Angela Merkel war am 20. August zum Abschiedsbesuch im Kreml bei Wladimir Putin. Auf der gemeinsamen Agenda standen Themen wie die Taliban in Afghanistan, der Ukraine-Konflikt und nicht zuletzt der Fall Nawalny. Während des Besuchs der Kanzlerin passierte ihr allerdings ein Malheur, welches es selbst in die Tagesschau schaffte…

Angela Merkel besucht Wladimir Putin zum Abschied

Ein letzter Abschiedsbesuch, unter diesem Stern stand das Aufeinandertreffen Wladimir Putins und Angela Merkels am 20. August 2021. Zum Auftakt besuchten Angela Merkel und Wladimir Putin die Gedenkstätte der ermordeten Jüd:innen des zweiten Weltkriegs.

Danach statteten die beiden dem Regierungssitz Russlands, den Kreml, einen Besuch ab. Putin überreichte Merkel einen Blumenstrauß und nach Informationen der Tagesschau beteuerte Putin zudem, dass die beiden Staatschef:innen über all die Jahre engen telefonischen Kontakt gepflegt haben.

Ein letztes Malheur der Bundeskanzlerin?

Doch dann passiert das Malheur: Während Angela Merkel und Wladimir Putin im repräsentativen Kremlpalast sitzen, viele Fotos geschossen und große Reden gehalten werden, klingelt lautstark das Handy der noch amtierenden Bundeskanzlerin und wird von ihr mit sichtlich panischem Blick ausgestellt.

Putin ist über diesen Vorfall scheinbar pikiert, kräuselt die Lippen und schaut nach unten. Angela Merkel bedeutet ihm mit dem Kopf weiterzusprechen.

Angela Merkel und Wladimir Putin bei der Pressekonferenz im Kreml.

Merkel & Putin: Malheur bei Weitem nicht das größte Problem

Anschließend treten Merkel und Putin zur Pressekonferenz in den berühmten Alexandersaal ein. Bei der Pressekonferenz wird deutlich, dass der Smartphonefauxpas zwar schnell wieder vergessen ist. Dennoch zeigen sich tiefe Gräben zwischen Merkel und Putin: Das größte Streitthema zwischen den beiden scheint der Fall des Kremlkritikers Nawalny zu sein.

„Ich habe gegenüber dem russischen Präsidenten noch einmal die Freilassung Alexey Nawalnys gefordert und auch deutlich gemacht, dass wir hier dranbleiben werden“ sagte Merkel bei der Konferenz in ihrer gewohnt unaufgeregten Art und Weise.

Wladimir Putin nennt Nawalny hingegen „einen Gesetzesbrecher“ und betont, dass Russland Stabilität brauche. Revolutionen seien hier fehl am Platz. Viel eher baue Putin auf eine „evolutionäre Entwicklung“.

Der Fall Nawalny: Das war passiert

Der Kremlkritiker Alexei Nawanly wurde am 20. August 2020 Opfer eines Giftanschlags. Wahrscheinlich wurde ihm in einem Flugzeug der Nowitschok-Nervenkampfstoff verabreicht. In der Folge wurde er in einer Omsker Klinik in ein künstliches Koma versetzt. Von dort wurde er in die Berline Charité überführt. Hier wurde er im September 2020 aus dem Koma geholt und kurz darauf entlassen.

Nawalny blieb danach bis zum Januar 2021 in Deutschland, flog dann jedoch zurück nach Russland, wo er am Flughafen mit einem Gerichtseilentscheid festgenommen und in Untersuchungshaft genommen wurde. Angeblich hätte er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen. Anschließend wurde der Kremlkritiker zu dreijähriger Straflager-Haft verurteilt, in der er sich bis heute befindet – und das, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits am 17. Februar diesen Jahres seine Freilassung forderte.

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