Veganismus und Vegetarismus werden derzeit zu einer immer größeren Bewegung und zugleich zu einer immer größer werdenden Einnahmequelle für zahlreiche Lebensmittelmarken. So erzielt das Traditionsunternehmen Rügenwalder Mühle zum Beispiel bereits größere Einnahmen durch Veggie-Produkte als mit ihren klassischen Wurstwaren. Nicht bei allen Warengruppen ist es jedoch so leicht erkennbar, ob es sich um tierische Erzeugnisse handelt. Besonders heimtückisch sind Lebensmittel, die wir seit jeher im Glauben gewogen haben, vegan und pflanzlich zu sein. Wein zum Beispiel. In diesem Artikel verrate ich dir, was veganen Wein ausmacht und was vom Tier im herkömmlichen Wein landet.

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Ist nicht jeder Wein ein veganer Wein?

Waren Vegetarismus und Veganismus vor zehn Jahren noch die große Ausnahme, scheint sich heute ein regelrechter Trend zur rein pflanzlichen Ernährung zu zeigen. Veggie oder vegan sein ist en vogue – und das nicht nur der eigenen Gesundheit wegen, sondern vor allem den Tieren und der Umwelt zuliebe.

Gerade wer neu auf dem Gebiet der fleisch- und tierfreien Ernährung ist, dem fällt es meist gar nicht so leicht, die richtigen Lebensmittel einzukaufen. Daher gibt es längst Apps, die beim veganen Einkaufen unterstützen wollen. Richtig tricky wird’s allerdings am Getränkeregal. Denn viele gehen davon aus, dass Getränke keine tierischen Erzeugnisse enthalten. Das beste Beispiel: Wein.

Viele meinen, hier wären nur Trauben enthalten. Doch das ist weit gefehlt. Zwar ist die Grundlage des Weins die Frucht, doch im traditionellen Herstellungsprozess kommen häufig tierische Produkte zum Einsatz und die finden sich dann auch im Wein – wenn auch nur in Teilen.

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Wein ist nicht gleich Wein. Denn bei der Herstellung wird gerne auf tierische Produkte zur Schönung gesetzt. Credit: IMAGO / Westend61

Die Herstellung von (veganem) Wein

Dass aus den veganen Trauben ein nicht-veganer Wein wird, beginnt oft schon damit, dass zur Gärung Hefen (also Pilze) eingesetzt werden. Weiter werden in der Klärung bzw. in der Schönung des Weins tierische Produkte genutzt, um Schwebstoffe, die bei der Gärung entstehen, aus dem Wein zu filtern. Denn mechanische Prozesse reichen dafür häufig nicht aus bzw. nehmen mehr Zeit in Anspruch. Folgende Produkte werden daher traditionell zur Klärung des Weins genutzt: Albumin, Kasein, Schwimmblasen von Fischen oder Gelatine vom Schwein.

1. Die Weinherstellung mit Kasein

Kasein wird aus frischer pasteurisierter Milch gewonnen und soll Trübungen vor allem aus Weißwein herausfiltern. Außerdem entfernt Kasein einen leichten Essigstich, da sich die Stoffe im Wein so binden und absetzen. Nachdem der Wein abgezogen wurde, landen nur Spuren davon in den abgefüllten Flaschen. Dennoch: Hier war ein tierisches Produkt im Spiel und es kann nicht mehr von veganem Wein gesprochen werden.

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Bei Rotweinen wird gerne auf die Eiklärschönung gesetzt. Hierbei wird Eiweiß im Wein untergeschlagen, um Schwebstoffe zu filtern. Credit: IMAGO / Westend61

2. Die klassische Eiklärschönung

Diese Klärmethode wird besonders gern bei Rotweinen angewandt. Hierfür werden auf etwa 100 Liter Rotwein drei Eiweiße reingeschlagen, um die Schwebstoffe zu entfernen. Ein positiver Nebeneffekt? Die Lysozyme des Eiweiß sorgen für einen Säureabbau im Wein und gestalten ihn geschmacklich milder. Negativer Nebeneffekt? Vegan ist der Wein mit dieser Schönung nicht, denn bei der Abfüllung landen auch hier Spuren in der Flasche.

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3. Gelatine und Fischblasen

Diese traditionellen Methoden der Klärung kommen heute eher selten zum Einsatz. Sie binden die großen Partikel im Wein ebenfalls und verbessern den Geschmack obendrein.

Übrigens: Die Verfahren zur Schwebstoffentfernung müssen nicht auf den Flaschen gekennzeichnet sein. Erst wenn über 0,25mg/l Kasein, Albumin und Lysozym im Wein sind, werden diese Verfahren relevant für Allergiker und müssen dann auch vermerkt werden. Gleiches gilt für die Angabe von Sulfiten im Wein.

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Wann ist ein Wein also wirklich vegan?

Gibt es denn Alternativen zur Schönung, um veganen Wein herzustellen? Natürlich. Hierbei kommen vor allem Stoffe wie Bentonit (vor allem bei Weißwein), nicht-organische Gelatine oder Aktivkohle zum Einsatz. Andere Winzer:innen experimentieren bei der Sedimentation zudem mit pflanzlichen Proteinen. Erbsen und Bohnen sollen dann beispielsweise dafür sorgen, dass sich die Schwebstoffe absetzen. Der Nachteil? Diese Verfahren nehmen etwas mehr Zeit in Anspruch.

Und wie erkennt man den veganen Wein dann? Mit dem Siegeszug des Veganismus und Vegetarismus versäumen es die Hersteller:innen von veganem Wein natürlich nicht, ihre Flaschen mit Qualitätssiegeln zu kennzeichnen. Diese drei sind dabei besonders häufig und verraten dir, ob es sich um veganen Wein handelt:

  • V-Label der europäischen Vegetarierunion
  • Vegan-Label der veganen Gesellschaft Deutschland e. V.
  • Veganblume der Vegan Society England

Ist ein veganer Wein ein besserer Wein?

Jein. Veganer Wein sollte nicht mit dem Wunsch gekauft werden, einen qualitativ hochwertigeren Wein zu bekommen. Zwar braucht veganer Wein in der Herstellung etwas länger und ist daher etwas aufwendiger, doch das klassische Sprichwort Gut Ding will Weile haben zieht hier nur bedingt. Letztlich sagt das Label vegan auf einem Wein nur aus, dass er ohne Verwendung oder Zugabe tierischer Produkte hergestellt wurde. Das ist gut für die Umwelt und auch für die Tiere, sagt jedoch letztlich nichts über den Geschmack aus.

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