Wer öfter mal eine Flasche Wein in den Einkaufskorb legt, dem wird sicher nicht entgangen sein, dass auf vielen Etiketten der Hinweis „Enthält Sulfite“ prangt. Wir verraten dir, was hinter dem Hinweis steckt und ob die Sulfite im Wein vielleicht sogar daran schuld sind, dass du am nächsten Tag mit einem dicken Kopf aufwachst.

Mehr Weinfakten gefällig? Im Wein & Weiber Podcast haben Mona und Lisa wöchentlich einen für dich parat.

Das steckt hinter Sulfiten im Wein

Sulfite sind die Salze der schwefeligen Säure und werden vor allem in der Lebensmittelindustrie als Zusatz- und Konservierungsstoff verwendet. Denn Sulfite hemmen das Wachstum von Hefen, Pilzen und Bakterien und verhindern außerdem, dass Lebensmittel unerwünscht oxidieren. Einfach ausgedrückt unterdrücken Sulfite, dass sich beispielsweise braune Stellen an getrocknetem Obst bilden.

Doch nicht nur bei Trockenfrüchten kommen die Sulfite zum Einsatz. In folgenden Lebensmitteln sind sie ebenfalls zu finden:

  • kandierte Früchte und Fruchtfüllungen
  • Meerrettichpasten
  • Krebstiere
  • Kartoffeltrockenerzeugnisse, Kartoffelteige und Stärke
  • Tafeltrauben, frische Litschis
  • Wein und Fruchtwein

Werden Sulfite in Lebensmitteln verwendet, müssen diese ab einer Konzentration von zehn Milligramm pro einem Kilogramm gekennzeichnet werden. Das liegt daran, dass Sulfite in sehr seltenen Fällen allergische Reaktionen auslösen können und das Benennen allergener Inhalte seit 2005 durch die Richtlinie zur Lebensmittelkennzeichnung in der EU vorgeschrieben wird. Findet sich die Kennzeichnung bei den meisten Lebensmitteln in der Zutatenliste, ist die Kennzeichnung auf Weinflaschen häufig durch den schriftlichen Zusatz erkennbar. 

Frau Weinglas
Sulfite werden dem Wein in der Regel hinzugefügt, um ihn länger haltbar zu machen und lange schmackhaft zu halten. Credit: Pexels via canva.com

Warum sind Sulfite im Wein?

Sulfite im Wein wirken antimikrobiell und antioxidativ, was dazu führt, dass der Wein nicht weiter gärt, länger gelagert werden kann und seinen Geschmack bewahrt. Dabei werden Weißweinen häufig mehr Sulfite künstlich hinzugefügt, einfach deshalb, weil Rotweine von Natur aus mehr Sulfite enthalten.

Aber auch sehr süße Weine weisen tendenziell mehr Sulfite auf, denn sie verfügen über mehr Restzucker, der zu einer Nachgärung führen könnte. Die Sulfite verhindern das und sorgen dafür, dass der Wein auch nach längerer Lagerung noch schmeckt. 

Du möchtest wissen, ob Rot- oder Weißwein dich schneller betrunken macht? Wir sagen es dir!

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Können die Sulfite im Wein Allergien auslösen? Credit: Foto: Rostislav_Sedlacek

Schaden Sulfite im Wein deiner Gesundheit?

Dass Sulfite im Wein ihn länger schmackhaft machen, ist nicht neu. Bereits die alten Griechen nutzten Sulfite, um ihre Weine haltbarer zu machen. Heute weiß man allerdings, dass Sulfite im Wein nicht nur positiv sind. Denn wie bereits erwähnt, ist ein großes Manko der Sulfite, dass sie nicht von allen Menschen vertragen werden. Bei einer Sulfitallergie fehlt sodann das körpereigene Enzym Sulfitoxidase. Aber auch Asthmatiker können mit typischen allergischen Reaktionen auf die Sulfite im Wein reagieren. 

Dabei sind allerdings nicht allein die Sulfite im Wein die Übeltäter, wie eine Studie zur Weinverträglichkeit der Universität Mainz aus dem Jahr 2012 aufzeigen konnte. Diese stellte fest, dass es sich bei den Reaktionen der ProbandInnen, die sich von geröteter Haut über Juckreiz bis hin zu Herzrasen und Magenkrämpfen äußerten, weniger um eine immunologische Allergie handelt

Vielmehr ist es Unverträglichkeiten, die weniger auf die Sulfite im Wein, sondern generell auf den Alkohol, die biogenen Aminen oder auf andere Inhaltsstoffe zurückzuführen seien. Auffällig war zudem, dass die meisten Unverträglichkeiten vom Wein bei Frauen auftraten und bei ProbandInnen mit anderen Lebensmittelallergien. 

Frau Weinglas
Sulfite im Wein sind nicht weiter bedenklich, zumal eine Sulfitallergie äußerst selten ist.(Photo: imago images/Westend61)

Kann Wein mit Sulfiten bedenkenlos getrunken werden?

Schon die Phrase „Enthält Sulfite“ führt bei manchen zu ersten Kopfschmerzen, dabei befördern die Sulfite allein weder Kopfschmerzen noch Migräne. Viel eher ist der übermäßige Alkoholkonsum für den Schädel am nächsten Morgen verantwortlich. 

Denn eine reine Schwefelallergie ist sehr selten und gesundheitliche Auswirkungen zeigen sich nur bei knapp einem Prozent der Asthmatiker. Wer also eine Weinflasche mit dem verpflichtenden Hinweis in den Händen hält, muss sich in der Regel keine Gedanken machen – fernab davon, dass übermäßiger Alkoholkonsum ganz andere gesundheitliche Folgen haben kann. Wie sich unter anderem Alkohol auf dein Gehirn auswirkt, kannst du hier nachlesen.

Ist schwefelfreier Wein die bessere Alternative?

Viele möchten sich dennoch im Sulfitverzicht üben und Weine konsumieren, die frei von Schwefel sind. Das Problem ist allerdings, dass Schwefel ganz natürlich beim Fermentierungsprozess des Weins entsteht. 

Dennoch kann natürlich darauf verzichtet werden, Wein zusätzlich Sulfite hinzuzufügen. Somit ist kein Wein dieser Welt schwefelfrei, aber manche Hersteller setzen auf ungeschwefelte Weine. Diese Weine werden dann von den Machern liebevoll vin naturel getauft. 

Forscher des Projekts SO2SAY gehen noch einen Schritt weiter und versuchen sogar, gänzlich ohne Sulfite in der Weinherstellung auszukommen. Gegenüber Spiegel Online geben sie an, dass sie ihre Schwefelmenge um 95 % reduzieren konnten, indem sie die Sulfite im Herstellungsprozess durch andere natürlich im Wein vorkommende Extrakte ersetzen. Wie diese Weine wohl am Ende schmecken? Das kann nur eine eigene Verkostung beantworten!

Sulfite im Wein sind nicht weiter bedenklich

Dem Begriff des Konservierungs- und Zusatzstoffes lastet viel Negatives an. Daher verwundert es nicht, dass viele den Sulfiten im Wein die Schuld an unerwünschten Begleiterscheinungen geben. Dabei sind Sulfite nicht weiter bedenklich, gesetzt dem Fall, es liegt keine seltene Sulfit-Allergie vor. Eine anderer Faktor ist dagegen die allgemeine Unverträglichkeit gegen Wein und Alkohol, welche nicht unterschätzt werden sollte. 

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