Laktoseintoleranz – die meisten werden den Begriff bereits gehört haben und wissen, dass sich hinter ihm nichts anderes, als eine Milchzuckerunverträglichkeit versteckt. Ebenso werden die meisten wissen, dass Bauchschmerzen und ein aufgeblähter Bauch die häufigsten Symptome der Intoleranz sind. 

Was die Allerwenigsten wissen? Milchzucker kann bei Unverträglichkeit zu viel diffuseren Symptomen führen, die nicht immer sofort zugeordnet werden können. Lies hier, was hinter der Unverträglichkeit steckt und ob sie dem Körper nachhaltig schadet.

Laktoseintoleranz – eine Volkskrankheit? 

Geografisch gesehen sind im Norden weniger Menschen von der Milchzuckerunverträglichkeit betroffen, als im Süden. Einfach gesprochen: In Skandinavien sind weniger Menschen laktoseintolerant, als in Süditalien. In Deutschland sind immerhin ganze 20 % der Bevölkerung betroffen.

Dabei werden die primäre, sekundäre sowie die angeborene Laktoseintoleranz voneinander unterschieden. Bei der gängigen Form, der primären Intoleranz, häufen sich die Symptome im Laufe des Erwachsenenalters. Ab dem zweiten bis hoch zum 20. Lebensjahr nimmt die Toleranz bei den Betroffenen ab. Ein gänzliches Meiden von Milchprodukten ist jedoch nicht nötig, da Laktose in geringen Dosen noch verträglich ist.

Die sekundäre Form beschreibt das Auftreten der Intoleranz nach verschiedenen Krankheiten des Darms, wie beispielsweise Zöliakie oder Morbus Crohn. Die angeborene Laktoseintoleranz ist am seltensten und wird auch Alaktasie genannt.

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Nur wer über ausreichend Laktase verfügt, kann Laktose im Körper abbauen.(Photo: imago images / Westend61)

Was passiert in unserem Körper bei einer Laktoseunverträglichkeit?

Laktose kommt vor allem in Muttermilch oder in der Milch von Säugetieren (Kuh, Ziege, Schaf) vor. Sie besteht aus zwei miteinander verbundenen Zuckermolekülen, der Glukose und der Galaktase, welche aufgespalten werden müssen, um verdaut werden zu können. 

Normalerweise erledigt das Laktase-Enzym im Dünndarm diesen Job. Wer jedoch über zu wenig Laktase verfügt, kann die Laktose nicht ausreichend abbauen. Keine halbe Stunde später zeigen sich dann meist die typischen Symptome einer Laktoseintoleranz.

Häufige & oft vernachlässigte Symptome

Die Bakterien des Dickdarms vergären die Laktose, die nicht abgebaut werden kann und setzen dabei Stoffe und Gase frei. Folgende Symptome können dann in individuell starker Ausprägung auftreten:

  • Bauchschmerzen
  • Magenkrämpfe
  • Blähungen
  • Blähbauch, Völlegefühl 
  • Durchfall (durch vermehrte Wasserproduktion des Darms), schmerzhafter Stuhlgang

Neben den gängigen Symptomen, die viele schnell einordnen können und mit ihrer Ernährung in Zusammenhang bringen, können auch diffuse Allgemeinbeschwerden auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Herzklopfen
  • Muskel- und Gelenkbeschwerden

Das Problem an diesen allgemeinen Beschwerden? Sie werden selten direkt mit einer Unverträglichkeit in Zusammenhang gebracht. Wer jedoch häufig unter diesen Symptomen leidet, kann mit einem Ernährungstagebuch nachvollziehen, ob sich körperliche Beschwerden unmittelbar nach den Mahlzeiten bemerkbar machen.

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Kann eine Laktoseintoleranz zum gesundheitlichen Problem werden?(Photo: imago images/Westend61)

Ist eine Laktoseintoleranz bedenklich?

Durchfall, Krämpfe und andere Beschwerden stressen den Körper auf Dauer. Dennoch ist eine primäre Laktoseintoleranz, also eine nicht von Vorerkrankungen bedingte, nicht bedenklich. Zwar können Mangelerscheinungen auftreten, diese können durch eine ausgewogene Ernährung jedoch leicht ausgeglichen werden. Gesetz dem Fall, die Darmschleimhaut ist nicht geschädigt.

Dennoch: Eine Laktoseintoleranz sollte von einem Arzt, genau genommen einem Gastroenterologen,  abgeklärt und diagnostiziert werden. Dieser führt in der Regel einen Wasserstoffatemtest durch, nachdem ein Milchzuckergemisch getrunken wurde. Aber auch die Selbstbeobachtung nach einem Belastungsversuch ist gängige Praxis. 

Und nun? Wie lebt es sich mit einer Laktoseintoleranz?

Laktose dient als Energiespeicher- und Lieferant, außerdem unterstützt sie bei der Kalziumaufnahme. Wer hochgradig intolerant ist, also schon bei kleinsten Mengen Symptome verspürt, sollte sich daher um alternative Lebensmittel im Speiseplan bemühen: Brokkoli, Spinat, Grünkohl, Fenchel, aber auch kalziumreiches Mineralwasser sind eine ideale Ergänzung. 

Wer eine Laktoseintoleranz im Erwachsenenalter entwickelt, wird in den meisten Fällen kleine Mengen von Laktose vertragen. Pi mal Daumen sind zehn bis zwölf Gramm Laktose auf 100 Gramm gut verträglich.

Zumal es zahlreiche milchhaltige Lebensmittel gibt, die nur über ein Mindestmaß an Laktose verfügen, wie beispielsweise säuerliche Naturjoghurts oder lange gereifte Käsesorten. Die lange Fermentierung lässt die Laktose weichen, der Geschmack bleibt. 

Weicht die Laktose in manchen Produkten, wird sie vielen Fertiggerichten dagegen industriell hinzugefügt, um für eine schmackhafte Konsistenz zu sorgen. Also: Augen auf im Supermarkt. Ein Blick auf die Zutatenliste ist unumgänglich, um Krämpfe und eine gestörte Verdauung zu vermeiden. Neben Fertiggerichten, sind es oft Soßen, Backwaren, Süßigkeiten, Knabberein aber auch Fleisch und Wurst, in denen sich der Milchzucker versteckt. 

Worauf du sonst noch beim Fleischkaufen achten solltest und welche gesunden Süßigkeiten die bessere Wahl sind, liest du hier.

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Augen auf im Supermarkt: Wer an einer Laktoseunverträglichkeit leidet, sollte die Zutatenlisten studieren.(Photo: istock.com/ Yulia Lisitsa)

Mit Laktoseintoleranz lässt es sich gut leben

Hat man erst die Erkenntnis gewonnen, dass die körperlichen Beschwerden Ausdruck einer Laktoseintoleranz sind, lässt es sich problemlos weiterleben – nur eben mit weniger Milchprodukten. Jeder muss für sich herausfinden, wie viel Laktose der Körper zulässt.

Ein völliger Verzicht ist jedoch in den meisten Fällen nicht nötig. Im Zweifel können Laktasetabletten unmittelbar vor den Mahlzeiten oder aber die zahlreichen laktosefreien Produkte im Supermarkt Abhilfe schaffen – wobei selbst die eine geringe Menge an Laktose enthalten. Um den Blick auf die Zutatenliste wird man also nicht umhinkommen. 

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