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Our weekly heroine NUI-Gründerin Swantje van Uehm: „Meine Vision war einfach viel größer als meine Selbstzweifel“

Swantje van Uehm ist die Gründerin von NUI Cosmetics, doch das ist nicht ihr erstes Start-up. Wir haben mit der Unternehmerin u.a. darüber gesprochen, was für Skills als Gründer:in unerlässlich sind.

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Wir haben Die Nui-Gründerin Swantja van Uehm gefragt, was Gründer:innen heute brauchen. Foto: Nui Cosmetics

Das erste Mal habe ich NUI Cosmetics-Gründerin Swantje van Uehm 2020 im TV bei Höhle der Löwen gesehen und war stark beeindruckt. Warum? Weil sie den männlichen Löwen mit ihren Zahlen gezeigt hat, dass Naturkosmetik kein Nischenthema, sondern ein gigantischer Markt ist. NUI war nämlich schon vor der Show profitabel.

Ich freue mich daher besonders, dass ich Swantje van Uehm diese Woche als unsere weekly heroine vorstellen darf. Jede Woche sprechen wir mit inspirierenden Frauen über ihr Leben, ihre Visionen und ihre Arbeit und versuchen, uns eine Schreibe davon abzuschneiden. Wenn du wissen möchtest, warum der Weg über Investor:innen nicht immer angebracht ist und was es zum Gründen wirklich braucht, solltest du dranbleiben.

Swantje van Uehm kurz & knapp:

Gründen kann man nicht studieren. Gerade deshalb ist es so spannend, den Werdegang erfolgreicher Gründer:innen nachzuverfolgen. Auch NUI-Gründerin Swantje van Uehm hat in ihrem Arbeitsleben schon viel erlebt. Das musst du über sie wissen:

  • Swantje hat Wirtschaftskommunikation in Berlin und Brand Management in Schweden studiert und war danach bei bekannten Marken wie Chanel, Porsche und Naturkosmetikfirmen im Marketing tätig.
  • 2015 gründete sie ihr erstes eigenes Unternehmen Savue Beauty und New Natural. Ein Vertrieb für internationale Nischen-Naturkosmetik.
  • Zwei Jahre später startet sie ihre eigene vegane und cleane Kosmetikmarke NUI Cosmetics und konnte 2020 Judith Williams bei Die Höhle der Löwen als Investorin gewinnen.
  • 2021 verkauft Swantje ihre ersten Unternehmen, um sich ganz auf NUI Cosmetics zu konzentrieren
  • Sie ist außerdem aktiv als Mentorin, zum Beispiel beim Grace Accelerator.
Die Höhle der Löwen nui cosmetics
2020 war Swantje van Uhem bei DHDL und bekam einen Deal mit Judith Willaims. Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer /

Swantje van Uehm im Interview: „Meine Vision war einfach viel größer als meine Selbstzweifel“

Im Interview sprechen wir mit Swantje van Uehm über ihre Anfänge als Gründerin, wie man sich mit seiner Idee im Start-up-Dschungel behaupten kann und was man heute braucht, um selbst zu gründen.

wmn: Hallo Swantje, dein Lebenslauf sieht fast aus wie ein Prototyp für Gründer:innen. Du hast studiert, dann drei Jahre Beauty-Luft bei verschiedenen Arbeitgebern geschnuppert und dann gegründet. Würde ich jetzt gründen, würde direkt das Imposter-Syndrom an der Tür klingeln. Hattest du ebenfalls Selbstzweifel vor dem Gründen und wie bist du damit umgegangen?

Imposter Syndrom: Auch bekannt als Hochstapler-Syndrom beschreibt das Gefühl nicht gut genug zu sein. Im Job haben Betroffene oft das Gefühl, nicht qualifiziert genug zu sein oder den Titel nicht verdient zu haben. Mehr dazu findest du in unserem Artikel über das Hochstapler-Syndrom.

Swantje van Uehm: Ich denke, Selbstzweifel gehören bei allen Menschen dazu, aber vor dem Gründen selbst hatte ich keine Angst. Als ich mich näher mit Inhaltsstoffen auseinandergesetzt habe und bemerkte, welche z.T. schädlichen Inhaltsstoffe in unserer Kosmetik enthalten sind, stand für mich fest: Naturkosmetik ist die Zukunft. Aber der Markt war 2015 noch sehr „öko“. Man hat bei Naturkosmetik nicht an Make-up gedacht, welches wie das konventionelle Marken funktioniert.

Das wollte ich ändern und zwei Welten vereinen, denn eine nachhaltige Beauty-Bewegung trägt erst Früchte, wenn sie für alle zugänglich ist und keine Nische bleibt. Und wer die Zukunft gestalten will, kann nicht die Farben von gestern tragen. Ich wollte Produkte, die genauso gut funktionieren wie konventionelle Kosmetik, aber mit rein natürlichen und veganen Inhaltsstoffen. Meine Vision war einfach viel größer als jeder Selbstzweifel.

wmn: Aber nicht jede:r hat die Vision sofort verstanden. Im Interview mit Gedankensalat hast du erzählt, dass du besonders in der Finanzierungsphase von Savue Beauty oft unterschätzt wurdest. Wie bist du mit solchen Situationen umgegangen?

Swantje van Uehm: Ich war da von Anfang an sehr offen. 2015 wurde Female Empowerment noch nicht so großgeschrieben und viele Leute waren überrascht, wenn dann so eine kleine, zierliche Frau wie ich zum Pitch erschienen ist. Wenn ich gemerkt habe, dass ich nicht ernst genommen wurde, dann bin ich hartnäckig geblieben und habe das auch direkt angesprochen: „Ich sehe, Sie trauen mir das nicht zu. Sie können mich alles fragen, ich kenne jedes Detail im Finanzplan. Und wenn Sie die Marktchance nicht erkennen, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen.“ Ich glaube, da muss man einfach straight forward sein, um da etwas in den Köpfen zu ändern. 

„Ich glaube, da muss man einfach straight forward sein, um da etwas in den Köpfen zu ändern.“

wmn: Also mit Fakten dagegen halten. War das eine konkrete Situation?

Swantje van Uehm: Ja, das war damals mein erstes Gespräch mit einer großen Bank in Berlin. Wir haben damals keinen Kredit von ihnen bekommen. Als wir dann die ersten Millionenumsätze geschrieben haben, standen sie bei uns vor der Tür, aber ich habe dankend abgelehnt.

wmn: Apropros Finanzen, ihr habt euch damals für einen Bankkredit entschieden anstatt direkt mit einem Business Angel oder privaten Investor:innen zusammenzuarbeiten. Was für Vorteile hatte der Bankkredit speziell für deine Vision?

Swantje van Uehm: Als ich startete, war stylische Naturkosmetik eine Nische. Die Leute mussten an das Thema herangeführt werden und ich wusste, das braucht Zeit und Geduld.

Unsere Produktqualität und der Nutzen für unsere Kunden steht bei mir schon immer an erster Stelle und bei Investoren/ Business Angel geht es in erster Linie darum Profit zu generieren. Es wäre zum damaligen Zeitpunkt wahrscheinlich monetär gesehen nicht interessant genug für Risiko-Kapitalgeber gewesen, weil wir und der Markt noch zu klein waren und z.B. keine hohen Abnahmemengen hatten und dementsprechend auch höhere Einkaufspreise. Ich bin sicher, das hätte kaum ein Investor mitgemacht.

Der Bankkredit hat mir die Möglichkeit gegeben, meine Vision genauso umzusetzen, wie ich sie im Kopf hatte. Ohne dass mir z.B. jemand sagt, ich müsse günstigere Inhaltsstoffe für unsere Produkte nehmen, um den Profit zu steigern.

Wir haben an unsere Idee und das Team geglaubt und wollten Ideengetrieben arbeiten. Wir haben uns Zeit gelassen, um organisch zu wachsen. Außerdem bedeutet für mich Unternehmertum auch, dass man mit dem Geld, was man hat, profitabel arbeitet. Wir konnten uns das erlauben, weil der Markt damals noch nicht so groß war wie heute. Manchmal lässt das die Marktsituation nicht zu, dann macht externes Risiko-Kapital sicher Sinn.

Fact: Frauengeführte Start-ups verfolgen oft eine ähnliche Strategie wie Swantje und wachsen lieber organisch. Ihr Fokus liegt deutlich öfter auf Profitabilität, einer guten Organisationsentwicklung und dem positiven Einfluss auf die Gesellschaft. Männergeführte Start-ups legen einen größeren Wert auf Wachstum, einen hohen Marktanteil und Produktentwicklung, wie der Female Founders Monitor herausgefunden hat.

wmn: Dass du mit Geld umgehen kannst, hast du jetzt schon zweimal bewiesen und beide Unternehmen ohne Investor:innen in die grünen Zahlen geführt. Und das im Alleingang. Aber das ist nicht einfach. Deshalb engagierst du dich beim Grace Accelerator. Warum sollte man als Gründer:in solche Angebote unbedingt nutzen?

Swantje van Uehm: Ich glaube, dass es unglaublich wichtig ist, seine Idee vor dem Start zu pitchen. Ich war in der Position, dass ich den Markt selbst schon kannte. Ich wusste, wo die Trends hingehen, kannte auch die Kundensicht und war mir meiner Idee, Naturkosmetik aus dem Staub von gestern zu befreien, sehr sicher.

Aber wenn man diese Insights selbst nicht hat, dann sollte man sein Projekt unbedingt vor einem Publikum aus der Branche vorstellen, Feedback einholen und jemanden finden, mit dem man sich austauschen kann. Auch das Netzwerk, was man sich dort aufbauen kann, ist unglaublich wichtig und kann viel Arbeit ersparen.

Manchmal vergisst man, dass man sich als Gründer auch mit Themen wie Steuern, Zoll oder Verpackungsrichtlinien auseinandersetzen muss. Wenn man da mal eben zum Hörer greifen kann, ist das Gold wert und erspart einem so viele Fehler. Ich hatte das damals nicht und hätte mir sicherlich viele Kopfschmerzen erspart. Daher helfe ich sehr gerne in Netzwerken und stehe Gründer:innen zur Seite.

Accelerator: Ein Accelerator ist eine Art Bootcamp für Gründer:innen, die noch ganz am Anfang stehen. Wer angenommen wird, bekommt zeitlich begrenzt Unterstützung bis das Produkt oder die Idee marktreif ist.

wmn: Ab wann macht es denn Sinn, in einem Accelerator Feedback einzuholen?

Swantje van Uehm: Wenn der Pitch komplett ist und vielleicht sogar schon ein Muster oder Sample von dem Produkt vorhanden ist. Und man sollte natürlich seine Hausaufgaben gemacht haben. Den Markt scannen etc.

wmn: Okay, ich habe meine Hausaufgaben gemacht und habe eine innovative Idee. Wie viel darf ich dann verraten, damit mir niemand die Idee klaut?

Swantje van Uehm: Ich war da am Anfang immer sehr zugeknöpft, um ehrlich zu sein. Gerade, wenn man eine echte Innovation entwickelt wie z.B. unser patentiertes Papierpackaging welches komplett ohne Plastik auskommt, sollte man vorsichtig mit einigen Informationen umgehen. Direkte Partner oder Lieferanten würde ich zum Beispiel nicht jedem verraten. Aber man braucht auch unbedingt Personen, mit denen man sich austauschen kann. Man muss also einen guten Mittelweg finden.

„Man muss zu 180 % hinter seiner Idee stehen. “

wmn: Ich habe also jetzt eine Idee, einen Plan und einen Pitch mit positivem Feedback. Was braucht jemand, der gründen will, deiner Meinung nach noch?

Swantje van Uehm: Leidenschaft, Durchhaltevermögen, man muss zu 180 % hinter seiner Idee stehen und, ganz wichtig, lösungsorientiertes Arbeiten. Wenn ein Problem aufkommt, sollte der erste Gedanke sein: Wie kann ich das Problem lösen? Den Rest lernt man auf seinem Weg. Die Erfahrungen und Herausforderungen, die auf einen zukommen werden, kann man nicht vorhersehen. Ich kenne niemanden, der gegründet hat, und vorher wirklich wusste, was alles auf ihn zukommt.

wmn: Man kann sich also gar nicht perfekt auf das Gründen vorbereiten. Das ist gut zu wissen. Gibt es sonst noch einen Gründermythos, der aus deiner Sicht völliger Humbug ist?

Swantje van Uehm: Ganz oft wird darüber gesprochen, dass man sein Privatleben und den Beruf strikt trennen kann. Ich kann das auf jeden Fall nicht, ich höre das immer wieder in Interviews und frage mich, wie schaffen die das? Wenn ich am Abend auf dem Sofa liege und endlich mal entspannen kann, fängt mein Kopf sofort an zu arbeiten.

Ich habe dann Ideen für Kooperationen, neue Verpackungen oder neue Produkte und bespreche die sofort mit meinem Partner oder meiner Familie. Ich glaube, da kann man keine klare Grenze ziehen, wenn man sein Business wirklich liebt, ich habe das in sechs Jahren jedenfalls nicht geschafft. Und ich finde das auch gar nicht schlimm. Ich liebe meine Arbeit.

wmn: Vielen Dank für deine tollen Insights und deine Ehrlichkeit Swantje.

Du bist jetzt ganz gespannt auf die Produkte von NUI Cosmetics? In unserem Instagram-Adventskalender kannst du ein Starter-Set bestehend aus Blush, Mascara und Lippenstift gewinnen.

Dich juckt es jetzt auch in den Fingern und du willst mehr zum Thema Gründen erfahren? Dann empfehle ich die diese Artikel: