Psychologie

Mansplaining – wenn Männer uns die Welt erklären wollen

Mansplaining ist Teil des omnipräsenten Alltagssexismus, den viele Frauen täglich erleben. Wir klären den Begriff & zeigen dir, warum er so wichtig ist.

Frau Stop
Bis hier hin & nicht weiter: Wir sagen Mansplaining den Kampf an. (Credit: iStock, inakiantonana)

Aus den beiden Wörtchen man und splain (=Slang für explain) wurde um die 2000er Jahre in der Blogszene der Neologismus Mansplaining gebildet. Seither geistert er vor allem durch feministische Texte. Manche zeigen sich begeistert von dem Begriff, der das auf den Punkt bringt, was sie viel zu häufig erleben: Und zwar die herablassende Erklärung eines Mannes, der fälschlicherweise davon ausgeht, einer anderen Person müsse ein bestimmter Sachverhalt erst erklärt werden. 

Kontroversen um das Mansplaining

Andere sehen den Begriff nicht nur als zu inflationär gebraucht, sondern vor allem als sexistisch gegenüber Männern. Immerhin würden sich nicht alle dieser Verhaltensweise bedienen. Kurzum: Der Begriff ist kontrovers diskutiert. Fakt ist aber auch: In Sachen Kommunikation lassen sich bis heute Asymmetrien zwischen Männern und Frauen beobachten. 

Und nenne man es, wie man wolle: Mansplaining existiert. Und wird nun mal meist von Männern gegenüber Frauen ausgeübt. Wieso es den umstrittenen Begriff braucht & wie die Kommunikation zwischen Mann und Frau zukünftig besser klappt, verraten wir dir hier.

Frau & Mann
Wenn Mansplaining Anwendung findet, steht es meist schlecht um die gesamte Gesprächssituation.

Mansplaining: Definition der Wortneuschöpfung

Das Meriam-Webster’s Collegiate Dictionary definiert Mansplaining wie folgt:

It’s what occurs when a man talks condescendingly to someone (especially a woman) about something he has incomplete knowledge of, with the mistaken assumption that he knows more about it than the person he’s talking to does.

Kurzum: Ein Mann versucht, etwas zu erklären, obwohl er weniger Ahnung als sein Gegenüber (meist eine Frau) hat. Klingt dieser Umstand nun im ersten Moment lustig, darf jedoch nicht vergessen werden, dass nicht selten Herabwürdigung und Bevormundung mit dem Mansplaining einhergehen.

Besagter Twitterpost offenbart Online Mansplaining at its worst.

Und dennoch: Ein wenig lustig bleibt es schon, wenn Männer sich aufs Glatteis wagen und versuchen, vor allem Expertinnen auf ihrem eigenen Fachgebiet zu belehren. So passierte es zum Beispiel auf Twitter, als ein Mann einer Gynäkologin den Unterschied zwischen den Begriffen Vagina und Vulva erklären wollte – und dabei völlig falschlag.

Manspreading
Schon mal vom Manspreading gehört? Bald schon wirst du es überall sehen, weil du nun um die Bedeutung weißt.

Mansplaining: Wie aus einem neuen Wort eine Flut wurde

Nicht, dass die amerikanische Journalistin Rebecca Solnit den Begriff in ihrem Essay aus dem Jahr 2008 mit dem Titel Men Explain Things to Me; Facts Didn’t Get in Their Way selbst genutzt hätte. Doch erst durch sie wurde die Beschäftigung mit asymmetrischen Kommunikationsverhältnissen zwischen Männern und Frauen derart populär, dass es für nötig erachtet wurde, dieses Phänomen sprachlich prägnant zu fassen.

Mansplaining. Was noch?

Damit nicht genug, denn es folgten ähnliche Neologismen auf den Fuß: Ob das sogenannte Manterrupting, welches das unhöfliche Unterbrechen in Gesprächssituationen bezeichnet oder aber der von Matthias Stolz geprägte Begriff Manteraining, welcher die chronische Überschätzung von Männern ihrer eigenen Witze meint. Auch der Begriff Manspreading, der die unnötig weite Beinöffnung mancher Männer in öffentlichen Verkehrsmitteln betitelt, gewinnt seither an immer mehr Popularität. 

Frau still
Bis heute haben Frauen es schwerer, Gehör zu finden.

Von Partytalks zur strukturellen Problematik

Solnit beschreibt in ihrem Essay, wie sie auf einer Party war und von ihrem kürzlich veröffentlichten Buch über Eadweard Muybridge sprach. Bis sie von einem Mann unterbrochen wurde, der es für nötig hielt, über eben dieses Buch zu fachsimpeln. 

In seinem Nichtwissen gefangen, dass er soeben vor der Autorin des Buches stand, überhörte er auch die freundlichen Hinweise, die Solnit abermals als Autorin vorstellten. Als er seinen Fehler verstand, zeigte er sich kaum peinlich berührt. 

Nicht aber solche Situationen sieht Solnit als Problem, sondern die Strukturen, die es bedingen: Bis heute wird Frauen oft kein Gehör geschenkt (Stichwort Vergewaltigung) und auch werden vielerorts keine Mittel gescheut, Frauen einzuschüchtern. Hierbei würde auch Sprache als Mittel der Macht missbraucht, welches Zweifel sähen und Beschränkung herbeiführen soll.

In ihrem Buch in deutscher Übersetzung Wenn Männer mir die Welt erklären von 2015 heißt es dazu: 

Das geschilderte Gesprächsverhalten ist eine Methode, im höflichen Diskurs Macht auszuüben – die gleiche Macht, mit der auch im unhöflichen Diskurs und durch Akte körperlicher Einschüchterung und Gewalt Frauen zum Schweigen gebracht, ausgelöscht, vernichtet werden – als Gleichwertige, als Partizipierende, als Menschen mit Rechten und viel zu oft schlicht als Lebende.
WOMAN
Mansplaining ist kein kleiner Fauxpas, sondern nur die Spitze des sexistischen Eisbergs.

Warum der Begriff Mansplaining so wichtig ist

Dass Sprache tatsächlich Mittel der Macht ist, offenbart sich in diversen Onlineforen, die Antifeminismus vom Allerfeinsten propagieren. Doch nicht immer braucht es Hate Speech, um gegen Frauen und Emanzipation zu wettern

Auch nichts zu sagen oder (schlimmer noch) zu behaupten, die Emanzipation wäre abgeschlossen, kommt einer Entmachtung gleich. Wer meint, Wörter wie Mansplaining, die auf Kleinigkeiten aufmerksam machen, braucht es nicht, der irrt. 

Mansplaining ist Teil des Alltagssexismus und keinesfalls zu ignorieren. Denn hierin liegt kein kleiner Fauxpas verborgen. Vielmehr zeigt sich hier nur die Spitze des Eisbergs. Denn vor der sprachlichen Bevormundung steht nicht selten überhaupt erst die Annahme, Frauen wären weniger vernunftbegabt, objektiv und allwissend als Männer. Oder warum sonst sind Männer weltweit der Meinung, selbst Expertinnen eines Besseren belehren zu wollen?

we are equal
Wir möchten endlich Kommunikation auf Augenhöhe.

Gemeinsam besser werden

Kritiker des Begriffes Mansplaining beklagen seine Einseitigkeit. Immerhin würden auch Frauen sich herablassender Erklärungen bedienen. Wir halten nicht viel von diesen Relativierungen. Wovon wir allerdings viel halten, ist eine Kommunikation auf Augenhöhe. Mansplaining, Shesplaining, egal wie: Zukünftig geht es darum, Misskommunikation zu umgehen.

Mansplainer zur Rede stellen

Gerätst du in die unangenehme Situation des Mansplainings, dann gilt: Mund aufmachen. Weise dein Gegenüber daraufhin (auf die nette Art natürlich), dass dir soeben nichts Neues oder gar etwas Falsches erklärt wurde. Folgt Nicht-Einsicht oder gar sexistischer Gegenwind, ist die persönliche Ebene wichtig. 

Es gibt keine? Dann getrost umdrehen und gehen. Es besteht eine? Dann solltest du versuchen, Missverständnisse aus der Welt zu schaffen. Natürlich immer auch unter Rücksichtnahme nonverbaler Kommunikation in Form von Körpersprache und Mikroexpressionen.

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