Ist Homosexualität wirklich angeboren? Seit Jahrzehnten beschäftigt die Wissenschaft diese Frage. Und auch in der Gesellschaft ist noch lange nicht überall angekommen, dass es völlig normal ist, das selbe Geschlecht zu lieben. Dabei gibt es mittlerweile viele Hinweise darauf, das Homosexualität naturgegeben ist.

Angeborene oder angenommene Homosexualität?

Tatsächlich: 2017 haben Forscher:innen zwei spezifische Gene identifiziert. Heterosexuelle unterscheiden sich hier von schwulen Männern. Das bedeutet aber nicht, dass es ein so genanntes „Homo-Gen“ gibt.

Die tatsächliche Aufklärung ist deutlich komplexer. Das zeigte auch eine Studie der University of Essex in England mit eineiigen männlichen Zwillingen aus dem Jahr 2018. Denn nur weil eineiige Zwillinge die gleichen Gene besitzen, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sie auch die gleiche sexuelle Orientierung haben. 

Lesbisches Paar küssend
Lesbische Frauen zeigten in einer Studie deutliche Unterschiede zu schwulen Männern.(Photo: Shutterstock/Rawpixel.com)

Schwule Männer von gleichgeschlechtlichen Bildern erregt

Den Beweis dafür lieferten Forscher:innen, indem sie den Erregungszustand von männlichen eineiigen Zwillingen untersuchten. Die Wissenschaftler:innen stellten fest: Trotz des selben Erbguts hatten die Geschwister unterschiedliche sexuelle Orientierungen.

Während die schwulen Zwillinge von gleichgeschlechtlichen Bildern sexuell erregt wurden, reagierten ihre heterosexuellen Brüder eher bei Bildern unterschiedlichen Geschlechts.

Heterosexuelle Frauen von beiden Geschlechtern erregt

Bei weiblichen eineiigen Zwillingen war die Signifikanz deutlich geringer. Hier zeigte sich, dass die heterosexuellen Frauen bei beiden Geschlechtern erregt waren. Bei ihren lesbischen Schwestern war eine deutliche Erregung eher bei Frauen zu beobachten.

Petrischale DNA
Homosexualität ist nicht angeboren, aber anscheinend biologisch angelegt.(Photo: Science Photo Library)

Die bisher umfassendste Untersuchung zur Genetik der sexuellen Orientierung wurde ebenfalls im Jahr 2018 das erste Mal vorgestellt. Wissenschaftler:innen des Bostoner Broad Institute hatten 475.000 hetero- und homosexuellen Menschen untersucht. Sie ziehen ähnliche Schlüsse wie in früheren Studien: Ein einziges Gen oder einzelne genetische Region die Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung zulassen, gibt es nicht.

Aber: Die Forscher:innen fanden mehrere verschiedene genetische Marker auf unterschiedlichen Chromosomen, die bei schwulen Männern häufiger waren. Bei lesbischen Frauen waren es zwei weitere Gengruppen, die gehäuft auftreten. Trotzdem sagen die Autor:innen der Studie ganz klar. dass „das Sexualverhalten ein sehr komplexes Merkmal ist“ und es keine „eindimensionale Sexualität“ gebe. 

Äußere Einflüsse beeinflussen das Erbgut

Doch wenn es nicht nur die Gene sind, was ist es denn dann? Statt einer angeborenen Homosexualität gehen mittlerweile viele Forscher:innen davon aus, dass die so genannte Epigenetik eine Rolle spielt.

Die Theorie: Durch äußere Einflüsse aus der Umwelt können bestimmte Gene ein- oder ausgeschaltet werden. Das bedeutet, dass ein Zwillingspaar „homosexuelle Gene“ in sich trägt, diese aber je nach Umwelteinflüssen „aktiviert“ werden. Das kann beispielsweise schon im Mutterleib durch Hormone der Mutter passieren.

Fazit: Mehrere Faktoren spielen bei der sexuellen Orientierung eine Rolle

Wir halten fest: Die Frage, ob Homosexualität angeboren ist, lässt sich nicht klar mit ja beantworten. Es scheint eher so zu sein, dass die sexuelle Orientierung biologisch angelegt ist. Ein so genanntes „Homo-Gen“ gibt es jedenfalls nicht

„Stattdessen vermuten wir, dass ein ganzes Netzwerk von Genen hinter der sexuellen Anziehung steckt – und dass dieses Netzwerk uns dazu veranlagt, eher Männer, Frauen oder aber beide sexuell attraktiv zu finden“, sagt der Wissenschaftler Tuck Ngun von der University of California in Los Angeles.

Ja das klingt (leider) alles wahnsinnig komplex. Und so wird wohl noch weiter geforscht werden, bis auch die letzten verstanden haben, dass es sich nicht beeinflussen lässt, in wen man sich verliebt.

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crlnmyr