Wir haben mit einer Impfgegnerin darüber gesprochen, inwiefern sie die Gesellschaft spalten und welche Maßnahmen Ungeimpfte ergreifen, um am Leben teilhaben zu können.

Ungeimpfte und Geimpfte haben nur noch wenige Berührungspunkte miteinander. Sie begegnen sich nicht im Restaurants, im Kino oder auf Veranstaltungen. Die einzigen Zusammenkünfte passieren über gemeinsame Freundeskreise oder über einen gemeinsamen Arbeitsplatz. Aber auch hier wird der Kontakt immer weniger.

Viele Arbeitgebende verlangen nun, dass man geimpft ist. Viele Freundeskreise spalten sich zwischen „geimpft“ und „nicht geimpft“ auf.

In Deutschland wurden bereits 158 Millionen Impfdosen verabreicht (Stand: 17.01.2022). Gut 73 % der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Das ist eine ganze Menge. Und doch gibt es einige Menschen, die sich vehement gegen das Impfangebot der Regierung stellen. Manche nennen sie Impfgegner:innen, andere sprechen von Impfskeptiker:innen.

Seitdem die Maßnahmen für Ungeimpfte immer weiter angezogen wurden, haben Ungeimpfte Börsen und Branchenportale gegründet, auf denen sie sich verständigen und weitervermitteln. Wir schauen uns zwei dieser Börsen an: impffrei.work und animap.info.

Außerdem haben wir mit einer Ungeimpften darüber gesprochen, was diese Börsen für Ungeimpfte für sie bedeuten und inwiefern sie die Gesellschaft spalten.

Spalten Börsen für Ungeimpfte die Gesellschaft?

Es gibt viele Gründe, warum die Menschen sich nicht impfen lassen wollen. Jedoch werden nur wenige davon von der Gesellschaft und der Regierung als zulässig akzeptiert.

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht, noch nicht jedenfalls. Doch sollte Deutschland sich in den nächsten Monaten für einen ähnlichen Weg wie Österreich entscheiden, dann lässt die Impfpflicht nicht mehr lange auf sich warten.

Karl Lauterbach, der Bundesgesundheitsminister, ist sich sicher, dass eine Impfpflicht ein wichtiger Schritt ist, um die Coronapandemie einzudämmen. Er sagte im Gespräch mit der Bild am Sonntag: „Eine vollständige Impfung besteht aus drei Dosen. Vollständig Geimpfte sind gegen alle Corona-Varianten – zumindest vor schwerer Krankheit und Tod – geschützt (…) Es führt daher kein Weg an der Impfung vorbei“.

Lauterbach und den Impfbefürworter:innen ist es daran gelegen, dass das Coronavirus durch ihr eigenes Zutun nicht noch weiter verbreitet wird.

Karl Lauterbach gibt sich kämpferisch.. © imago images/Chris Emil Janßen
Karl Lauterbach gibt sich kämpferisch.. © imago images/Chris Emil Janßen

Die Ungeimpften haben ihre ganz eigenen Probleme

Und was machen die Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen? Sie haben derzeit ganz eigene Probleme und ein schweres Los: Keine Restaurantbesuche, keine Kino- oder Theatervorstellungen, viele ihrer Freund:innen wenden sich von ihnen ab und auch im Job haben sie einige Probleme.

Viele Arbeitgeber:innen bestehen auf eine vollständige Impfung bei der Einstellung. Für das Gesundheits- und Pflegepersonal in Deutschland ist bereits eine Impfpflicht ab dem 15. März beschlossen worden.

Impfgegner:innen und -skeptiker:innen müssen also kreativ werden, um weiterhin ihrem Leben und ihrer Arbeit nachzugehen. Dafür sind sogenannte „Onlinebörsen für Ungeimpfte“ entstanden, die Ungeimpfte vermitteln und einen Austausch ermöglichen.

impffrei.work: Hier gibt es Jobs für Ungeimpfte

Eine der bekanntesten Jobbörsen ist die Seite impffrei.work. Hier werden Jobs in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Ungeimpften an Ungeimpfte weitervermittelt. Die Jobbörse gibt es auch als Kanal auf Telegram.

Hier werden ganz gewöhnliche Jobs angeboten wie beispielsweise Friseur:innen, Softwareentwickelnde oder Zimmer:innen.

Ein typisches Jobangebot lautet hier:

„Hallo, ich suche einen WordPress Programmierer für einige mittlere und auch größere Projekte. Schön wäre es an einem Ort zusammen zu arbeiten. Bei mir im Büro (..) gibt es riesig viel Platz! Aber wir können uns auch via online besprechen – wie viel zu lange jetzt schon in dieser verrückten Zeit. Ich freue mich auf dich.“

Bei den Jobangeboten ist klar, dass weder Arbeitergebender, noch Arbeitnehmender geimpft ist.

Impfpflicht
Wer sich nicht impfen lassen will, hat heutzutage ein schweres Los.

Warum gibt es die Seite impffrei.work?

Impfgegner:innen riskieren mit der Entscheidung sich nicht impfen zu lassen ihren Job, so heißt es auf der Website von impffrei.work. Hier wird erklärt, dass die Mitglieder die gesundheitlichen Gefahren der Corona-Impfung erkannt hätten und sich dann dagegen entschieden haben. Impffrei.work will also den Menschen eine Chance geben, die aufgrund der Entscheidung gegen das Impfen keine Chance auf dem Jobmarkt haben.

Animap.info: Hier werden Ungeimpfte und Geimpfte zusammengeführt

Einen ähnlichen Ansatz hat das Online-Firmenverzeichnis animap.info. Laut eigener Aussage auf der Website ist Animap das „diskriminierungsfreie Branchenportal“. Hier können sich Ungeimpfte und Geimpfte zusammenschließen, sich austauschen und sogar Jobs vermitteln. Was sie alle verbindet ist, dass sie Gegner:innen der Corona-Maßnahmen der Bundesregierung sind.

So werden die 3G-Regeln hier in der Regel nicht eingehalten. Verwunderlich ist, dass hier nicht nur Freelancer:innen, sondern auch Gastronom:innen und Gesundheitspersonal ihre Dienste anbieten. Diese sind aufgrund der geltenden Gesetze eigentlich nicht dazu in der Lage dies zu tun. In den meisten Restaurants gilt die 2G-Regel, wenn nicht sogar die 2G-Plus-Regel.

Animap: Trägt das Branchenverzeichnis zur Spaltung der Gesellschaft bei?

Dazu haben wir eine bekennende Impf-Verweigerin befragt, die ihre freiberuflichen Dienste auf Animap anbietet. Wir wollten wissen: Warum braucht sie dieses Portal und trägt das nicht zu einer noch größeren Spaltung der Gesellschaft bei?

Sie sagt: „Für mich ist Animap ein Portal, das nicht zwischen Geimpften und Ungeimpften unterscheidet. Es sind erstaunlich viele Geimpfte dabei, die sich ausschließlich aufgrund des sozialen Drucks haben impfen lassen und heute die Coronamaßnahmen nicht unterstützen.“

Wenn ich jemanden von Animap treffe, dann weiß ich, dass wir uns ohne Maske, ohne Test und mit Handschlag begegnen. Wie früher eben.

Coronamaßnahmenkritikerin

wmn: „Entstehen durch diese Branchenverzeichnisse und Jobbörsen Parallelgesellschaften?

Sie antwortete: „Natürlich entstehen gerade Parallelgesellschaften. Das sind aber nicht die Branchenverzeichnisse schuld. Es gibt in Deutschland nun mal Geimpfte und Ungeimpfte.

Wenn die Geimpften sich dazu entscheiden würden, die Ungeimpften in ihrer Mitte zu akzeptieren, dann hätten wir kein Problem. Die Parallelgesellschaften entstehen ja gerade, weil wir Ungeimpfte unsere Jobs verlieren und an der Gesellschaft nicht mehr teilhaben können.“

Fazit: Was bringen Websites wie Animap und Impffrei.work?

Viele der Ungeimpften, die sich auf Animap oder Impffrei.work tummeln, wollen das Leben von vor zwei Jahren zurückhaben, als es Corona noch nicht gab. Sie wollen sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass der Status geimpft das neue Normal ist. So werden sie gerade aus der Gesellschaft ausgegrenzt und können größtenteils nicht mehr am eigentlichen Leben teilhaben.

Die meisten von uns Geimpften werden verstehen, dass sich Parallelströme in Form von Jobbörsen bilden. Denn jeder Mensch braucht beruflichen und privaten Austausch mit Gleichgesinnten. Wir müssen es nicht gutheißen, doch vielleicht brächte es uns wieder ein wenig näher zusammen, wenn wir versuchen würden, sie zu verstehen.

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