhnung konzentrieren. Je näher du geistig einem Kompromiss kommst, desto einfacher wird es euch beiden fallen, euch zu vertragen.

Diese Fragen solltest du in deiner Beziehung nicht stellen

Deine Beziehung sollte dein sicherer Hafen sein und dich nicht seelisch fertigmachen. Solltest du merken, dass du öfter unglücklich als glücklich bist, dass ihr beide nicht auf der gleichen Wellenlänge seid und euch gegenseitig runtermacht, dann könnte es an der Zeit sein, euch zu trennen.

In den meisten Fällen hat einer von euch aber einfach nur einen schlechten Tag. Gemeinsam könnt ihr gegen die schlechte Laune oder die schwierige Zeit ankämpfen.

Weitere spannende Artikel über Beziehungen