Manchmal stehen wir uns selbst im Weg – auch emotional. Davon kann ich persönlich ein Liedchen singen. Wie oft habe ich mich schon gefragt, warum ich mich selbst mit bestimmten Dingen unglücklich mache, nur, um vielleicht anderen Menschen besser zu gefallen, die mir selbst nicht einmal guttun. Vielleicht fühlst du dich mit diesen Worten auch angesprochen. Wenn dies der Fall ist, könntest du unter emotionalem Masochismus leiden. Was genau das ist und welche Anzeichen dahin deuten, dass du dich selbst unglücklich machst, zeige ich dir in diesem Artikel.

Trigger Warnung: Im folgenden Artikel werden Themen behandelt, die Menschen mit einer instabilen mentalen Gesundheit triggern könnten.

Was bedeutet emotionaler Masochismus?

Der Begriff des emotionalen Masochismus hat nichts mit Peitschen, Handschellen und einem sexuellen Leben zu tun. Masochismus an sich bedeutet, dass man Freude daraus zieht, verletzt zu werden. Wenn du also ein emotionaler Masochist bist, hast du (unbewusst oder bewusst) Lust daran, emotionale Negativität zu empfinden und unglücklich zu sein. Du genießt es nicht nur – du suchst nach Elend.

Emotionale Masochist:innen fühlen sich in den schmerzhaftesten und zerstörerischsten Beziehungen am ‚wohlsten‘. Die betroffenen Menschen denken in diesem Zuge oft, dass sie nichts Besseres verdienen oder nichts Besseres finden werden. Sie gehen immer wieder zu den Personen zurück, die ihnen emotionalen Schmerz bereiten und haben außerdem Schwierigkeiten, eigene Grenzen zu setzen.

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5 Anzeichen, dass du dich mit emotionalem Masochismus quälst

Emotionaler Masochismus bedeutet also, sich selbst zu erniedrigen, (emotionalen) Schmerz zuzufügen und sich stets und ständig zu demütigen. Wenn du dich in diesen Gedanken und Beschreibungen wiederfindest, dir aber trotzdem nicht sicher bist, ob du dieses selbstzerstörerische Verhalten an den Tag legst, haben wir für dich fünf Anzeichen, die dir zeigen können, ob du ein:e emotionale:r Masochist:in bist.

1. Du kehrst immer wieder zu der Person zurück, die dich verletzt hat

Obwohl bei dir immer wieder die Warnglocken klingeln und du selbst auch weißt, dass dir bestimmte Personen nicht guttun, fühlst du dich immer wieder zu diesen Menschen hingezogen. Das kann ein:e (Ex-)Freund:in sein oder der/die Ex-Partner:in. Auch hier kann dieser Umstand auf die Denkweise bezogen werden, dass du in diesem Sinne nichts Besseres verdienst oder denkst, dass diese toxischen Menschen ja ’nicht immer so sein können‘. Egal wie: Du wirst immer wieder von der gleichen Person verletzt.

zwei Freundinnen auf Abstand
Emotionaler Masochismus bedeutet auch, dass man sich immer wieder zu den falschen Personen hingezogen fühlt. Foto: IMAGO Images / Westend61

2. Du verbringst viel Zeit mit negativer Kritik an dir selbst

Sich selbst einen Pep-Talk zu geben und zu sagen, wie toll man eigentlich ist, ist nicht immer so einfach. Wenn du dazu neigst, nie etwas Schönes über dich selbst zu sagen oder es zumindest zu probieren, kann es sein, dass du dich mit dem emotionalen Masochismus selbst manipulierst. Dein innerer Dialog ist in diesem Falle fast nur negativ konnotiert und du tust auch nichts, um das zu ändern. Dadurch kannst du dich und deine mentale Gesundheit schlichtweg zerstören. Es ist also wichtig für dich, Wege zu finden, diese Muster zu brechen – ob mit einer Therapie oder dem/der richtigen Gesprächspartner:in.

3. Du liebst Drama

Wenn es kein Drama in deinem Leben gibt, machst du einfach selbst welches – manchmal bewusst und manchmal unbewusst. Einige emotionale Masochist:innen fühlen sich sogar innerlich leer und tot, wenn es kein Chaos oder keinen Konflikt in ihrem Leben gibt, welcher ihnen einen gewissen Adrenalinkick gibt. Dabei bist du dir nicht einmal bewusst, wie sehr dich diese negative Energie negativ beeinflusst.

4. Du suchst nach Anerkennung von Leuten, die dir keine geben

Du hast stets das Gefühl, dass du dich vor allem bei Menschen beweisen musst, die dir sonst nie ihre Anerkennung schenken. Dabei wirst du aber nicht immer Erfolg haben und fügst dir dadurch selbst Schmerzen zu. Im Zuge dessen hast du auch Schwierigkeiten damit, diese Anerkennungserwartungen von diesen Menschen fallen zu lassen.

Frau schaut durch Jalousien
Die Suche nach Anerkennung kann auch durch emotionalen Masochismus bedingt sein. Foto: IMAGO Images / MASKOT

5. Du sabotierst dein eigenes Glück

Das letzte und größte Anzeichen, welches für emotionalen Masochismus stehen könnte, ist die Sabotage des eigenen Glücks. Wenn du glücklich bist, tust du direkt etwas, um dich wieder unglücklich zu machen und dein High zu beenden. Warum? Weil du das Gefühl hast, dieses Glück nicht zu verdienen. Oft liegt hier das Problem in der Kindheit und einem nicht aufgearbeiteten Trauma. Mithilfe einer Therapie kannst du dieses allerdings überwinden und verstehen, dass du Unterstützung an allen Ecken verdienst.

Emotionaler Masochismus: Du kannst deine Denkweise stets ändern – wenn auch nur in kleinen Schritten

Wie du sicherlich nun siehst, ist mit emotionalem Masochismus nicht zu spaßen. Es kann regelrecht gefährlich für dich und deine mentale Gesundheit sein, dein eigenes Glück und deine Lebensfreude immer wieder zu sabotieren. Wenn du das Gefühl hast, aus diesem Teufelskreis nicht herauszukommen, wende dich an eine:n Therapeut:in und hole dir professionelle Hilfe. Es ist keine Schande, nicht allein aus diesem ‚Loch‘ herauszufinden. Wenn du lieber anonym Hilfe suchen möchtest, kannst du das Sorgentelefon unter der  0800 / 111 0 111 erreichen, wo Mitarbeiter:innen sich deinen Problemen annehmen.

Zu guter Letzt: Bleib stark. Du wirst den emotionalen Masochismus nicht von einem auf den anderen Tag loswerden, aber wenn du kleine Schritte gehst und dir immer wieder sagst, dass auch du es verdienst, glücklich zu sein, wird sich dein Leben sicherlich ganz bald ändern – und zwar zum Positiven.

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