Sie sind so groß wie ein echter Mensch, sehen auf den ersten Blick täuschend echt aus und haben dennoch nur eine Haut aus Plastik: die sogenannten Liebes-, Gummi- oder Sexpuppen.

Die Frauen und Männer aus Plastik werden in Sexshops verkauft und vorwiegend zur Selbstbefriedigung eingesetzt oder auch mal als Gag-Geschenk an Freunde überreicht. Aber seit der Corona-Krise hat sich die Nachfrage nach Sexpuppen fast verdoppelt. Der Sex mit den Puppen boomt in Deutschland, Österreich und auch Großbritannien. Woran liegt das?

Sexpuppe oder echter Mensch? Unterschied immer schwieriger zu erkennen

Seit der Corona-Krise haben wir alle sehr viel Zeit Zuhause verbracht. Parties? Gab es nicht. Dates? Zu unsicher. Jemanden im Supermarkt mit Maske kennenlernen? Zu schwierig. Für viele sind die Sexpuppen da die perfekte Alternative geworden. Und tatsächlich sind die modernen Plastikpuppen mittlerweile anders als noch vor ein paar Jahren.

Denn die Puppen sehen uns echten Menschen immer ähnlicher. Sie fühlen sich dank einer Mischung aus geschmolzenen Gummi und Plastik auch realer an. Hinzukommen immer mehr Funktionen, wie etwa eine warme Haut. Je nach Vorliebe können sich die Kund:innen auch aussuchen, wie ihre eigene Puppen aussehen sollen. Augenfarbe, Hautfarbe, Frisur oder sogar Nagellack – alles kein Problem. Die Sexpuppen bieten auch eine unterschiedliche Größen von Vaginen, Mund- und Poloch. Und besonders krass: Wer sich eine Puppe bestellt, kann sogar entscheiden, ob sie Poren oder Pickelchen haben soll. 

Sexpuppen
Sexpuppen und Sextoys erleben seit der Corona-Krise einen Boom(Photo: Christophe Bertolin)

Sexpuppen anstatt Dates

Doch wieso boomt das Geschäft mit den Sexpuppen so stark? Ryan James, der CEO einer Sextoy-Firma erklärt der Daily Mail gegenüber: „Wir sind mittlerweile an dem Punkt, an dem wir feststellen, dass die Beziehungen zu echten Menschen nichts für jeden sind. Meine Kund:innen haben mir schon erzählt, dass sie gar nicht mehr in der echten Welt nach einem Partner suchen.“ Und weiter: „Die Menschen haben heutzutage einfach nicht mehr die Zeit oder den Antrieb, also nehmen sie etwas, was ihnen wenigstens etwas Sexualität schenkt und mit dem sie kuscheln können.“

Und auch im Winter sollen die Sexpuppen einen entscheidenden Vorteil bieten: Anstatt die Heizung anzumachen, kuscheln manche Kund:innen gerne in der Nacht mit ihren Puppen.

Seit wann gibt es Sexpuppen?

Schon ziemlich lange. So sollen sich vor Jahrhunderten die Seefahrer aus Leder und Lumpen menschenähnliche Figuren gebastelt haben, die sie an echte Frauen erinnern und so zur Selbstbefriedigung dienen sollten.

Aber die erste richtige Sexpuppe wurde im Jahr 1918 von Oskar Kokoschka, einem österreichischen Maler in Auftrag gegeben. So bastelte die Puppenmacherin Hermine Moss eine lebensgroße Figur seiner Ex-Geliebten. Als die Künstlerin die Sexpuppe jedoch fertig stellte, stellte Oskar Kokoschka jedoch schnell fest, dass die Puppe ihn nicht so befriedigen konnte, wie er sich das gewünscht hat. Also „tötete“ er die Puppe wieder.

Auf welche Sextoys Frauen setzen

Übrigens gibt es Sexpuppen längst nicht mehr nur für Männer. Auch Frauen können sich Gummipuppen kaufen. So können sie sich ebenfalls aussuchen, welche Hautfarbe ihre Puppe haben und wie groß und dick der Penis sein soll. Weitere Vorlieben wie etwa Tattoos, Brusthaar, Sixpack und Muskeln? Sind ebenfalls frei wählbar.

Aber neben der größeren Auswahl der Sexpuppen, hat sich in der Sexualität von Frauen noch mehr getan. Denn: Seit der Corona-Krise ist der Absatz von Sextoys für Frauen rasant gestiegen.

Brauchen wir in Zukunft nur noch Gummipuppen?

Brauchen wir in Zukunft also keine Partner:innen, keinen echten Menschen mehr? Reichen bloß etwas Plastik und unsere Fantasie aus, um vollkommen glücklich und befriedigt zu sein? Wenn es nach der Australian Psychological Society geht, lautet die Antwort Nein. Denn sie hat erst kürzlich ein Statement veröffentlicht, indem sie davor warnt, echte Beziehungen zu vernachlässigen. Denn diese sind, so erklärt sie, für die psychische Gesundheit immer noch von entscheidender Bedeutung.

In den Bordells werden die Sexpuppen teilweise auch ausgepeitscht, ihnen wird der Kopf abgeschraubt oder ihr Intimbereich reißt aufgrund von Gewalt ein. Kritiker:innen warnen deshalb davor, dass der Sex mit den Puppen abstumpfen kann und dass die Tatsache, dass Sexpuppen nie „Nein“ sagen, Vergewaltigungsfantasien beflügeln kann. Bordellbesitzer:innen halten jedoch gegen, dass es besser sei, wenn Gewaltfantasien an Puppen anstatt an realen Menschen ausgelebt werden.

Doch leider gibt es bislang keine Studien, die die langfristigen Auswirkungen der Puppen auf das menschliche Sexualverhalten untersucht haben. Und auch Ulrike Plogstiess, die Psychologin und Co-Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin-, -therapie und -wissenschatft gibt keine eindeutige Antwort: „Ich kann solche Puppen weder befürworten noch ablehnen.“ Ein letztes Wort ist damit noch nicht gesprochen.

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