Der erste Monat eines neuen Jahres bietet sich bekanntlich gut an, um endlich die bessere Version seiner selbst zu werden. Obwohl man dem ganzen instagramable Optimierungswahn durchaus kritisch gegenüber stehen kann, gibt es im Leben von vielen durchaus kleine oder große Angewohnheiten, die man gerne ändern möchte. Weil sie die eigene Gesundheit gefährden, weil sie einen ausbremsen oder weil man manchmal das Gefühl hat, dass einem alles zu viel wird. 

Deshalb haben wir uns selbst gechallenged oder mit Menschen gesprochen, die im Januar 2021 mit alten Lastern gebrochen haben. Es wurde meditiert, es wurde auf Alkohol und auch auf Cannabis verzichtet. All diese Geschichten erzählen wir euch noch. Aber heute geht es erst einmal um Folgendes: Einen Monat lang täglich auf die Matte: Was der Selbstversuch Yoga Challenge mit mir gemacht hat.

Yoga Challenge: Die Sache mit dem inneren Schweinehund

Ich habe viel vor im Jahr 2021. Ich werde eine Masterarbeit schreiben, ich werde einen Job finden und ich werde endlich ins Reine mit mir kommen. Wie? Keine Ahnung, das weiß nicht einmal meine Therapeutin. Aber man sagt ja, Yoga beruhige den Geist und stelle eine Verbindung zu sich selbst her. Das hört sich nach etwas an, das ich in meiner Welt voller Abgabefristen und zwanghaftem Wohnungsaufräumen gut gebrauchen kann. 

Yoga ist nichts gänzlich Neues für mich. Vor Corona habe ich immer mal wieder einen Kurs besucht – mal mehr, mal weniger regelmäßig. Eigentlich hat es mir immer Spaß gemacht, aber das lag hauptsächlich an der Dynamik im Raum, an den anderen Teilnehmenden und an der hübschen Einrichtung Berliner Yoga Studios. Zuhause, allein vor dem Fernseher Yoga machen? Dazu konnte ich mich vor diesem Januar nur selten durchringen. Mady Morrison, die Yoga-Youtube-Lehrerin mit der angenehmsten Stimme der Welt (es gibt natürlich noch ganz viele andere Yoga-Youtuber:innen), war es, die mich dazu motivieren konnte, an ihrer 30 Tage Yoga Challenge teilzunehmen. Wenn ich danach aussehe wie sie, dachte ich mir, dann gerne doch!

Frau, Matte, Yoga
Yoga verbindet Bewegung, Atem und Meditation.(Photo: The Good Brigade/gettyimages)

Yoga Challenge: Und täglich grüßt die Yogamatte

Ich war mir eigentlich von Beginn an sicher, dass ich die Yoga Challenge durchziehen würde. Was angefangen wird, wird auch beendet, alles andere frustriert mich. Und man muss sagen, dass es Mady einem auch nicht extra schwer gemacht hat. Viele der täglichen Sequenzen dauerten nur 20 Minuten und angenehme Drehungen und Stretches standen öfter auf dem Plan als schweißtreibende Asanas. Das war gut so, denn es sollte hier ja nicht ums Abnehmen gehen, sondern darum, innere Ruhe und ein besseres Körpergefühl zu finden. 

Ich habe schnell begonnen, mich auf die täglichen Sessions während der Yoga Challenge zu freuen. Manche habe ich direkt nach dem Aufstehen praktiziert und mich danach tatsächlich wacher und konzentrierter gefühlt, als ich es sonst gewohnt bin. Manche habe ich mir aber auch für den Abend aufgehoben. Wichtig war aber in jedem Fall, dass eine entspannte Meditations-Playlist läuft und ein paar Kerzen angezündet sind. Und ja, ich habe kurz darüber nach gedacht, mir Räucherstäbchen zuzulegen.

Yoga Challange, Yoga, Anni
Das tägliche Yoga Setting: hier mit meinem Freund zusammen.(Photo: privat)

Atmen lernen durch die Yoga Challenge

Es hat sich viel getan in den letzten 30 Tagen. Natürlich sehe ich nach wie vor nicht aus wie Mady, sondern immer noch wie Anni (das ist schon okay so) und ich bin auch laaaange nicht so biegsam wie sie. Aber immerhin komme ich in der „ganzen Vorbeuge“ inzwischen fast mit den Fingern an den Boden und mein „dreibeiniger Hund“ sieht auch schon einigermaßen professionell aus. 

Die schönste Veränderung für mich ist aber die Atmung. Ich kann tiefer atmen, seit ich jeden Tag Yoga praktiziere. Das fällt mir ganz oft im Alltag auf. Es ist, als ob meine Lunge gewachsen wäre. Die Floskel „tief durchatmen“ hat so eine ganz neue Bedeutung für mich bekommen und es hilft mir tatsächlich in stressigen oder emotionalen Momenten, ein Mal tieeef durchzuatmen. 

Selbstachtung lernen in der Yoga Challange

Ich glaube, mir hat die Yoga Challenge auch deshalb so viel Spaß gemacht, weil Mady nicht müde wird zu erwähnen, was einem sonst viel zu selten gesagt wird: 

„Du bist genau richtig so wie du bist.
Du bist genau da, wo du sein sollst.“

Was sich erst einmal irgendwie platt anhört, hat mich zumindest nicht unberührt gelassen. Denn die ständigen (unbegründeten) Zweifel an mir, aber auch an meiner Situation, meiner Beziehung, meinem Leben, sind über die Wochen leiser geworden. 

Ich bin zufrieden, wie es ist, und ich habe das Gefühl, eine Art innere Balance gefunden zu haben. Das soll nicht heißen, dass plötzlich alles perfekt ist und ich jetzt meine Karriere als Mental Coach starten werde. Aber ich bin ruhiger geworden, weniger impulsiv und schaffe es besser, Negatives aus meinem Alltag auszuklammern. Ich denke nicht, dass ich mich ohne die Yoga Challenge und die damit einhergehende Meditation so fühlen würde.

Me Time.Yoga
Besonders motivierend sind die kleinen Fortschritte Tag für Tag.(Photo: Getty Images/ Westend61)

30 Tage Yoga Challenge: Wie geht es jetzt weiter?

Eine Yoga Challenge ist eine Yoga Challenge, weil sie einen über einen begrenzten Zeitraum herausfordert, über sich selbst hinaus zu wachsen. Das ist mir wohl gelungen und ich bin stolz auf mich, dass ich nicht ein Mal geschummelt habe. Aber wie geht es jetzt weiter?

Tatsächlich habe ich große Lust, Yoga weiterhin jeden Tag zu praktizieren. Es muss ja nicht jedes Mal das volle Programm sein. Schon 15 Minuten Dehnen vor dem Schlafengehen „zählen“ und damit bin sehr happy. Happy bin ich auch darüber, dass es mir seit der Yoga Challenge viel leichter fällt, mich bewusst und gesund zu ernähren. Ich habe keine Lust mehr auf Alkohol und fettiges Essen. Wahrscheinlich hat mir Mady neben Selbstachtung auch noch heimlich eingeflüstert, dass ich meinen Körper schätzen soll. Und genau das tu ich jetzt. Ich hoffe, dass ich am Ball bleibe. Denn so, wie ich gerade bin, mag ich mich sehr gerne.

Für die Trinkfesten unter euch haben unsere Autor:innen ein Mal Bier-Yoga ausprobiert – Viel Spaß mit dem Video.

Wenn wir dir Lust auf Yoga machen konnten, kannst du jetzt hier den Test machen, welche Yoga-Art am besten zu dir passt. Und wenn du dich erst noch herantasten willst, kannst du schon mit 5 Minuten Morning-Yoga im Bett beginnen.