Grübeln und Dinge zerdenken, so könnte man sagen, gehört zu meinen Hobbys. Das geht so weit, dass ich mich beispielsweise nicht auf meinen Urlaub freuen kann, weil ich mich sorge, was ich bei schlechtem Wetter am Meer anstellen kann. Oder was wäre, wenn ich plötzlich krank werde?
Doch mit diesem Denken treibe ich nicht nur meinen Partner halb in den Wahnsinn, sondern betreibe vor allem eines: Selbstsabotage. Wie so oft stehe ich mir und meinem Glück selbst im Weg. Warum ich damit nicht allein bin und in welchen Situationen wir dringend aufhören sollten, uns selbst zu sabotieren, liest du hier.

Kennst du schon den Wein & Weiber Podcast vom wmn-Magazin? In dieser Folge sprechen Mona & Lisa über Narzissmus und wie man ihn erkennen kann.

Der Hang zur Grübelei & Selbstsabotage sind menschlich

Grübeln ist eine Form der Selbstsabotage und völlig menschlich – wenn auch wenig voranbringend. Zunächst einmal ist Grübeln ein positiver Versuch, etwas gegen ein unangenehmes Gefühl zu tun. Wir versuchen also zumindest gedanklich, ein Problem zu bewältigen. Grübeln schafft uns letztlich Erleichterung.

Problematisch wird es allerdings, wenn aus einem Nachdenken über etwas ein fesselndes Grübeln entsteht. Denn das bringt uns einem Ziel in der Zukunft nicht näher, sondern lässt uns oft in der Vergangenheit verweilen und im Kreis drehen. Wir beschäftigen uns mit Problemen, die wir längst nicht mehr lösen können oder wie in meinen Beispielen mit dem Wetter oder der Krankheit schlicht nicht beeinflussen können.

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Du grübelst ständig & verhedderst dich in Gedanken? Damit sabotierst du dich selbst. Credit: IMAGO/ Addictive Stock

Das Problem? Je länger wir uns solchen Grübeleien hingeben, desto eher verheddern wir uns darin. Aus solchen losen Gedanken werden dann schnell schwarze Gewitterwolken, die uns täglich begleiten – und das, obwohl das Leben es eigentlich gut zu uns meint.

Einzig wir selbst stehen uns im Weg. Statt aktiv neues Glück herbeizuführen, laufen wir lieber weiter unter der Wolke, opfern Gedanken und Kraft und bleiben passiv. Doch Grübeln ist längst nicht die einzige Situation, in der wir uns gerne mal in der Selbstsabotage üben…

In welchen Situationen wir die Selbstsabotage dringend unterlassen sollten

Tatsächlich stehen wir uns auch mit zahlreichen weiteren Eigenschaften selbst im Weg. Fünf davon habe ich hier aufgelistet…

1. Perfektionismus

Perfektionismus hat zahlreiche Ursachen und kann mitunter sogar gewinnbringend und positiv sein. Und zwar dann, wenn es sich um eine funktionale Form des Perfektionismus handelt, die uns aus Fehlern lernen lässt und schlicht den Hang bedeutet, Aufgaben gewissenhaft und möglichst gut zu absolvieren. Wer jedoch von dysfunktionalem Perfektionismus betroffen ist, betreibt Selbstsabotage.

Fehler werden an diesem Punkt verteufelt und tunlichst vermieden. So gerät man in eine Negativspirale und steht plötzlich mit sich selbst im Wettbewerb, da man sich selbst zu übertreffen versucht. Das führt allerdings zu nichts als Stress und im worst case Depressionen. Wie du Perfektionismus ablegen kannst, liest du hier.

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Perfektionismus kann viele Ursachen haben. Nicht alle sind allerdings förderlich… Credit: imago images/Westend61

2. Selbstkritik

Selbstreflexion ist das A und O, um im Leben voranzukommen und um aus bisherigen Erfahrungen zu lernen. Doch wer zu hart mit sich ins Gericht geht, steht sich oft selbst im Weg. Vor allem bei Dingen, die man nicht (mehr) ändern kann, sollte man öfter mal einen Haken dahinter machen und nach vorne gucken.

Nehmen wir unseren Körper als Beispiel. Was bringt es uns immer wieder in unsere vermeintlichen Problemzonen (welch schreckliches Wort) zu kneifen? Ganz richtig: Bis auf schlechte Laune recht wenig. Statt immer auf unsere Verluste und vermeintlichen Mängel zu zeigen, sollten wir öfter mal unsere Erfolge feiern und das hervorheben, worauf wir wirklich stolz sind.

3. Andere Probleme zu eigenen machen

Deine eigenen Probleme reichen dir noch nicht? Das kenne ich. Allerdings sehe ich es eher so. Wann immer ich mich zu sehr mit Problemen anderer beschäftige und gar versuche, diese zu lösen, versuche ich lediglich, mich von meinen eigenen Problemen abzulenken.

Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich öfter auf der Couch sitze und über dieses und jenes sinniere, was mir kürzlich eine Freundin erzählte. Doch dieser kurze Urlaub von mir selbst bringt weder mich noch meine Freundinnen voran.

Ich habe gelernt, dass ich zunächst vor meiner Tür kehren sollte, bevor ich anderen Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Was natürlich nicht heißt, dass man nicht helfen sollte, wenn man darum gebeten wird. Was uns zum nächsten Punkt bringt…

4. Keine Hilfe annehmen

Wir alle sind Meister:innen darin, Freund:innen und auch Fremden unsere Hilfe anzubieten. Du ziehst um? „Fünfter Stock, kein Fahrstuhl, Drei-Sitzer-Couch? Klar, kein Problem!“ oder „Kann ich ihnen mit dem Kinderwagen bei der 400-Meter-Treppe helfen? Gerne doch!“

Geht es allerdings darum, selbst um Hilfe zu bitten und diese anzunehmen, steht uns oft unser Stolz im Weg. Oder aber wir fürchten, die vermeintlich erwartete Gegenleistung fällt zu hoch aus. Was auch immer uns davon abhält, um Hilfe zu bitten, damit sabotieren wir uns selbst. Wie du dieser Form der Selbstsabotage entkommst und lernst, um Hilfe zu bitten, liest du hier.

Umarmung
Hilfe annehmen zeugt von Stärke und emotionaler Intelligenz. Credit: Unsplash

5. Konkurrenzdenken

Zu guter Letzt der absolute Klassiker in Sachen Selbstsabotage. Versteht mich nicht falsch: Etwas Konkurrenzdenken finde ich absolut großartig, denn es motiviert extrinsisch und hält auf Trab. Doch der Grat zwischen positivem Antrieb und toxischer Ellenbogen-Mentalität ist einer schmaler. Und einer, den zu viele überschreiten.

Letztlich führt Konkurrenzdenken dazu, dass wir uns nur selbst im Weg stehen. Denn immerzu besser als andere zu sein und gegen sie zu arbeiten, ist bei Weitem nicht so förderlich wie das Erkennen der Stärken anderer und eine gemeinsame Zusammenarbeit.

Vor allem Frauen sollten meiner Meinung nach endlich aufhören, gegeneinander zu kämpfen und öfter mal zu Punkt vier zurückkehren: Fragt euch gegenseitig, wie ihr helfen könnt und arbeitet zusammen. Ihr werdet merken, dass ihr euch allein niemals so stark fühlen werdet wie in dem Moment, in dem ihr mit anderen Frauen gemeinsame Sache macht.

Selbstsabotage muss ein Ende finden

Nun ist es an dir herauszufinden, an welchen Punkten deines Lebens du dich selbst sabotierst. Ist es auch bei dir die Grübelei oder der Perfektionismus? Diese Eigenschaften solltest du jedoch keinesfalls nur als persönliche Schwäche verstehen, sondern vor allem als Chance, über dich hinauszuwachsen. Denn wer erkennt, wo er Selbstsabotage betreibt, kann daran arbeiten.

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