Sie gehört zu diesen Dingen, die uns immer mal wieder im Alltag begegnen, von denen wir aber eigentlich keine Ahnung haben, wozu sie gut sind: die Delle im Boden von Weinflaschen. Wir nehmen sie einfach so hin – und fragen uns auch nicht, warum manche Flaschen sie haben, andere dagegen nicht.

Supermarktwein
Es gibt viele Theorien, doch nur eine ist der echte Grund für die Delle am Boden der Weinflasche. Foto: Kaboompics. com / pexels via canva

4 Erklärungsversuche, die nicht wirklich etwas mit dem eigentlichen Zweck zu tun haben

Gerücht Nr.1: Die Mulde soll das Einschenken erleichtern

Einige vermuten, dass die Mulde dem leichteren Einschenken dient, da Kellner:innen dabei gerne den Daumen in die Wölbung stecken. Das mag zwar elegant aussehen, praktisch sein und einleuchtend klingen, jedoch ist dies nicht der wahre Grund für den gewölbten Weinflaschenboden, sondern eher ein glücklicher Nebeneffekt.

Gerücht Nr.2: Es soll damit mehr Inhalt vorgetäuscht werden.

Einige meinen, dass die Mulde dazu gedacht ist, Verbraucher:innen zu täuschen. So soll der Eindruck entstehen, dass mehr Inhalt in der Weinflasche ist, als auf den ersten Blick ersichtlich. Das ist jedoch nicht als ein Gerücht, denn der Inhalt entspricht immer den Angaben auf der Weinflasche.

weinflaschenboden
Tatsächlich hat die Mulde der Weinflasche mehrere praktische Nebeneffekte, die aber nicht zum ursprünglichen Gedanken gehören.

Gerücht Nr.3: In der Mulde, soll sich der Bodensatz besser absetzen können

Vor allem Rotweine, die lange altern müssen, weisen bei der Flaschenreifung ein Depot (Bodensatz) auf. Das Depot besteht hauptsächlich aus Farb- und Gerbstoffen (Tannine), die aus der Traubenschale herausgelöst wurden. Dieses kann beim Einschenken leicht aufwirbeln. Bei einem gewölbten Flaschenboden kann sich der Bodensatz aber gut in der Rille absetzen und wird nicht so schnell aufgewühlt. Ist das also der Grund für die Mulde? Nicht wirklich. Hier handelt es sich wieder nur um einen praktischen Nebeneffekt.

Gerücht Nr. 4: Mit der Mulde hat die Weinflasche mehr Standfestigkeit

Dieses Gerücht ist zwar nicht der Hauptgrund, aber auch teilweise wahr: Man vermutet nämlich, dass der gewölbte Flaschenboden auf die Zeit zurückgeht, in der Weinflaschen noch nicht industriell, sondern in Handarbeit hergestellt wurden. Die Weinflaschen wurden mit dem Mund geblasen, was zur Folge hatte, dass der Boden meist nicht flach, sondern leicht nach außen gewölbt war. Weil die fertige Weinflasche so aber kaum Standfestigkeit aufwies, drückten die Flaschenbläser den Boden nach innen.

Korken Weinflasche
Der Korken ist der eigentliche Grund für die Mulde in der Weinflasche Foto: yipengge / Getty Images via Canva

Der echte Grund für die Mulde in der Weinflasche

Der Flascheninhalt ist nämlich der Grund dafür, dass manche Flaschenböden gewölbt sind und andere nicht. Schaumwein, aber auch Sekt enthalten Kohlendioxid, weshalb sie so angenehm prickeln. Das Kohlendioxid sorgt allerdings auch für einen großen Druck in der Flasche, dem normalerweise direkt der Boden nachgeben würde.

Der gewölbte Boden gibt den Druck an die Flaschenwände ab und verteilt ihn besser. Wäre der Boden flach, so bestünde die Gefahr, dass als Erstes die Schwachstelle – der Flaschenboden – einfach durchbricht.

So weit, so gut. Aber das erklärt noch immer nicht, warum auch Wein in Flaschen mit gewölbtem Boden abgefüllt wird. Schließlich enthält Wein kein Kohlendioxid. Aber auch Weinflaschen müssen kurzzeitig einem hohen Druck standhalten. Nämlich dann, wenn sie mit einem Korken verschlossen wird.

Wenn der Korken in die Flasche gestoßen wird, entsteht kurzzeitig ein hoher Verschließdruck. Der Korken wird nämlich mit knapp 4 km/h in den Flaschenhals gepresst. Damit muss der Boden einer Weinflasche doppelt so viel Druck wie ein Autoreifen standhalten. Wäre der Boden glatt, würde er durch den immensen Druck ausgeschlagen werden. Dank dem gewölbten Boden erhält die Flasche mehr Stabilität und hält diesem Druck besser stand.

Weinflasche als Vorbild für den Gin

Damit erklärt sich auch die Wölbung im Boden einiger Ginflaschen. Alle Flaschen, die mit einem Korken so verschlossen werden, dass ein Verschließdruck entsteht, sollten die Wölbung im Flaschenboden haben. Flaschen mit Schraubverschluss benötigen sie nicht. In diesem Sinne: Cheers!