Du hast morgens Probleme aus dem Bett zu kommen, drehst dich lieber noch drei Mal um, schlägst die Decke über den Kopf und hältst den Daumen dabei über der Snooze Taste? Viele Menschen tun sich schwer, sehr früh aufzustehen – und wenn sie es dann geschafft haben, ist ihre Laune im Keller. Mürrisches Knurren und bissige, verschlafene Blicke inklusive. 

Viele werden dann als Morgenmuffel bezeichnet, dabei können sie rein gar nichts dafür und nicht immer sind diese Probleme beim frühen Aufstehen zu verharmlosen. In manchen Fällen kann nämlich auch eine Morning Depression dahinter stecken. Wir erklären dir, wo der Unterschied zwischen Morgenmuffelei und einer ernst zu nehmenden Morgen-Depression liegt.

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Manche Menschen sind einfach keine Frühaufsteher & sagt aufgrund ihrer Veranlagung.(Photo: imago images/Westend61)

Morgenmuffel vs. Morning Depression

Der menschliche Organismus wird nach der inneren Uhr gesteuert, die bei jedem Menschen anders tickt. So gibt es verschiedene Chronotypen, die auch den Schlafrhythmus beeinflussen. Der Abendtyp, auch Eule genannt, ist vor allem in den Abendstunden und auch nachts besonders aktiv und produktiv. Morgens geht dagegen gar nichts bei ihm: Gereiztheit und müde Augen sind sein Markenzeichen.

Davon abzugrenzen sind die Morgentypen, auch Lerchen genannt, die schon um 20 Uhr bettreif sind, dafür aber locker um fünf Uhr morgens aus dem Bett kommen und Pfeifkonzerte unter der Dusche geben. Wie der 5am Club sich in diesen zeiten bewährt hat, liest du hier.

Zu welchem Chronotyp man gehört, bestimmt die Genetik und unterliegt damit Umständen, auf die man nur bedingt Einfluss nehmen kann. Die anlagebedingte Morgenmuffellei ist nicht weiter bedenklich, wenn auch nicht unbedingt sozial verträglich.

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Ein Morgentief bzw. eine Morning Depression kann Anzeichen einer sich anbahnenden schweren Depression sein.(Photo: imago images/Westend61)

Eine Morning Depression ist mehr als schlechte Laune

Wer schon zu Beginn des Tages kraft-, antriebs- und energielos fühlt und zudem traurig sowie schwermütig ist, bei dem kann das morgendliche Tief auf eine Depression hinweisen. Betroffene wachen auf und befinden sich bereits in einem Stimmungstief – und das über Wochen. 

Das Besondere an der Morning Depression? Im Laufe des Tages kann sich die Stimmung wieder bessern und zum Abend hin sogar völlig aufklaren. Morgens kommen Betroffene dagegen kaum aus dem Bett, haben Angst vor der Zukunft und spüren ihre Symptome besonders intensiv.

Folgende Anzeichen sind typisch für eine Morning Depression:

  • Schwierigkeiten aufzustehen
  • Gefühl der Leere
  • Empfundene Anstrengung bei einfachen Tätigkeiten wie dem Zähneputzen oder Duschen
  • Überempfindlichkeit
  • Gereiztheit
  • Verzögerte Funktionen mental wie auch körperlich
  • Angst, dass Zustand den Tag über anhält

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Depressionen werden vor allem dann hervorgerufen, wenn bestimmte Botenstoffe im Körper aus dem Gleichgewicht geraten.(Photo: imago images/Westend61)

So entsteht die Morning Depression

Wie bei Morgenmuffeln ist auch bei Betroffenen einer Morning Depression die innere Uhr schuld. Diese reguliert unseren gesamten Körper und ist unter anderem auch für die Ausschüttung von Hormonen verantwortlich. Gerät unsere innere Uhr durcheinander, werden beispielsweise die Stress- und Schlafhormone Kortisol und Melatonin zur falschen Tageszeit und in falscher Menge ausgeschüttet.

Statt uns morgens wach und erholt zu fühlen, fühlen wir uns in der Folge niedergeschlagen. Die Fehlregulation des Körpers kann zu zahlreichen gesundheitlichen Folgen führen: Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind es dann oft auch mentale Erkrankungen wie Depressionen, die sich aufgrund der gestörten inneren Uhr einstellen.

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Leichte Depressionen lassen sich gut mit einem routinierten Tag & regelmäßigen Sporteinheiten bekämpfen.(Photo: istock.com/ Jasmina007)

Wie sich Morning Depressions überwinden lassen

Depressionen sind gut behandelbar, vor allem dann, wenn man sich rechtzeitig professionelle Hilfe sucht. Solltest du das Gefühl haben, an einer Morning Depression zu leiden, wende dich an deinen Hausarzt oder suche nach Therapieangeboten in deiner Umgebung. Als erste Anlaufstelle dient außerdem die Deutsche Depressionshilfe.

Mithilfe einer Therapie können individuell Möglichkeiten entwickelt werden, die dir helfen, deine Morning Depression zu lindern. Aber auch, wer zusätzlich seinen Tagesablauf ändert und auf diese Tipps setzt, kann der Morning Depression Stück für Stück entkommen:

  1. Iss regelmäßig und gesund.
  2. Arbeite an Techniken, besser einzuschlafen.
  3. Verzichte auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin. (So klappt die Alkoholentwöhnung und so gewöhnst du dir das Rauchen ab.)
  4. Treibe regelmäßig Sport & bewege dich ausreichend. (Am besten vor dem Abendessen: Mindful Running, Pilates oder LIIT Workouts bieten sich besonders an.)
  5. Vermeide blaues Licht auf deinen Bildschirmen. 

Scheue dich nicht, Hilfe anzunehmen

Unsere Gesundheit ist unser höchstes Gut. Stress dich nicht, wenn du nicht so gut aus dem Bett kommst, solche Tage hat jeder mal. Aber nimm die Zeichen deines Körpers auch ernst. Es ist absolut keine Schande, um Hilfe zu bitte, wenn du über einen längeren Zeitraum antriebs- und freudlos bist. Scheue dich nicht, auch deine Familie oder enge Freunde, um Hilfe zu bitten, falls du Anzeichen einer Morning Depression an dir entdeckst. Und vor allem: Nimm es ernst, wenn dir jemand erzählt, dass er sich in letzter Zeit nicht gut fühlt.

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