Wenn ich durch Buchläden schweife und mich durch die verschiedenen Romane stöbere, bleibe ich oft auch immer wieder in der Kinderbuchecke hängen. Viele werden sich vielleicht fragen, was eine erwachsene junge Frau in dieser Abteilung macht oder warum sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin in Tränen ausbricht, während sie gemeinsam durch ein Kinderbuch blättern.

Doch lass mich dir eins sagen: Kinderbücher sind definitiv nicht nur etwas für die Kleinen unter uns. Das Gegenteil ist eher der Fall. Denn Kinderbücher können uns auch noch als erwachsene Person einiges beibringen. Deshalb ist das #BookoftheWeek diese Woche auch ein wunderschönes Bilderbuch, welches eigentlich für Kinder angedacht ist und mich dennoch so abgeholt hat, wie kein Buch zuvor.

Darum sollten wir als Erwachsene viel mehr Kinderbücher lesen

Kinderbücher sind natürlich dazu da, um Kinder auf den ‚richtigen Pfad‘ zu führen. Sie sollen belehren und enden meist mit einem hocherhobenen Finger oder einer Moral, die die Kinder auf das harte Leben vorbereiten sollen. Und natürlich ist es deshalb umso wichtiger, seinen Kindern schon früh etwas vorzulesen und sie durch die Bücher lernen zu lassen.

Frau liest Kindern etwas vor
Kinderbücher sind wichtig für Kinder, aber auch für Erwachsene. Foto: IMAGO Images / Addictive Stock

Doch erst als Erwachsene weiß man die ‚kindlichen Weisheiten‘ erst richtig zu schätzen. Als Kind staunen wir mit großen Augen über die hübschen Bilder und die niedlichen Figuren des Buches. Als Erwachsene jedoch kann man den tiefen Sinn dieser Bücher und Geschichten noch einmal mehr wertschätzen, da gewisse Lebenserfahrungen uns schon geprägt haben und man die ‚Moral der Geschicht‘ nun auf das eigene Leben beziehen kann.

Manchmal sagen Kinder so weise Dinge, dass ich mich wundere, ob nicht eine alte Seele in diesen kleinen Menschen steckt. Und genau so wirken auch Kinderbücher auf mich: Als ob diese mir tief in die Seele schauen könnten und eine ganz besonders große Portion Weisheit innehaben. Als meine Mutter mir dann zu Weihnachten ein Kinderbuch namens Das Gute Ei schenkte, flossen bei mir prompt die Tränen: Diese Geschichte traf wie die Faust aufs Auge auf mich zu.

„Das Gute Ei“ von Jory John und Pete Oswald: Ein Kinderbuch für alle People-Pleaser

Allein der Name des Buches rief schon ein Lächeln in mir hervor. Immerhin geht es hier um ein Ei mit Brille, welches auf dem Cover freundlich in die Kamera blickt. Und die Geschichte wird sicherlich nicht nur auf meine Persönlichkeit zutreffen, sondern auch auf alle Menschen, die immer zuerst an andere denken und zuletzt an sich selbst.

Das gute Ei wohnt in einem Karton mit anderen Eiern und ist immer freundlich und lieb zu seinen „Freund:innen“. Es hilft ihnen, wo es kann und ist immer für sie da – egal, ob es ihm selbst gut geht oder nicht. Es verlangt nichts für diese Hilfsbereitschaft und liebt es einfach, anderen zur Seite zu stehen. Doch eines Tages bilden sich Risse in der Schale des guten Eis. Und es ist an der Zeit, etwas zu unternehmen.

Nicht nur die süßen Illustrationen verzauberten mich. Auch die Art und Weise, wie liebevoll vom guten Ei (welches übrigens keinen richtigen Namen hat) gesprochen wird, hat mein Herz berührt. Doch das Wichtigste an diesem Buch, wie es bei vielen Kinderbüchern der Fall ist, ist die Message am Ende des Buches.

So kann dir „Das Gute Ei“ helfen, an dich selbst zu denken

Das gute Ei hat irgendwann Risse. Warum? Weil es sich zu sehr um alle anderen gekümmert und nie an sich selbst gedacht hat. Auch bei People-Pleasern (zu denen ich definitiv gehöre), die alles dafür tun, dass andere Menschen sie mögen und sich selbst dabei vergessen, geht es oft genauso wie dem guten Ei.

Doch wie bei vielen Kinderbüchern hat auch Das Gute Ei ein Happy End. Das kann allerdings nur herbeigeführt werden, nachdem das gute Ei endlich das tut, was es schon lange hätte tun sollen: Es beginnt, sich um sich selbst zu kümmern. Neben Self Care und Urlauben mit sich selbst beginnt es auch mal Nein zu sagen und hört auf sein eigenes Bauchgefühl. Und nach und nach verschwinden die Risse in der Schale des Eis – es heilt innerlich und auch äußerlich.

Frau sitzt im Wald
Manchmal muss man erst selbst heilen, um andere zu heilen. Das wissen schon Kinderbücher. Foto: IMAGO Images / Addictive Stock

Am Ende kehrt das Ei wieder zu seinen Freund:innen im Eierkarton zurück, die es schon freudig erwartet haben. Denn auch diese haben gemerkt, dass sie das gute Ei oft ausgenutzt haben und das absolut nicht okay war. Das Ende vom Lied: Die Eier leben glücklich und in einer nicht-toxischen Harmonie zusammen.

Kinderbücher können uns viel lehren

Es ist für viele Menschen nicht immer leicht, an sich selbst zu denken und auch mal Nein zu sagen. Vor allem für mich ist es unglaublich wichtig, dass es meinen Lieben gut geht – auch wenn das heißt, dass ich selbst zurückstecken muss. Doch wie man beim guten Ei sieht, führt das zu Narben, die vielleicht nicht äußerlich als Risse zu sehen sind, doch innerlich umso deutlicher zum Vorschein treten.

Doch man kann lernen, diese Narben zu heilen. Indem man an sich selbst denkt und das tut, was einem wirklich hilft. Indem man für sich selbst lebt. Indem man auch mal Nein sagt. Und indem man sich abgrenzen kann und auf sein Herz hört. Das alles bedeutet natürlich nicht, dass du nicht mehr für deine Freund:innen da sein sollst. Doch deine Lieben wollen meistens auch nur das Beste für dich und merken gar nicht, wenn es dir zu viel wird.

Setze also Grenzen, denke an dich selbst und sei nicht immer das gute Ei. Es ist auch vollkommen okay, wenn du nicht alles in Superspeed machst und dir Zeit nimmst, die Dinge gelassener anzugehen – oder eben gar nicht.

Noch mehr zum #BookoftheWeek findest du hier:

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